Kategorie: Fragen von Fotografen

Was berechne ich für die Nutzung von „Ausschuss“-Fotos?

Frage einer Fotografin heute: „Was berechne ich für Motive, die bei einer bezahlten Produktion entstanden sind, aber bei der Veröffentlichung nicht verwendet wurden?“

Konkret geht es um den Auftrag einer Food-Buchpublikation, nach der die Fotografin von Porträtierten gefragt wird, ob sie die nicht verwendeten Fotos bekommen könnten. Die Fotografin war sich unsicher, was sie dafür berechnen kann. Ich fragte sie, an welchen Betrag sie denn denke, und sie neigte, wie es häufig vorkommt, dazu, diesen sehr niedrig anzusetzen. Aus der Sicht der Fotografin hatte sie ja schon ein Honorar erhalten und konnte jetzt ein kleines Zusatzgeschäft abschließen.

NutzwertIch gebe den Rat, dabei nicht ans Machen, sondern ans Bewirken zu denken. Was heißt das? Statt seine Kalkulation danach auszurichten, wie viel Arbeitsaufwand oder Zeit man investiert, sollte man immer, besonders aber in einem solchen Fall, berücksichtigen, welchen Nutzen der Kunde daraus zieht.

Möglichkeit 1: Der porträtierte Winzer möchte die Fotos von sich und der Familie für private Zwecke. Er erwartet, dass die Fotografin ihm die Bilddaten schickt. Das ist im privaten Umgang normal, wäre aber für einen Berufsfotografen eine wenig professionelle Verfahrensweise. Eine gute Alternative ist, den Kauf von hochwertig gedruckten Prints anzubieten. Falls er keinen Wert auf Fotoabzüge legt und eher nichts /nur wenig zahlen würde, man den Kontakt aber pflegen möchte, würde ich ein Motiv oder zwei runterrechnen und mit einem Wasserzeichen (Name/Domain des Fotografen) versehen schicken. Da solche Fotos sicherlich umgehend in den sozialen Netzwerken kursieren, sollte man das unbedingt als Werbemöglichkeit für sich nutzen. Damit hat man dann eine klassische Win-Win-Situation: Der Porträtierte kann mit den Fotos bei den anderen Winzern angeben und die möchten sich dann hoffentlich auch von der Fotografin ablichten lassen.

Möglichkeit 2: Der porträtierte Unternehmer will die Fotos kommerziell nutzen. Dann muss man für sich überlegen, ob das Bildmaterial beispielsweise so gut und umfangreich ist, dass er sich einen Auftrag zum Fotografieren einer Imagekampagne/-broschüre einsparen möchte. Hier gilt es natürlich, den Wert der Fotos entsprechend anzusetzen, um sich so weit wie möglich für den Auftrag zu entschädigen, den man andernfalls womöglich bekommen würde. Man verlange also einen reellen Preis. Alles andere schadet nur: dem eigenen Ansehen, dem der Fotografie und der Einkommensentwicklung in der Branche.

Tipp: Das Thema Nutzungsrechte ist nach wie vor aktuell! Man sollte sich also immer (am besten schriftlich per E-Mail) erkundigen, welcher Verwendungszweck vorgesehen ist, und danach den Preis ansetzen.

Mehr praktische Tipps und strategische Orientierung in der aktuellen gerade neu eintreffenden Version meines Buches „Erfolg als Fotograf„.

 

5 Mythen, die Sie als Fotograf/in durchschauen sollten

In den Beratungsgesprächen, die ich mit Fotografinnen und Fotografen führe, begegnen mir immer wieder die gleichen Vorstellungen als schwer erschütterliche Gewissheiten. Fünf habe ich nachfolgend aufgeführt.

1. Ein eigenes Fotostudio zu haben wirkt seriös.

Speziell Berufswechsler unterliegen dem Glauben, das Einrichten eines Studios mache aus ihnen einen „richtigen“ Fotografen. Lust auf ein Studio zu haben, ist nur zu verständlich. Leider stehen die Kosten in keiner vernünftigen Relation zum Nutzen. Tipp: Wenn Sie einen Arbeitsraum benötigen, mieten Sie sich einen Büroraum an, eventuell in einer Bürogemeinschaft. Der ist günstiger und setzt Sie nicht so unter Druck, im Studio zu fotografieren. (Was eigentlich?)

2. Die digitale Mittelformatkamera muss sein.

Noch so eine Methode, sich zu verschulden. Es mag das Selbstbewusstsein stärken, eine Hasselblad zu besitzen. Aber die Kamera ist schwer, langsam und teuer. Für was genau brauchen Sie die wirklich? Tipp: Wenn Sie denken, die Kunden nehmen Sie nur mit Hasselblad ernst, dann posen Sie mit einer aus dem Rent für das Profilfoto auf Ihrer Website. Das erfüllt den gleichen Zweck und Sie können nachts ruhig schlafen.

3. Man fängt am besten mit Hochzeiten an, und arbeitet sich dann zur Businessfotografie hoch.

Privatkunden und Businesskunden sind zwei Welten mit eigenen Regeln und Erfahrungen, die man jeweils machen muss. Hochzeiten können als Einkommensquelle funktionieren, wenn man gut ist und sich wirklich engagiert. Vom Privatkundengeschäft rate ich ansonsten ab. Tipp: Überlegen Sie, wie viele private Porträtkunden im Monat kommen müssten, um einen Umsatz von mindestens 3.000 Euro zu erzielen (bei 150 Euro pro Auftrag sind das 20 Kunden!) und ob das realistisch ist.

4. Man braucht ein vielseitiges Portfolio, um sich als Fotograf/in vorzustellen.

Fotografen meinen zeigen zu müssen, dass sie alles können, was ein Kunde potenziell verlangen könnte – und packen das, was alle anderen auch so ähnlich zeigen, in eine feine Ledermappe. Besser wäre es, an einer Serie zu arbeiten, die wirklich außergewöhnlich ist und die bei den Betrachtern in Erinnerung bleibt. Der fotografierende Universalist ist out, der kreative Experte gefragt.

5. Man lernt Models kennen und verdient viel Geld mit wenig Arbeit.

In dieser Legende steckt ein Körnchen (historische!) Wahrheit. Es gibt auch Leute, die den Lotto-Jackpot gewinnen. Die Chance steht bei 1 zu 140 Millionen. Der Beruf des Fotografen ist schön, aber das Einkommen unsicher und ohne extrem viel Arbeit geht als Selbstständiger ohnehin gar nichts. Tipp: Wer in oder nach einer Anstellung darüber nachdenkt, in die Fotografie zu wechseln, sollte sich diese vorzugsweise als Hobby bewahren und zur Sicherung des Lebensstandards nach einer festen Tätigkeit Ausschau halten.

Ihre Begeisterung für die Fotografie möchte ich damit nicht schmälern, aber Sie wissen ja: Illusionen zahlen Ihnen auch 2015 nicht die Miete. Erfolgreich sind Sie als Person und durch das, was Sie zu sagen oder zu zeigen haben. Folgen Sie also nicht vermeintlich bewährten Berufsregeln; seien Sie individuell und bieten Sie kreative Lösungen an. 

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Wie gestaltet man ein fotografisches Diptychon oder Triptychon?

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Was ich suche, ist ein Lehrbuch über die Gestaltung von Di- und Triptychen von Fotos in einem gerahmten Gesamtbild. Die wenigen gesammelten Auffassungen aus meinem Bekanntenkreis dazu konvergieren, z.B. weil meine Kontexte nicht erkannt werden. Als „gereifter“ Amateur fehlen mir die Leitlinien „to do or not to do“ bei dieser für mich ganz neuen Art der Präsentation, denn bisher hängte ich Bilder brav thematisch getrennt bzw. gruppiert. Vielleicht haben Sie einen Rat. Lothar Steiner, Karlsruhe

Probieren Sie doch ganz entspannt aus, was funktioniert und was nicht! Eine regelhafte Anleitung kommt mir zu dogmatisch vor. Zwei Motive einander gegenüber zu stellen ist klassisches Buch- und Magazin-Layout. Sich dazu (wieder) einmal die Fotobuch-Klassiker anzusehen und den Versuch zu unternehmen, deren Entscheidungen zu verstehen, hilft sicher mehr weiter als ein Regelwerk. Walker Evans Katalogbuch „American Photographs“ von 1938 ist hier das absolute Non-Plus-Ultra. (Ich verweise auf meine ausführliche Auseinandersetzung mit den Büchern von Walker Evans und Robert Frank im Kapitel „Das Fotobuch wird Ausdrucksmedium“ in meinem Buch „Fotografie mit Leidenschaft„.)

Qualitätsentscheidend ist auch hier, wie so oft, sich etwas dabei zu denken und nicht einfach formalen Regeln zu folgen. Werden Bildpaare nur nach grafischen und formalen  Gesichtspunkten (zum Beispiel Linienführung, Schattenbereiche, Materialien, Grauwerte oder Farbverteilung) zusammengestellt, ist das für ein Buchlayout okay. Die Doppelseite ist hierfür schlicht die naturwüchsige Art der Präsentation. Ein Motiv wie das Folgende geht in einem Buch als Humor durch, für eine Ausstellung ist das aber ungeeignet.

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Besser ist es, wenn sich die Motive gegenseitig „zum Sprechen“ bringen, indem sie sich ergänzen oder kontrastieren. Idealerweise sollte aber ein (ernsthafter) inhaltlicher Bezug bestehen, der sich auch dem nicht eingeweihten Betrachter vermittelt. Vor allem, wenn es sich um Wandbilder handelt, sollte der Betrachter durch die Gegenüberstellung etwas erkennen können, das ihm das Einzelbild nicht vermittelt hätte.

Motive, die nicht eigens fotografiert wurden, um als Diptychon zu erscheinen, stellt man am besten erst einmal in einem PDF zusammen, um die Wirkung zu probieren. Mein Workaround für die Bildzusammenstellung, z.B. wenn ich Portfolios für Fotografen strukturiere, ist, die Motive in Lightroom in einer Schnellsammlung zu sammeln. In dieser kann man sie in der Reihenfolge verändern und ausprobieren, welche Motive eine kluge Kombination ergeben. Wenn man sie dann in die Buchfunktion exportiert, hat man eine noch bessere Doppelseitenansicht und kann das Layout anpassen. Nach dem Export als PDF lassen sich auch einzelne Doppelseiten entnehmen oder das Ganze lässt sich ausdrucken, um es sich erst einmal zum Test an die Wand zu hängen.

Mit dem Triptychon ist es nicht ganz so einfach. Mein Rat: Ins Museum gehen und sich einige ansehen. Davor kann man sich dann fragen, warum der Künstler diese Form gewählt hat (liegt beim Altar nahe) und wie er die Bildinhalte warum auf die einzelnen Bereiche verteilt hat. Zuhause hilft die Schnellsammlung bei Lightroom, indem man sich die Miniaturgröße so einstellt, dass genau drei Bilder in eine Reihe passen, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen.

Zur Präsentation an der Wand empfehle ich, den Abstand zwischen den Rahmen knapp zu halten und den zur nächsten Bildgruppe mindestens doppelt so breit, so dass sofort klar wird, hier hat der Künstler eine bewußte Entscheidung getroffen. Zwei oder drei Motive in einen Rahmen zu hängen wirkt doch arg gepresst und legt dann den Eindruck nahe, da habe jemand Zeitungsseiten ausgestellt. Auch, wenn es entsprechende Passepartouts mit Mehrfachausschnitten gibt: Die Hängung in einzelnen Rahmen wirkt wertiger.

Zusammenfassend: Eine mehr als dekorative Wirkung hat eine Bildkombination nur, wenn man sich schon vorher (bei der Aufnahme) etwas dabei gedacht hat. Nur, was man reinsteckt, kann auch rauskommen. Wenn man eine Idee, ein Konzept oder einen Hintergrund hat, vor dem das Bild entstanden ist, dann ergibt sich die Kombination quasi zwangsläufig. Regeln sind eine Hilfskonstruktion, die dann entfallen kann. Also: Einfach ausprobieren!

Zum Schluss noch ein Hinweis auf die aktuelle Arbeit Janusblicke, einer Serie von Diptychen, von Torsten Andreas Hoffmann. Der Fotograf und Buchautor legt bekanntermaßen Wert aufs Grafische und Formale und liefert die regelhafte Struktur, die Herr Steiner sucht.

Nachtrag am 19.07.2013:

„Über dieses großartige Thema gebe ich seit Langem ein- und mehrtägige interdisziplinäre Foto-Workshops im gesamten Bundesgebiet. Es dreht sich um Konzept, Umsetzung und Layout von Diptys und Triptys. Außerdem ist ein Lehrbuchmanuskript darüber in Arbeit mit AV-DVD“, teilt Martin Timm mit.

 

Wie oft soll ein Fotograf Promos aussenden?

Jetzt – vor Beginn der Sommerferien – ist ein guter Zeitpunkt, um als Fotograf/in auf sich aufmerksam zu machen. Auf die Frage eines Fotografen aus Österreich kann ich antworten: „Alle zwei Monate. Vorausgesetzt, es gibt einen Grund.“

Ein guter Grund ist nicht, dass man letzte Woche in einer Kellergalerie in Linz eine Vernissage hatte, sondern bestenfalls die Einladung zur Vernissage. Noch besser aber: Eine neue, interessante Fotoserie.

Auf der einen Seite ist es natürlich so, dass man potenzielle Kunden wissen lassen sollte, dass man existiert und den Job gerne machen würde. Auf der anderen Seite nerven Aussendungen, die nur Informationen enthalten, die den Empfänger nicht interessieren. Daher sollte man sich vor der Aussendung von Eigenwerbungsmaterial folgende Fragen stellen:

  • Was habe ich anzubieten, das für den Leser/Kunden interessant sein könnte?
  • Für welche Art von Job will ich gebucht werden?
  • Was hebt mich ab von den tausend anderen Fotografen, die auch gerne einen Auftrag hätten?

Bei einer Email-Aussendung ist die Betreff-Zeile entscheidend. Ist man in einem klassischen Genre tätig wie Porträt, Mode, Still, dann sollte das dort vermerkt sein, damit die Artbuyerin das bei sich entsprechend abspeichern kann. Man erspart ihr, dass sie sich zwingend durch einen Anhang klicken muss, um zu erkennen, um was es geht. Ich sehe viele Email-Aussendungen, bei denen in der Betreffzeile etwas steht, das man leicht für Spam halten könnte oder so etwas wie „Newsletter“ oder „Neues aus meiner Kunstwelt“. Werblich interessanter ist die Idee des Fotografen, der Leute im Blockupy-Look in seinem Studio fotografierte. So bekommt man Aufmerksamkeit und die ist im Moment erst einmal das Wichtigste. Also: Lassen Sie sich etwas einfallen, das aus der Masse der 100 Emails am Tag heraussticht. (Es geht hier gar nicht darum, ob man die Fotos von Eduardo Perez gut findet, sondern dies dient als Beispiel für Engagement.)

Soll man eine Email schicken oder eine Postkarte?

Es gibt immer noch viele Menschen, die sich über Papier in Form einer Postkarte oder gar über einen echten Print freuen. Auf beidem sollten auch die Kontaktdaten sein. Und zwar nicht im Bild selbst, sondern darunter, aber auf der Frontseite. Wird das Motiv an eine Pinnwand geheftet, bleibt der Name sichtbar.

Planen Sie Ihre Promo-Aussendung jetzt! Viel Erfolg als Fotograf!

 

Soll ich als Fotografin selbstständig werden?

„Grundsätzlich geht es um die Frage: Habe ich das nötige Talent und Können um überhaupt in eine 100% Selbstständigkeit gehen zu können?“, fragt mich eine Frau aus der Schweiz, deren Freund gerade mit ihr beschlossen hat, dass sie sich eine fundierte Beratung nicht leisten wollen. Daher bekomme ich die Frage nun zum zweiten Mal gestellt und soll für sie eine Entscheidung treffen, ohne die Umstände zu kennen. Die Frau arbeitet noch Teilzeit in einem angestellten Beruf und möchte sich nun mit einem an Verbraucher gerichteten Angebot in die komplette Selbstständigkeit begeben: Dieses reicht von Bewerbungsfotos über PinUp zu den üblichen Babybäuchen. Eine ähnliche Anfrage bekomme ich mindestens einmal pro Woche. Dass ich das für kein besonders taugliches Geschäftsmodell halte, habe ich zuletzt hier knapp formuliert.
Wie so oft, geht schon die große Entscheidungsfrage nach dem Talent, die man sich selbst stellt – sowie anderen, um bestätigt zu werden – komplett am Problem vorbei. Gerade in diesem Fall hängt der Erfolg ja nicht von der Fotografin ab, sondern von der Frage, ob sie ein Konzept hat, für das es eine entsprechende Nachfrage gibt. Und bei der sie so viel Gewinn machen kann, dass dieser den Lebensunterhalt sichert. Oft scheut man sich vor dieser Rechenaufgabe. Man muss sich doch nur einmal fragen, wie viele Schwangere oder Bewerber man pro Tag zu welchem Preis fotografieren muss, um nach Abzug aller Kosten wie Miete, Equipment etc. und Steuern, überhaupt noch etwas übrig zu behalten. Und dann muss man prüfen, ob die im Abwärtstrend befindlichen Preise, der Zeitaufwand pro Shoot und die Unlust zur Akquise das Einnahmeziel realistisch erscheinen lassen.
Dazu braucht man keine Fachberatung. Eine qualifizierte und individuelle Beratung soll Sie dazu führen, die richtigen Fragen zu stellen, die für Sie passende Spezialisierung zu finden und selbstbewußt zu vertreten. Die Beratung bietet eine Abkürzung und sorgt für Klarheit.

Frage zur Mappenzusammenstellung

Kann ich in die Mappe mit Aufträgen auch einige Hochzeitsbilder reinnehmen? Bis jetzt habe ich erst zwei Hochzeiten fotografiert. Es hat aber einige Fotos, die ich gerne zeigen möchte. Darunter würde ich schreiben: Auftrag für Privatpersonen.

Nein! Auf keinen Fall, lautet meine Antwort auf diese Anfrage eines schweizer Fotografen. Das sind zwei völlig unterschiedliche Zielgruppen. Im Geschäftsleben interessiert man sich nicht für Hochzeitsfotos und Privatleute sehen sich keine Auftragsfotos an. Daher gilt es, diese beiden Bereiche zu trennen. Gegenüber potenziellen Auftraggebern im Businessbereich wirkt das Vorzeigen von Hochzeitsfotos anfängerhaft. Es drückt vermutlich den Preis, den der Auftraggeber zu zahlen bereit ist.
Selbstverständlich kann es auch hier eine Ausnahme geben: Man hat Fleuristen oder Restaurants als Businesskunden, die Hochzeiten ausstatten beziehungsweise ausrichten. Dann passt es.

Bei der Formulierung „Fotos, die ich gerne zeigen möchte“ schrillt bei mir das komplette Alarmsystem – Berufskrankheit. Bei einer Mappe geht es NICHT darum, was der Fotograf gerne zeigen möchte. Es geht auch NICHT darum, seine besten Fotos zusammenzuwürfeln. Bei einer Präsentationsmappe ebenso wie der Website geht es einzig darum, die Motive in optimaler Qualität zu zeigen, für man beauftragt werden will. Und für die man beauftragt werden könnte: Für im Urlaub entstandene Fotos oder irgendwelche Experimente wird man in der Regel nicht beauftragt werden.

Aber Obacht: Das heißt im Umkehrschluss nicht, in der Mappe sollten nur Arbeiten sein, die man im Auftrag gemacht hat. Vor allem nicht, wenn es langweilige Auftragsarbeiten sind. Das mag bei einem mittelständischen Unternehmer noch gut ankommen, in einer Magazinredaktion oder Agentur aber nur müdes Gähnen hervorrufen. Da ist etwas Spannendes, das im Eigenauftrag entstand, passender.

Bitte denken Sie daran: Niemand hat Lust und Muße, sich durch Material zu blättern, das ihn weder angeht noch interessiert. Es macht daher Sinn, sich auf eine Zielgruppe zu fokussieren, und die Mappe passend für diese Zielgruppe zusammenzustellen. Da ist weniger immer mehr! Dieses Bedürfnis, alle schönen Fotos zeigen zu wollen, die man gemacht hat, und dafür auch noch gelobt werden zu wollen, wirkt wenig professionell. Unprofessionelle Fotografen gibt es derzeit wie Sand am Meer. Nur wer sich professionell präsentiert, hat eine Chance, sich durchzusetzen. Ich helfe Ihnen gerne dabei.

Eigener Shop für Fotografien – ja oder nein?

Heute bekam ich eine Email mit der Frage, ob es sinnvoll sei, auf seiner Webseite einen eigenen Shopbereich aufzumachen, in dem Prints zum Verkauf stehen. Als Vorbild dient ein Fotograf, der „limited edition prints“ auf seiner Webseite anbietet.

„Hierzu meine Frage: Ist dies angemessen oder wirkt es abschreckend oder gar amateurhaft?“

Aus meiner Sicht wirkt das nicht abschreckend oder amateurhaft, aber etwas blauäugig. Man unterschätzt leicht, wie heikel das Verkaufen im Internet ist. Bevor man sich in die Rechtslage einarbeitet, sollte man sich zunächst folgende Fragen stellen:

1. Wer soll die Fotografien kaufen?

2. Kommt derjenige überhaupt auf meine Website bzw. wie kann ich potenzielle Käufer anlocken?

3. Schon mal darüber nachgedacht, warum Galerien im Internet Fotografien zeigen, aber nie Preise nennen?

Leider, leider begehen Fotografinnen und Fotografen (aber auch viele andere Selbstständige) den Fehler, zu sehr an den Preis zu denken. Bei der kommerziellen Arbeit hat das den Effekt, über den Preis zu konkurrieren statt über die Leistung, die mehr umfaßt als nur Fotos zu machen, nämlich die ganze Person, die Kompetenz und die Kooperationsbereitschaft etc.

Im künstlerischen Bereich ist eben auch nicht der Preis ausschlaggebend, sondern das wie auch immer geartete Versprechen, das mit dem Kauf einhergeht. Das kann auch die gute Story sein, die ein Galerist dazu erzählt. In dem Bereich wird man ohnehin erst ernst genommen, wenn der Print 3.000 Euro kostet. In dem angeführten Beispiel kostet er 200 Euro. Ist das viel oder wenig für einen 30 x 45 cm Abzug? Für den Fotografen ist es eher wenig, denn rechnen wir 31,92 Euro Umsatzsteuer ab plus grob im Schnitt 20 Euro fürs Shipping und rund 10 Euro für den Abzug plus Gebühren für PayPal, die Zeit für das Rechnungschreiben, Verpacken und vor allem das Einrichten des Shops mal gar nicht betrachtet, kommt irgendwas zwischen 130 und 140 Euro raus, das auch noch versteuert werden muss. Noch einmal zum Merken: Beim Verkauf von Prints müssen Sie 19 Prozent Umsatzsteuer (nicht 7% !!) einrechnen, auf der Rechnung ausweisen und ans Finanzamt abführen.

Von der Käuferseite aus gesehen kauft man in diesem Preissegment nicht KUNST, sondern ein Motiv. Denn zum WERK gehört ja auch die Präsentation. Da möchte man sehen, wie es wirkt, wie gut oder schlecht der Abzug ist, wie es an der Wand anmutet. Alles Faktoren, die man bei 72 dpi nicht vermitteln kann. Wann gibt man für etwas, das man nicht wirklich gesehen hat, geschweige denn benötigt, 200 Euro aus? Das ist eine Frage, die man sich leicht selbst beantworten kann. Dabei sollte ich erwähnen, dass es generell für Käufe im Internet ein 14tägiges Rückgaberecht gibt. Was also, wenn der Käufer sagt: „Bäh, paßt nicht zur Bettwäsche!“ und den Print zurückschickt? Der Verkäufer trägt dabei die Kosten sowie das Risiko. Bis hier hin möchte ich resümierend sagen: Nur, wenn man die beiden ersten Fragen sinnvoll beantworten und erfüllen kann, lohnen der Aufwand und das Risiko.

Beim von meinem Fragestellenden bewunderten Shop gibt es allerdings Mängel, die schlimmer sind als ein Fehler im englischen Text. Es wirkt in der Tat amateurhaft, limitierte Prints anzubieten, diese Limitierung jedoch nicht zu benennen. Die Größenangaben der Prints stimmen zudem nicht überein. Es fehlen ein Impressum und das Widerrufsrecht, zudem ist die Frage mit der Umsatzsteuer (EU/Ausland) ungeklärt, mithin gibt es gravierende Mängel, so dass ich zum Schutz des Shop-Besitzers den Link zu seiner Webseite nicht, wie geplant, publiziere. Ohnehin gibt es vom Shop keinen Link zur Hauptseite, so dass auch hier wieder eine Chance zur Selbstpräsentation vertan wurde.

Genaueres zum Thema Kunstmarkt steht in meinem Buch „Fotografie mit Leidenschaft„, fast alles zum Thema Selbstmarketing in „Erfolg als Fotograf„. Für die Entwicklung individueller Pläne und Strategien biete ich seit zehn Jahren eine persönliche Beratung an.  Dr. Martina Mettner

Frage: Ist analoge Großbildfotografie viel oder wenig Fototechnik?

Wie wichtig oder unwichtig ist Technik? Das kommt ganz darauf an, wer fragt und welcher Anwendungsbereich der Fotografie gemeint ist. Es gibt keine pauschale Antwort, und ganz sicher kann man nicht erwarten, beim tendenziell künstlerischen Arbeiten eine rezepthafte Anleitung à la „Einführung in Lightroom 4“ zu bekommen. Ein offensichtlich fototechnisch orientierter Leser meines neuen Buches, Fotografie mit Leidenschaft, postet auf Amazon seinen Frust darüber, dass er verunsichert sei. Er schreibt u.a. über mich: „Die Beschäftigung mit Technik hält sie hingegen für entweder überflüssig oder selbstverständlich – das ist mir nie so ganz klar. Einerseits klingt es so, als sei das Wissen einfach leicht zu erwerben, andererseits klingt es manchmal fast so, als sollte man gar nicht erst damit anfangen, sich technisch weiter zu bilden. … sie spielt die Bedeutung der Technik wie gesagt stark herunter, lobt aber regelmäßig Bilder, die mit Großformatkameras aufgenommen wurden und stellt auch in ihrem Blog mit Vorliebe technisch absolut aalglatte Bilder vor.“ Ich greife diesen Punkt auf, weil ich eine Diskussion begrüße und gerne auch begleitend zum Buch an dieser Stelle führe.

Fototechnik als Teil des Handwerks

Zunächst einmal möchte ich unterscheiden zwischen Fototechnik und dem fotografischen Handwerk. Am Wochenende war hier im Haus ein Workshop, bei dem die Teilnehmer Bildergebnisse, denen man nicht unbedingt ansah, dass sie mit teuren Ausrüstungen entstanden waren, auf hochwertigen Papieren ausdruckten. Es kam gar die Frage auf, wie man denn seine 20-Megapixel-Urlaubsfotos am besten runterrechne, weil sie ja doch nur in Postkartengröße ausgedruckt würden. Dass die digitale Mittelformatausrüstung allenfalls scharfe, aber noch keine interessanten Fotos garantiert, ist eine Binsenweisheit. Wichtiger als eine kostspielige Kamera wäre, etwas zu sehen, etwas zu sagen zu haben oder ein Konzept umzusetzen. Die bei kommerziellen Fotografen bewährte, sinnvolle Reihenfolge wäre auch für den Hobbyfotografen: Erst einen Plan zu schmieden, was man fotografieren will, dann die passende Technik oder Ausrüstung zu bestimmen.

Fotografie ist zu einem guten Stück Handwerk, das erlernt werden sollte. Dazu gehört auch, Licht zu setzen. Sie wissen ja: „Der Amateur kümmert sich um die Kamera, der Profi ums Licht.“ Damit umzugehen ist ohne Zweifel schwer, viele Fotografierende vermeiden Kunstlicht aus gutem Grund. Ein solches handwerkliches Defizit wird erst problematisch, wenn aus den privat gemachten Hochzeitsfotos plötzlich Auftragsarbeiten werden, wenn dann, nach ein paar sehr gelungenen Porträts auf der Wiese, auch vor Beautyfotos und Businessporträts nicht halt gemacht wird. Die Ergebnisse fallen meist erschreckend dilettantisch aus. Aber da fachfremde Kunden den Unterschied nicht einmal bemerken, sacken Niveau und Preise immer weiter ab. (Berufsfotografen sollten auf solche Qualitätsunterschiede stets hinweisen!)

Es gibt weite Bereiche in der Fotografie, in denen die Inspiration nur 10 Prozent ausmacht und 90 Prozent schweißtreibendes Handwerk sind. Für jeden, der kommerziell arbeitet, halte ich eine solide handwerkliche Ausbildung für unabdingbar. Technisches Wissen ist ein Teil des Handwerks, und dieses ist heute für jeden leicht online zu erwerben. (Der andere Part ist die tägliche Praxis.) Mein Punkt ist, dass es beim handwerklichen Arbeiten alleine nicht bleiben sollte, sondern der Werbefotograf sich, um in der Zukunft zu bestehen, ab und an mit einem persönlichen Projekt kreativ wieder „einnorden“ und auf sich aufmerksam machen sollte.

Der Hobbyfotograf unterliegt häufig dem Irrtum, das technische Wissen alleine reiche schon aus, sich als Fotograf zu qualifizieren. Ihm fehlt aber die praktische Erfahrung, jeden Tag Aufgaben bestmöglich zu lösen und sich im harten Kampf um die Jobs zu bewähren. Ich habe in „Erfolg als Fotograf“ ausführlich geschildert, was jenseits der Technik wichtig ist.

Die Kamera: Prestigeobjekt oder Arbeitsgerät?

Künstlerisch arbeitende Fotografen interessieren sich für Fototechnik allenfalls als Mittel zum Zweck, jedoch nicht als Selbstzweck. Mit archaischen Kamerasystemen arbeiten sie entweder, weil sie sich die 20-Megapixel-Digitalkamera finanziell nicht leisten können und/oder, weil das Analoge eine besonnene Arbeitsweise mit sich bringt. Genau das ist es, was ich im neuen Buch schildere: Arbeitsweisen von Fotografen. Dabei stellte sich auch für mich überraschend heraus, dass viele analog fotografieren. Da frage ich natürlich: Warum ist das so und wie wirkt sich das aus? Sie sind also nicht im Buch, weil sie mit einer Großformatkamera arbeiten, sondern weil sie inspirierende Beispiele liefern.

Um auf die Eingangsfrage zurückzukommen: Mit der analogen Großformatkamera zu arbeiten ist solides fotografisches Handwerk, das einen in Verbindung bringt mit der gesamten Geschichte der Fotografie, zudem klassisches low-tech.

Die Schwierigkeit des Hobbyfotografen besteht unter anderem darin, sich davon zu lösen, Fotografien primär unter dem Gesichtspunkt zu betrachten, mit welcher Kamera sie gemacht wurden. Da nickt dann wieder jeder, wenn man sagt, es ist komplett unwichtig, so lange das Ergebnis stimmig ist, und fragt anschließend, ob es Großbild sei. In meinem gerade erschienenen Buch geht es um die Frage, wie man inhaltlich dichte, interessante Fotos macht, welche Arbeitsweisen dafür sinnvoll sind – dazu gibt es Beispiele aus der Geschichte der Fotografie, von berühmten Zeitgenossen wie Taryn Simon und Andreas Gursky und von noch wenig bekannten jungen Fotografinnen und Fotografen.

Gerade durch die Begegnungen am Wochenende hat sich noch einmal mein Eindruck verstärkt, dass die Kamera vielfach als Prestigeobjekt und nicht als Arbeitsinstrument verstanden wird. Wer die Fotografie als Hobby betreibt, kauft sich meist die Kameraausrüstung, die er sich maximal finanziell leisten kann. (Das ist nur eine Beobachtung, keine Kritik.) Gibt es eine Alternative? Ja, man könnte überlegen, welches Instrument der eigenen Arbeitsweise am meisten entspricht. Und dann anfangen, an seinen fotografischen Ausdrucksmöglichkeiten zu arbeiten.