Kategorie: Im Fokus

Aktuelle Bücher, Ausstellungen, Festivals

Tipps für Ihre erste Ausstellung

Ein Ladenbesitzer in Ihrem Ort oder eine öffentliche Einrichtung hat Ihnen angeboten, Ihre fotografischen Arbeiten zu zeigen. Da können Sie natürlich nicht „Nein“ sagen; obwohl es riskant sein kann, mit seinen Erstlingswerken an die Öffentlichkeit zu gehen. Womöglich befassen Sie sich jedoch schon lange mit der Fotografie und suchen jetzt Anerkennung auf dem Ausstellungssektor – gar auf dem „Kunstmarkt“. Aus Erfahrung kann ich sagen: Je kürzer man fotografiert oder sich mit dem Gedanken an Öffentlichkeit befasst, desto blauäugiger ist man. Wie Sie bestimmt wissen, hat man jedoch nur eine Chance auf einen guten ersten Eindruck. Das ist besonders für jene zu bedenken, die sich beruflich anderweitig bereits einen Namen gemacht haben. Sie sollten berücksichtigen, dass es professionelle Maßstäbe nicht nur im eigenen Berufsfeld gibt, sondern auch im Bereich Kunst und Kultur.

Eine Ausstellung kann auch im Freien stattfinden – hier in Innsbruck.

Ein erster wichtiger Rat vorab wäre, sich niemals mit drei, vier, fünf Erfolgreichen zu vergleichen. Die „Big Names“, von denen man mal gehört oder gelesen hat, befinden sich quasi in einem Paralleluniversum. Seien Sie realistisch und freuen Sie sich über jede Form von Anerkennung. Egal wo Ihre erste Ausstellung stattfinden wird, Sie treten damit ins Licht der Öffentlichkeit und sollten vorab folgende potenzielle Fettnäpfchen beseitigen. Das gilt natürlich auch, bevor Sie zu einer Portfolio-Review auf einem der vielen Festivals aufbrechen.

Erste Ausstellung oder Portfolio-Review: So erhöhen Sie Ihre Chancen beim Fachpublikum

1. Hände weg von Kreativ-Domains
Vermeiden Sie kreative Begriffsfindungen für eine Fotografen-Website. Einprägsame Begriffskombinationen (wie bei mir „fotofeinkost“) funktionieren bei Blogs, aber nicht für eine Website, auf der Sie „Werke“ präsentieren. Die erste Wahl ist stets, den eigenen Namen zu verwenden; ganz schlicht mit einem Bindestrich in zwischen Vor- und Zunamen. Achten Sie bitte auch darauf, dass die Domain nicht nach Fotogeschäft klingt: Bei „Photo-Mueller“ denkt man an Passfotos, nicht an Ausstellungen.

2. Ist es Kunst?
Verzichten Sie auf Begriffe wie „Kunst“ oder „Kunstwerk“. Warum? Weil es gerade für einen Anfänger anmaßend wirkt, sich selbst so zu etikettieren. Das Urteil, ob es als Kunst gesehen wird, sollte man stets anderen überlassen. Von jemandem, der sich selbst als „Künstler“ bezeichnet, nimmt man meist an, er sei Hobbykünstler. Auch „Art“ heißt „Kunst“, „Fine Art“ gar „Bildende Kunst“, also eigentlich die klassischen Bereiche wie Malerei und Bildhauerei. Der Begriff „Fine Art Fotografie“ ist als Genre verbreitet. Man sollte ihn daher nur verwenden, wenn man genau dieses Genre bedient.

3. Zitate gehören ins Poesiealbum
Benutzen Sie auf Ihrer Webseite keine Zitate, ob von Hermann Hesse oder Richard Avedon spielt keine Rolle. Das ist eine Verlegenheitslösung. Und so sieht es auch aus. Überlegen Sie sich selbst einen klugen Satz zu Ihrer Arbeit. Das interessiert dann auch den Leser. Der Besucher Ihrer Website möchte nämlich etwas über Sie erfahren.

4. Technik ist nicht gleich Stil
Geben Sie nie öffentlich an, mit welcher Kamera oder mit welchem Drucker Sie arbeiten. Weil Maler auch nicht den Hersteller ihrer Farbe angeben? Nein, weil es darum geht, was Sie machen und was Sie sich dabei gedacht haben. Und nicht darum, welche Technik zur Anwendung kam. Gerade bei der Fine-Art-Fotografie bewegen Sie sich zwischen Skylla und Charybdis, also zwischen der Imitation malerischer Effekte auf der einen Seite und der reinen Technikanwendung als Stilmittel auf der anderen.

Ausstellung in einem Fotobuchladen: Serie der berühmten Fotografin Cristina de Middel bei La Fabrica, Madrid

Gewußt wie: Bilder signieren

5. Signieren Sie diskret
Sie können gerne Ihre Bilder signieren. Profis signieren meist auf der Rückseite – oft mit Bleistift. Und zwar dort, wo auf der Frontseite ein weißer Rand gelassen wurde, der hinterher unter dem Passepartout verschwindet. Es ist nämlich nie ganz ausschließen, dass sich die Schrift durchdrückt. Das möchte man natürlich nicht im Motiv haben. Zur Signatur gehört außer der Unterschrift auch der Bildtitel beziehungsweise die Serie und ein Datum.

6. Eine Auflage bestimmen
In der Signatur oder überhaupt irgendwo eine Auflage anzugeben, wenn man noch nie ein Bild verkauft hat, ist unnötig. Wird man hingegen von einem Galeristen gefragt, ist wichtig, eine Auflage anzugeben und dann auch einzuhalten. Üblich ist derzeit bei renommierten Fotokünstlern eine Auflage von 5 Exemplaren. Das sollte dem Laien noch einmal klar machen, wie limitiert die Absatzchancen generell sind.

Fortsetzung folgt am 30. März 2017

FOAM Paul Huf Award 2017

Romain Mader (Jg. 1988) aus der Schweiz heißt der Gewinner des 11. Foam Paul Huf Awards. Für den Preis bewerben können sich Fotografinnen und Fotografen unter 35 Jahren. Er ist mit 20.000 Euro dotiert und mit einer Einzelausstellung im Foam Fotografiemuseum in Amsterdam. Romain Maders Arbeit wurde aus 100 nominierten Portfolios aus 25 Ländern ausgewählt. Die ironisch-humorvolle Serie handelt davon, wie er eine Braut sucht in der fiktiven Stadt „Ekatarina“ – so auch der Name der Serie.

Centro de la Imagen Mexiko City

Innen Centro Imagen

Mit Lateinamerika, speziell Mexiko, verbindet sich eine große fotografische Tradition. Mir fallen vor allem Fotografinnen ein wie die historischen Tina Modotti, Lola Álvarez Bravo oder die zeitgenössischen Klassiker Graciela Iturbide und Flor Garduño, die in einem meiner Bücher vertreten sind. Nun war ich endlich in Mexiko City und dort auch im Centro de la Imagen. Wie schon im letzten Beitrag berichtet, lief gerade die Biennale der Fotografie.

Hier möchte ich Sie einfach mitnehmen und Ihnen einen Eindruck vermitteln, wie es dort aussieht.

Fassade Centro de la Imagen

Plaza de la Ciudadela im Centro Histórico von Mexiko City. Der Gebäudekomplex vom Anfang des 18. Jahrhunderts beherbergte einst die erste Tabakfabrik, Real Fábrica de Tabaco de la Nueva España. „Zitadelle“ wurde das Gebäude genannt, weil es so militärisch wirkte. Nach einer ziemlich wechselvollen Geschichte zog hier 1994 das Zentrum für Fotografie ein.

Eingangssituation Centro Imagen

Von der Metrostation Balderas geht man eine Art Flohmarkt entlang. Der Eingang ist dieses schmale Gittertor zwischen den Ständen.

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[Bewegtbild] Ivan Manriquez: TJ-SD Installation

Im Centro de la Imagen in Mexiko City läuft noch bis 12. März 2017 die XVII Bienal de la Fotografia. Dort sah ich die Video-Installation von Iván Manríquez aus Monterrey, Nuevo León, Mexiko (Beitragsbild). Ich fand sie visuell sehr beeindruckend. Sie bearbeitet zudem das durch die Wahl von Trump zum Präsidenten der USA in der Weltöffentlichkeit derzeit viel beachtete Thema der Grenze zwischen Mexiko und den USA. Genauer gesagt geht es um die beiden Städte Tijuana und San Diego, die wirtschaftlich eng miteinander verflochten sind. Auf der Basis von Satellitenbildern und statistischen Daten schuf Manríquez seine Visualisierung, der er den englischen Titel „Borderline“ gab. 1986 in La Paz, Baja California Sur, geboren, studierte er zunächst Elektrotechnik am Monterrey Institute of Technology, wechselte dann aber zu den Audiovisuellen Künsten an der Autonomen Universität von Nuevo Leon.

Video zum Thema mexikanisch-amerikanische Grenze

This project has its origin in the analysis of satellite images taken in the boundaries between Mexico and the United States. From this perspective I can observe the concept of frontier while the images evoke the imaginary attributed to the region. My work is a reflection on current political activity in contemporary societies and how technology has influenced it through the use of various devices and media languages.

As part of this project, TJ-SD is a video installation consisting of a series of graphs projected simultaneously on a LED board and a television screen, corresponding to numerical data related to the border region between Tijuana and San Diego. The number of inhabitants, the area codes, the postal codes, the time zones and the length of this border are displayed on the board; while the video shows a constant reconfiguration of the pixels that make up the satellite image of the place.

The whole project is entitled „Borderline“. It referres to two concepts: to borderline as a personality disorder, a mental condition characterized by an extremely polarized mood. And to the dividing and imaginary line that limits two or more regions.

Iván Manríquez Website

[Bewegtbild] Alexander Schneider über seine Multimediashow

Sumpfohreule Multimediashow

Topqualifiziert für eine riesige Aufgabe, die er sich selbst gestellt hat, war Mag. Alexander Schneider aus Perg in Oberösterreich. Er fotografierte gut vier Jahre entlang der 1.200 Kilometer langen Grenze Österreichs zu seinen Nachbarländern. Wo einst der „Eiserne Vorhang“ war, entwickelte sich ein einzigartiges Naturgebiet, dessen Artenvielfalt und Schönheit der pensionierte Biologielehrer nicht nur fotografisch preist, sondern für deren Erhalt und Schutz er sich aktiv einsetzt. Was als Fotoidee für die Ausfüllung des Ruhestands begann, entwickelte sich eher ungeplant zu einem Großprojekt. Zum umfangreichen Bildband gesellte sich bald eine Multimediapräsentation, die ihm neben Vortragsabenden in Österreich, Slowenien, Tschechien und Bayern auch Einladungen zu Messen oder Veranstaltungen von Fotoclubs einbringt. Alexander Schneider ist nämlich in Fotoclubkreisen ohnehin bekannt als Obmann des vielfach prämierten Perger Fotoclubs.

Beschreiben Sie bitte, wie Ihre Multimediashow aufgebaut ist und abläuft.
Buchcocer, Multimedia

Oder zu AMAZON

Da ich die Show jetzt schon beinahe fünfzigmal gezeigt habe, bin ich froh, dass ich sie vollautomatisch digitalisiert habe, also mit Musik und einer eigenen Sprecherin. Auch wenn live speaking authentischer rüberkommt, ist es so eine sichere Angelegenheit. Man ist ja nicht jeden Tag rhetorisch gleich gut drauf. Die Show wurde mit Wings Platinum gestaltet, die Technik hat mich, Gott sei Dank, noch nie in Stich gelassen!
Zum Aufbau: Ich versuche, über jeden Teilabschnitt in einer textlastigeren Einleitung zu informieren, um dann mit Musik und passendem Sound die geeignete Stimmung zu erzeugen (fließendes Wasser, Vogelstimmen und Musik, oft übereinander gelegt). Der O-Ton war nicht geeignet wegen der Nebengeräusche (Wind, Autos). Bei der Musik versuchte ich, authentisch zu sein (Smetana im Böhmerwald, Haydn in Hainburg, Toni Stricker am Neusiedlersee mit Pusztamelodien). Sonst liebe ich Klassik und Romantik: Ruhige Landschaften und Chopin.
Meist mache ich bei der Hälfte eine Pause, um mit den Gästen über persönliche Erfahrungen, Naturschutzthemen oder fototechnische Fragen zu diskutieren. Und natürlich weise ich auf das Buch hin, das ich bei den Veranstaltungen verkaufe.
Eine neue Erfahrung mache ich gerade in Tschechien. Ein junger, engagierter Tscheche übersetzt dort simultan, ich reduziere dann den Ton.

Wie ist die Resonanz der Zuschauer? Was hören Sie von denen?

Die Besucherzahlen pro Veranstaltung reichen von 15 bis 130. In kleinen Randgemeinden mit bäuerlicher Bevölkerung kamen oft wenig Besucher. Es waren aber immer Landwirte dabei, die überlegten, ihre Grundstücke für den Zweck des Naturschutzes zur Verfügung zu stellen. Oft ist es mühsame Überzeugungsarbeit, manchmal aber doch ein ideeller Erfolg. In der Uni Wien, im Botanischen Garten Linz und in anderen Städten kamen jeweils über 100 Zuschauer.

Sumpfohreule Multimediashow

Alexander Schneider, Sumpfohreule am Neusiedler See, aus: Am Grünen Band Österreichs


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Ute Eskildsen zum Geburtstag

Als Ute Eskildsen 2012 in den so genannten Ruhestand ging, verschwand eine verlässliche und kompetente Konstante aus einer kulturellen Institution, die sie selbst zur wichtigen Größe in der Fotografie gemacht hatte. Das Museum Folkwang Essen steht in der heutigen Wahrnehmung der Kunstszene weltweit auch und in besonderer Weise für die Fotografie.

Verbundenheit mit dem legendären Otto Steinert

Ute Eskildsen begann ihre Laufbahn 1972 als Assistentin von Otto Steinert an der Folkwang Hochschule, nachdem sie dort zunächst selbst Ende der 1960er Fotografie studiert und später praktiziert hatte. Im George Eastman Haus in Rochester/USA – der damals führenden Institution im professionellen Umgang mit Fotografie – sammelte sie als Volontärin in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre wichtige Erfahrungen.

Fritz Kempe: Die junge Kuratorin Ute Eskildsen, 1980
Silbergelatine-Abzug. Neuerwerbung Museum Folkwang, Essen
© Nachlass Fritz Kempe, Hamburg

Diese sollten ihr Ende 1978 helfen, die nach Otto Steinerts Tod gegründete Fotografische Sammlung am Museum Folkwang als modellhafte Sammlung für Fotografie in Deutschland und Europa aufzubauen – modellhaft im Sinne der Erschließung, Sammlung und Vermittlung historischer und zeitgenössischer Fotografie.
Kuratoren wählen aus, ohne eine wertende Meinung zu pflegen, daher lässt sich auch Ute Eskildsens vielseitige Ausstellungstätigkeit nicht auf einen Stil, Geschmack oder eine Haltung reduzieren. Sie öffnet das modernistische Fotografie-Verständnis von Otto Steinert und seine spätere Ausrichtung auf den Bildjournalismus hin zu einer Fotografie der Autoren, die durch ihre Eigenwilligkeit ihrer Sichtweise überzeugten; etwa Robert Frank, dem sie unter anderem die Ausstellung „Hold Still – Keep Going“ widmete.

Einsatz für Fotografinnen

Mit der Rekonstruktion der legendären Stuttgarter Werkbund-Ausstellung „Film und Foto“ von 1929 gelang ihr 1979 der erste Paukenschlag, gefolgt von einer großen Retrospektive der Subjektiven Fotografie der 1950er Jahre als einer ersten globalen fotografischen Bewegung (1985) und der großen Schau „Fotografieren hieß Teilnehmen“ zu den Fotografinnen der Weimarer Republik (1993). Gerade der Beitrag von Fotografinnen zur Geschichte und Gegenwart des Mediums lag Ute Eskildsen – Kuratorin in einer von Männern dominierten Kunstwelt – besonders am Herzen. Neben den Pionierinnen des Mediums förderte sie auch zeitgenössische Vertreterinnen wie Susan Meiselas, Rineke Dijkstra, Helen Chadwik, Jo Spence, Hellen van Meene, Clare Strand und viele andere mehr.
Neben ihrer Sammel- und Ausstellungstätigkeit schuf sie zudem wichtige Strukturen, wie etwa 1982 das Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stipendium für Zeitgenössische deutsche Fotografie, das um 2000 mit einem weiteren Stipendium zur Förderung des Kuratoren-Nachwuchses auf dem Feld der Fotografie erweitert wurde.

Heute wird Ute Eskildsen 70 Jahre alt. fotofeinkost gratuliert.

Bestehen in der Bilderflut II

Über Geduld und das Verlangen nach Schönem

Wie viele mag ich am Fotografieren, schnell ein Ergebnis zu haben. Ich bin nämlich eher ungeduldig. Je länger ich jedoch über Fotografie schreibend nachdenke, desto klarer wird mir, dass Geduld zum Gelingen ungeheuer beiträgt. Die zeitliche Dauer, die man in eine fotografische Arbeit investiert, zahlt sich aus. Das kann die von mir sehr wertgeschätzte Fotografie mit der Großbildkamera sein, bei der der Akt des Fotografierens selbst von zeitlicher Dauer ist. Das kann aber auch ein langer Zeitraum sein, in dem man an einem Thema recherchiert und fotografiert. Geduld ermöglicht ein tieferes Eintauchen in das, was man in den Fokus nimmt. Das sieht man stets dem Ergebnis an.

Das schöne Bild muss kein Klischeebild sein

Bisher ging es mir in erster Linie darum, auf die Notwendigkeit eines Bildinhaltes hinzuweisen. Speziell in der Hobbyfotografie, bei der nicht auf einen Verwendungszweck hin fotografiert wird, führt die Bildaussage ein Schattendasein. Da geht es ausschließlich um das schöne Bild, das immer technisch perfekt ausgeführt und grafisch nach den Standardregeln aufgebaut ist. In der angewandten Fotografie findet man es als Kalenderbild oder in der Reisefotografie. Da ist schlichtweg das gängige Ideal vom schönen Bild das verkäufliche und damit das richtige.
Als Kontrapunkt zum kommerziellen schönen Bild gibt es in den letzten Jahren vermehrt das beispielsweise aus den Kunsthochschulen kommende Dekonstruieren ästhetischer Gewohnheiten und den aus der Modefotografie von Terry Richardson ausgehenden rough & dirty-Look.
Mit Geduld gemachte Fotografien, die etwas aussagen und dabei schön anzusehen sind, werden immer seltener. Das liegt wohl weniger an einer Ablehnung des Schönen durch die Fotografen, sondern mehr an drastischen Veränderungen unserer westlichen Welt. Sie ist in diesem Jahrhundert deutlich weniger fotogen geworden.

Das unfotogene 21. Jahrhundert?

Man erinnere sich an die Fotoklassiker, die auf der Straße fotografiert haben. Stellen wir uns Henri Cartier-Bressons Fotografien vor mit Personen, die übergewichtig sind, buntbedruckte bequeme Kleidung samt Sneakers tragen und auf ein Smartphonedisplay schauen! Selbst wenn wir uns das schwarzweiß imaginieren, wird es schwierig, sich das schönzugucken. Schlanke Männer in Anzügen wirken – vor allem schwarzweiß – als elegantes und eher diskretes Bildelement.
Mir scheint, es wird zunehmend schwieriger, fotogene Themen jenseits des Klischees und diesseits von Entwicklungsländern zu finden. Armut und Leiden fotografieren sich gut. Das sollte man aber den dafür ausgebildeten Fotojournalisten überlassen.
Was bleibt? Architektur natürlich. Bei Landschaft richtet sich das Bestreben dann wieder allzuleicht auf das Naheliegende, die schöne Lichtstimmung (ohne inhaltliche Relevanz). Eine probate Lösung ist, Männer in Arbeitskleidung abzulichten.

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Luis Fabini: Amerikas Cowboys

Luis Fabini (geb. 1965 in Uruguay, lebt in New York) hat mehr als ein Jahrzehnt immer wieder mit Cowboys auf dem amerikanischen Kontinent ihren kargen Alltag geteilt. Er vermied Klischees aus der Tabakwerbung und schuf Bilder, auf denen man gerne den Blick verweilen lässt und die den Betrachter hineinziehen in die Szenen. Besonders beeindruckend sind die in sich ruhenden Porträts.
Er vermittelt uns die raue Lebenswirklichkeit dieser Männer, die noch heute in den Weiten des amerikanischen Kontinents auf ihren Pferden das Vieh über Hochebenen, Prärien oder durch Sumpflandschaften treiben.

Nach zahlreichen Bechern Mate mit Luis Alberto frage ich ihn: „Wer ist der Gaucho?“ Er schweigt lange, dann sagt er: „Der Gaucho ist das Land unter seinen Füßen.“ Ich verstehe ihn auf Anhieb: Ein Mann wird dem ähnlich, was er tut, und dem Ort, an dem er lebt.

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Edison, Francisco de Assis und Dominguez, Brejo Santo, Brasilien ©2016 Luis Fabini. Aus: Amerikas Cowboys. Von den Prärien Nordamerikas bis in das Hochland der Anden, Sieveking Verlag 2016

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Zé do Mestre, Serrita, Brasilien © 2016 Luis Fabini

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Cerro Largo, Uruguay © 2016 Luis Fabini

Amerikas Cowboys: Von den Prärien Nordamerikas bis in das Hochland der Anden
Text von Wade Davis / Fotos von Luis Fabini. Aus dem Englischen von Philip Laubach-Kiani
Sieveking Verlag, 2016
31,75 x 25,40 cm | 156 S. | 107 Abb. Hardcover mit Schutzumschlag, 49,90 €
ISBN 978-3-944874-51-7 (Deutsch)
Ein Bildband, den ich zum idealen Weihnachtsgeschenk erkläre, für alle, die es nach Südamerika zieht, die naturverbunden sind, und natürlich für jene, die schöne Bilder mit Aussage mögen.

Beitragsbild: Arturo Ibarra im Finale der National Charro Championship, Guadalajara, Mexiko © 2016 Luis Fabini

Spezialisierungspotenzial und Profilierung

Das nachfolgende Interview mit mir erschien im Magazin Photonews 10/16.

photonews-titel-10-2016-300x402Anna Gripp/PHOTONEWS: Kenntnisse über Fotografie haben viele. Aber wie wird man zur Expertin für Beratungen in diesem Metier?

Martina Mettner: Ich pflege ja mein Leben lang eine Liebesbeziehung zur Fotografie und zu den Fotografen. Aber was macht mich zu einer Expertin? Ich würde sagen: Das Schreiben. Es zwingt zum Nachdenken und zum klaren Formulieren. Mich interessiert, wie die fotografische Praxis „funktioniert“, vor allem die künstlerische, dokumentarische, journalistische. Biografien, Bilder oder Absichten zu analysieren und präzise benennen zu können, was sie ausmacht, trainiere ich beim Schreiben von Artikeln und Büchern. Das kommt meinem Gegenüber in der Beratung zugute. Dank meiner Erfahrung komme ich ziemlich schnell auf den Punkt und kann, beispielsweise was freie Projekte oder auch die Eigenwerbung angeht, kreative und individuell passende Vorschläge machen. Ich sehe mich dabei auch eher als kompetenten Gesprächspartner oder Mentor, denn als Coach.

Coaching und Workshopangebote für Fotografen boomen. Wir haben mitunter Zweifel, ob dies nicht vor allem eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die Workshopleiter ist. Wie können Interessierte lohnende und seriöse Angebote erkennen?

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Auf zum Fototermin Frankfurter Buchmesse

An den Publikumstagen 22. und 23. Oktober 2016 sind besonders viele Autoren und prominente Gäste auf der Frankfurter Buchmesse zu Gast. Nele Neuhaus, Simon Beckett, Cecilia Ahern – sie alle werden am Wochenende auf der Buchmesse erwartet. Der „LiBeraturpreis“ würdigt literarische Werke von Frauen aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Der „Beauty And The Book Award“, der auch am Samstag verliehen wird, zeichnet das vom Publikum erwählte, schönste Buch aus. Nachtschwärmer gehen am Samstagabend nach der Messe zur ersten Booknight im Bahnhofsviertel.

Das Lebensswerk von David Hockney im größten Buch der Buchmesse. Besucherin mit dem größten Buchprospekt der Messe am Stand des Taschen Verlags.

Das Lebensswerk von David Hockney im größten Buch der Buchmesse. Besucherin mit dem größten Buchprospekt der Messe am Stand des Taschen Verlags.

Am Messe-Wochenende wird der THE ARTS+ Salon zu einem wahrhaften Virtual Reality-Erlebnisort. In Kooperation mit dem Ersten Deutschen Fachverband für Virtual Reality (EDFVR) entsteht ein Bereich, in dem die Messebesucher Filme, VR-Games und –Kunstinstallationen erleben können. (THE ARTS+ Salon, Halle 4.1 / Q109).

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Lorenz Holder Gesamtsieger bei Red Bull Illume

„In my photos, I like to show the viewers the beauty of the environment where athletes perform. I think a great location is one of the key elements for a great action picture.“ Lorenz Holder

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Red Bull Illume 2016 Category: Masterpiece by Yodobashi Overall Winner Photographer: Lorenz Holder Athlete: Senad Grosic Location: Gablenz, Germany, Camera: Canon EOS 5D Mark III, Lens: EF 24-70mm f/2.8L USM

Senad and I were on the way to a different location early in the morning, when we passed this scenic spot. We saw a sign from the street and I had some pictures in mind that I’d seen from this bridge on the internet. When we got there the sun was just above the trees and it was lighting up the full color-spectrum of the autumn leaves in a very soft way.

One thing that was a little annoying was that the lake was covered with leaves which had fallen from trees, so the reflection of the bridge in the lake was just not there. But sometimes you just need a bit of luck – I had been on a fishing trip some days before and still had my fishing-boots and a net in the car. So got the stuff and tried to clean the lake by hand. It took a while until it was almost perfectly clean – at least where it was relevant for the picture. Luckily the sun was still very soft, so we had good light for the shot.

I’d chosen a very low camera position to get an almost perfect mirrored scene on the water surface. The bridge looked like a perfect circle and the light was still very good. When Senad was on the bridge, it took us two or three tries to get the shot. There was also no more time for another try because the wind came up and the perfect reflection on the water was gone.

We jumped back to the car and drove towards our originally planned spot. It was an awesome feeling to have shot this picture with more or less pure luck. Without the sign next to the road, we would have passed one of the nicest photo scenes.

Findet fantastische Locations: Lorenz Holder aus München

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Fotografie, die sich verkauft

Eindrücke von der Unseen Photo Fair 2016 in Amsterdam

Warum fahre ich zur Unseen nach Amsterdam, aber nicht im November zur Paris Photo? In Paris zeigen die Galerien Fotokunst auf Museumsebene. Mithin überwiegend Bilder aus der Vergangenheit der Fotografie, Bewundernswertes, Unbezahlbares. In Amsterdam wird ausgestellt, was gerade frisch produziert wurde. Hier kann man die Zukunft der Fotografie sehen; sich zumindest einen Überblick verschaffen, was im Trend liegt. Daher ist die Unseen für mich im Moment interessanter.

Fotokunst in der WEstergasfabriek in Amsterdam

In diesem Jahr hat sich der Eindruck, dass die traditionelle Fotografie auf dem Kunstmarkt nur noch wenig Chancen hat, weiter bestätigt. Käufer sind entweder private Sammler oder Institutionen, die wiederum durch KunsthistorikerInnen vertreten werden. Und der einen wie der anderen Käufergruppe ist die traditionelle Kunst eben näher als eine dokumentarisch schlichte Fotografie. Eine Säule der dokumentarischen Fotokunst, Simon Roberts, war bei einer italienischen Galerie mit collagierten Postkarten zu sehen. Ich hätte heulen können. Muss man das jetzt machen, um als Fotokünstler überleben zu können? Es sieht so aus.

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Frau Mettner auf der photokina 2016

Foto-Bus

Um Fotos geht es bekanntlich weniger als um Fototechnik. Angeguckt habe ich mir Lichttechnik und Gimbals. Auffällig war, dass die Anbieter aus Fernost sich sehr gut präsentierten, wenn auch einige mehr mit Ihren Smartphones befasst waren als mit potenziellen Kunden. Nicht so bei Feiyutech.

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Neues WordPress-Theme für die fotofeinkost

fotofeinkost ist schlanker geworden: Das neue Theme (Weta von Elmastudio) dient vor allem der besseren Lesbarkeit auf Mobilgeräten. Da die Seite seit 2007 online ist, bedeutet ein Themewechsel auch immer Anpassungsarbeit. Perfekt ist es (noch?) nicht, aber zu lange sollte die Site nicht offline sein. Ausprobiert habe ich bei der Gelegenheit den Kommentar per Video, dessen Ton prima war – bis zum Upload auf YouTube.

PhotoEspana 2016: Europas

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Shirley Baker-Ausstellung im Museo Cerralbo

Vom 1. Juni bis zum 28. August sind im Rahmen der PhotoEspaña 94 Ausstellungen an 52 Orten – hauptsächlich in Madrid – zu sehen, an denen 330 Künstler beteiligt sind. Die Klammer bildet die Vision von Europa, die recht divers sein kann, daher wählten die Veranstalter den Plural. Es ist aber nicht die numerische Größe, sondern die Qualität der Ausstellungen und Räumlichkeiten, die Madrid so attraktiv macht. Da findet sich eine kleine Ausstellung versteckt in einem riesigen Museum – die Afal Fotogruppe (1956-1963) im Museo National Reina Sofia – und große Übersichtsschauen wie die über das Porträt in Europa seit 1990 oder jene über die Fotografie der Achtzigerjahre in modernen Räumen innerhalb von monumentalen historischen Bauwerken. Man kann die Arbeit des litauischen Fotografen Maris Maskalans entdecken, der ein ganzes Dorf porträtierte – und sozusagen im Hinterzimmer liegen die Originalplatten der Radierungen von Goya. Das gibt es nur in Madrid. Weiterlesen

Street Food-Ausstellung Oliver Brachat

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Oliver Brachat vor seinen Motiven.

(Wetzlar, 18. April 2016) Im Café Leitz im Leitz-Park Wetzlar wurde am vergangenen Freitag die Fotoausstellung „Street Food“ von Oliver Brachat eröffnet. In den Bildern spiegeln sich die beiden großen Leidenschaften Brachats‘ wider: das Kochen und die Fotografie. Seine Bilder lassen den einmaligen Geschmack authentischen Essens aus den verschiedensten Ländern aufleben. „Street Food weckt Sehnsucht und Fernweh. Es erinnert an vergangene Reisen, an tolle Menschen und Begegnungen mit anderen Kulturen“, schwärmt Brachat. Zugleich untermalen die Bilder, dass nicht nur Geschmack, sondern auch das Arrangement und die Ästhetik einer Mahlzeit in der Gastronomie wie auch der Food-Fotografie entscheidend sind.

Der berufliche Werdegang von Oliver Brachat begann mit einer Ausbildung zum Koch. Es folgten einige Jahre in der deutschen Spitzengastronomie. Mitte der 90er-Jahre verschlug es ihn in die USA, wo er in verschiedenen Top-Restaurants arbeitete. Zurück in Deutschland bewarb er sich um eine Stelle im Fotostudio Christian Teubner. Hier konnte er seine Leidenschaften – das Kochen und die Fotografie – perfekt verbinden. Heute arbeitet er als selbstständiger Food-Stylist, ist für internationale Fotoagenturen, Verlage, Magazine und für die Werbung tätig und veröffentlicht Kochbücher mit eigenen Rezepten und Food-Aufnahmen. Von ihm fotografierte Kochbücher wurden bereits mehrfach ausgezeichnet.

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Das Trend-Thema Street Food appetitlich in Szene gesetzt.

Die Ausstellung „Street Food“ kann bis zum 15. Mai 2016 im Café Leitz montags von 10.00 bis 18.00 Uhr, dienstags bis freitags von 9.00 bis 18.00 Uhr und samstags von 10.00 bis 17.00 Uhr besichtigt werden. Alle Bilder können käuflich erworben werden.

Fotoarbeiten ausgewählt für „Das imaginäre Museum“

Für Frankfurt am Main ist die noch recht neue Dependance des Museum für Moderne Kunst im Taunusturm eine echte Bereicherung. Der Taunusturm befindet sich zentral gelegen im Bankenviertel an der neu gestalteten grünen Taunusanlage. Auf rund 2.000 Quadratmetern Grundfläche erstrecken sich die großzügige Ausstellungsfläche im zweiten Obergeschoss sowie ein Museumsshop und ein Café im Erdgeschoss. Seit 23. März wird dort bis zum 4. September 2016 die Ausstellung „Das imaginäre Museum – Werke aus dem Centre Pompidou, der Tate und dem MMK Museum für Moderne Kunst“ gezeigt.

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Robert Flilliou: The Frozen Exhibition, 1972. © Marianne Filliou © Centre Pompidou, Foto: Axel Schneider. Der Künstler hat Fotos seiner Ausstellung von 1962 eingefroren und zehn Jahre später wieder aufgetaut. Der Bowler aus Pappe ist wirklich sehr gelungen!

Den konzeptuellen Ausgangspunkt für diese einzigartige internationale Museumskooperation bildet eine Zukunftsvision für das Jahr 2052. Die Museen sind von der Auslöschung bedroht und die Kunst verschwindet aus der Gesellschaft. Über 80 Hauptwerke aus den drei europäischen Sammlungen werden unter diesem Science-Fiction-Szenario zu einem transnationalen Museum auf Zeit vereint. Gezeigt werden Werke von bedeutenden künstlerischen Positionen aus den 1920er-Jahren bis in die Gegenwart, wie Louise Bourgeois, Marcel Duchamp, Isa Genzken, On Kawara, Claes Oldenburg, Sigmar Polke, Bridget Riley, Andy Warhol und vielen mehr.

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POPCAP ’16 Afrikanische Fotografie

Julia Runge, Basterland

Julia Runge, Basterland

Heute (7. März) wurden die Gewinner des POPCUP ’16 vorgestellt, darunter die Fotografin Julia Runge aus Berlin, die ich für mein Buch „Fotopraxis mit Perspektive“ interviewt habe. Der Beitrag als Leseprobe.

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Photokina und Photoindustrie-Verband mit neuem Auftritt

Keyvisual photokina 2016

Keyvisual photokina 2016: Mann mit Tablet vorm Kopf

photokina 2016: Imaging unlimited – neues Konzept, neue Kampagne

[Presseinformation] Gut acht Monate vor der photokina, der internationalen Leitmesse für die gesamte Foto-, Video- und Imagingbranche, präsentieren die Veranstalter ein neues Konzept sowie eine neue Kampagne für die Messe. Unter dem Claim ‚Imaging unlimited‘ soll sich die photokina weiter zu einem Content- und lösungsorientierten Event entwickeln. „Die photokina steht für die unbegrenzten Möglichkeiten des Imaging. Durch Smartphones und Tablets ergeben sich neue, bildbegeisterte Zielgruppen, die wir mit dem Konzept erreichen wollen“, so Katharina C. Hamma, Geschäftsführerin der Koelnmesse GmbH. Der Photoindustrie-Verband e.V., Mitveranstalter der photokina, zeigt sich ebenso überzeugt. „Mit der Neuausrichtung und ihrer Fokussierung auf Zukunftsthemen und strategische Wachstumsfelder der Branche, haben wir die Weichen für den Ausbau und die Stärkung der photokina als internationale Leitmesse gestellt“, so Christian Müller-Rieker, Geschäftsführer des Verbandes.

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