Kategorie: Sushi-Bar

Japanische Häppchen

Cewe Kalender für beruflich oder privat Fotografierende

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10 Tipps zur Kalenderproduktion

Mit einem Bildkalender bleiben Sie ein ganzes Jahr in bester Erinnerung, da muss der Firmenname gar nicht groß auf jeder Seite stehen. Von Cewe hatte ich die Möglichkeit, die Kalenderproduktion zu testen. Damit Sie es zeitlich gut schaffen, Ihren Kalender zu gestalten, habe ich nachfolgend einige Tipps notiert.
1. Legen Sie sich einen Ordner an, in dem für den Upload ausschließlich die 13 Bilder sind, die Sie verwenden wollen.
2. Entscheiden Sie sich jetzt für Bilder im Hoch- oder im Querfomat.
3. Wählen Sie Fotos zu einem klar umrissenen Thema. Sortieren Sie diese nach Monaten, um zu prüfen, ob Sie Passendes für jede Jahreszeit finden. Bei mir sind das Gärten in Japan – mit Ausnahmen bei den Wintermotiven.
4. Bei der Auswahl der Motive solche wählen, die dekorativ sind. Die Beschenkten sollen ja einen Monat lang das Bild angucken (wollen). Da ist die Auswahl eine andere als für einen Bildband, den man durchblättert. Also: Keine Scheu vor typischen Kalendermotiven, wenn es um die Herstellung eines solchen geht.
5. Konvertieren Sie die Bilddateien vorsorglich selbst in den sRGB-Farbraum (Sie fotografieren natürlich in Adobe RGB, aber im Consumerbereich und im Web ist der kleinere Farbraum üblich).
6. Rechnen Sie die Bilddateien eventuell hoch, wenn Sie entweder ein großes Kalenderformat drucken lassen wollen oder eine Kamera mit einem kleinen Sensor benutzt haben. Optimal dazu ist eine Photoshopaktion von Roberto Cassavecchia, mit der ich alle meine Dateien bearbeite, die ich (noch) nicht mit der Vollformatkamera aufgenommen habe.

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Screenshot der Bearbeitungsoberfläche.

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Hier sieht man, dass ich für das Motiv links einen helleren Farbton als den „normalen“ gewählt habe. Die Schriftfarbe ändert sich von weiß zu schwarz.

7. Wählen Sie in der Gestaltungssoftware von Cewe Layout und Oberfläche nach Ihren Wünschen. Ich habe mich für mattes Papier entschieden und finde, es sieht edel aus. Beim Kalendarium habe ich ein schlichtes gewählt mit Angabe der Kalenderwoche, was speziell im Business ganz praktisch ist.
8. Hintergrundfarbe: Sie müssen sich nicht zwischen Schwarz und Weiß entscheiden! Das fand ich das beste Feature: Man kann nicht nur eine individuelle Farbe für den gesamten Hintergrund wählen, sondern diesen sogar seitenweise anpassen. Es macht Spaß, die unterschiedliche Wirkung auszuprobieren.
9. Textfelder: Idealerweise sollte unter jedem Bild stehen, wo es aufgenommen wurde. Ich habe das aus zeitlichen Gründen weggelassen. Wer den Kalender beruflich verschenkt, sollte auch (klein) seinen Namen jeweils dazusetzen. Der soll sich ja beim Kunden einprägen!
10. Wählen Sie ein Titelmotiv und setzen Sie den Titelschriftzug ein. Ich habe ihn ausnahmsweise ins Bild gesetzt, weil sich die Jahreszahl nicht editieren ließ und ich nicht zwei verschiedene Typoelemente unmittelbar nebeneinander haben wollte.

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Gartenschlappen, die ein wenig an Fischköpfe erinnern, sind das Motiv für April.

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Mit schwarzem Hintergrund kommt dieses sehr grafische Motiv am besten zur Geltung.

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass ich ein wenig mit der Gestaltungssoftware gehadert habe, bei der sich z.B. Textflächen nicht so präzise justieren lassen, wie ich das aus professionellen Designprogrammen gewöhnt bin. Praktisch fand ich die Farbwahl für den Bildhintergrund, alle anderen Design-Vorgaben waren für mich nicht von Belang. Super war die kurze Lieferzeit und die Qualität des Produktes. Daher kann ich es durchaus als Werbemittel für Fotografen (aus dem Bereich Editorial, Reportage, Reise) empfehlen, für private Zwecke sowieso.

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Beitragsbild: Die beiden schönsten Gärten Japans: Katsura Imperial Villa (Kyoto) auf dem Kalender-Titel und Adachi Museum of Art Garden.

Hans-Christian Schink: Tohoku

Yamamoto, Kasahama, Miyagi Prefecture © Hans-Christian Schink, Courtesy Galerie Kicken Berlin und Galerie Rothamel Erfurt/Frankfurt

© Hans-Christian Schink, Courtesy Galerie Kicken Be rlin und Galerie Rothamel Erfurt/Frankfurt

Kesennuma, Hajikamiiwaisaki _1, Miyagi Prefecture © Hans-Christian Schink, Courtesy Galerie Kicken Berlin und Galerie Rothamel Erfurt/Frankfurt

Vor zwei Jahren, am 11. März 2011 um 14:46 Uhr Ortszeit wurde die Region Tohoku im Nordosten Japans von dem schwersten Erdbeben erschüttert, das in dem Land jemals aufgezeichnet wurde. Dessen Folgen, ein Tsunami, der entlang einer 400 km langen Küstenlinie Städte und Dörfer dem Erdboden gleichmachte, sowie der Reaktorunfall von Fukushima addierten sich zu einer Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes. Ein Jahr nach dem Tsunami war der Fotograf Hans-Christian Schink (1961 in Erfurt geboren) als Stipendiat der Villa Kamogawa Kyoto mehrere Wochen in der betroffenen Region unterwegs. Jetzt ist das Buch Tohoku (siehe Artikelfoto) bei HatjeCantz auf deutsch, englisch, japanisch erschienen (132 Seiten, 61 Abb. 30,00 x 24,00 cm, gebunden, 39,80 Euro).

Was würde man selbst ablichten, wenn man so eine großartige Chance bekäme: Drei Monate finanziert vom Goethe-Institut in Kyoto? Ein Jahr nach der Katastrophe in die vom Tsunami betroffene Region zu reisen, ist sehr nahe liegend und wird womöglich erwartet. Es ist aber auch schwierig zu bewältigen, da sich die Frage stellt, inwieweit man selbst innerlich bereit ist, sich auf eine Katastrophe und ihre Folgen für die Bewohner der Region einzulassen.

Was sieht Hans-Christian Schink im Landstrich Tohoku? Vom Tsunami umgestaltete Landschaft mit eigenartigen, oft surrealen Skulpturen. Dieser Fokus auf das Surreale, den subtilen Schrecken in diesem Fall zudem, ist wiederum etwas fotografisch sehr Typisches. Rei Masuda, Kurator am National Museum of Modern Art in Tokyo, attestiert in seinem Begleittext Schink eine „doppelte Distanz“. Auch auf mich wirken die Fotos seltsam distanziert, so als ginge es ausschließlich um die skulpturale Qualität des Motivs, wie sie das obere beispielhaft zeigt. Es wäre leicht gewesen, weitere Arbeiten dieser Art zu zeigen, aber da man honorarfrei im Rahmen einer Besprechung nur drei Fotos veröffentlichen darf, habe ich zwei weitere gewählt, die eher aus dem Rahmen der sehr leidenschaftslos wirkenden Serie fallen. Beim Schnee-Motiv oben sehen wir das Desaster in einer schmerzlich schönen Umgebung. Die Felsen, der am Wasser stehende, beschnittene Nadelbaum, der Schnee, der den Schrecken ästhetisiert und das Motiv in die Nähe einer Tuschezeichnung rückt. Die im Baum hängenden Bojen wirken wie Girlanden, die man zu einer Feier aufhängt. Wahrlich surreal.

Das Foto unten ist das einzige im Buch, das mich emotional angesprochen hat. Und das eher trotz der aus dem monochromen Bildmaterial herausstechenden Rot. Formal angenehm finde ich hier, dass der auf allen Fotos ausgeblichene Himmel keine dominante, immer an gewisse Vorbilder erinnernde Rolle einnimmt. Was mich an dem Motiv so fasziniert, ist nicht so sehr das abgerutschte Haus, sondern dass auf dem Schrein-Gelände die Mönche die Gartenarbeit fortführen und der Bambusrechen wie so eben am Baum abgestellt aussieht. Auch das Band um den Baum links daneben, Shimenawa, ein heiliges Reisstrohseil, zeugt von menschlicher Anwesenheit und dem Glauben, dass die Kordel den Ort heiligt, an dem sie hängt. Aus dieser Perspektive ist es das wohl intensivste Motiv im Buch. Ich möchte wetten, dem Künstler ist es eher zu dekorativ. Ja, das ist es auch, aber dass hier der skulpturale Aspekt hinter den menschlichen Bezug zurücktritt, wiegt das auf.

Schink_Ogatsucho Ohama, Miyagi Prefecture

Ogatsucho Ohama, Miyagi Prefecture © Hans-Christian Schink, Courtesy Galerie Kicken Berlin und Galerie Rothamel Erfurt/Frankfurt

Will man heute als Fotokünstler überleben, ohne kommerziell zu arbeiten, ist man auf Stipendien angewiesen. Die werden wiederum jenen zugesprochen, die sich berechenbar in diesem System von Stipendien, Galerie-Ausstellungen, Katalogbüchern bewegen. Das wirkt wie ein sich selbst erhaltender geschlossener Kreislauf, bei dem perspektivisch nicht mehr das Realisieren künstlerischer Projekte im Vordergrund steht, sondern das Betriebsförmige, bei dem sich Künstler Projekte ausdenken, die wahrscheinlich gefördert werden. Das erzeugt dann im Extrem statt sperriger Künstler erfolgreiche Stipendien-Chamäleons. (Das ist keineswegs als Kritik an den Künstlern gedacht, sondern wird durch die Vergabe-Regularien erzeugt.)

Auch in diesem Fall kann man die Selbstverständlichkeit bewundern, mit der die Optionen genutzt und bedient werden: Wenn Japan, dann was mit Fukushima. Das Buch zum Stipendium erscheint knapp rechtzeitig, so dass jedes Onlinemedium zumindest, Fotofeinkost eingeschlossen, es zum Jahrestag des Unglücks bewerben kann. Und gerade wird auch wieder ein neues Stipendium an der Villa Kamogawa ausgeschrieben. Für das kann sich nun der nächste Konzeptkünstler bewerben. Das Rad dreht sich weiter im gut geölten Kunstbetrieb – ganz leidenschaftslos.

 

Astalift von Fujifilm macht uns schöner

Ende Mai besuchte ich bei Fujifilm in Tokio eine Ausstellung und wunderte mich, dass es dort neben der Präsentation von Kameras aus der Geschichte des Unternehmens auch einen Kosmetikcounter gab. Hier heimlich und daher leicht verwackelt im Bildhintergrund fotografiert.

Tatsächlich bietet Fujifilm schon seit 2007 seine Anti-Aging-Serie „Astalift“ erfolgreich in Japan an, nun ist sie auch in Deutschland erhältlich. Als Besitzerin von Fujifilm-Kameras (analog und digital) war ich neugierig und testete das tiefreinigende Make-up-Entferner-Öl sowie das Starprodukt Jelly Aquarysta. Es enthält den Wirkstoff Astaxanthin, ein aus einer Meeresalge gewonnenes natürliches Antioxidans, das bis zu 1.000-mal wirksamer sein soll als Coenzym Q 10.

Fujifilm vertraut auf die Kraft aus dem Meer und sein Know-how. Die Filmfirma hat sich vorgenommen, in Europa zu den führenden Kosmetikunternehmen aufzusteigen. Vom schönen Foto zur Schönheit.

Um nicht wie die Mitbewerber zu enden, entwickelte sich Fujifilm in den letzten Jahren zu einem Healthcare-Unternehmen. Wissen und Technologien aus Analogzeiten wurden in die Hautpflege transferiert. Das ist gar nicht so abwegig, wie es auf den ersten Moment wirkt, da in unserer Haut wie im Filmmaterial Kollagen ein wichtiger Bestandteil ist. Fujifilm sagt sogar, dass sich kein anderes Unternehmen besser mit Kollagen auskennt. Antioxidanzien schützen die Farbe von Filmen und Fotoabzügen vor dem Ausbleichen ebenso wie die Haut vor Sonnenschäden. Als dritter Faktor kam die Erfahrung in der Mikronisationstechnologie hinzu, die dem Unternehmen erlaubt, den Transfer vom Film zum Einschleusen von Wirkstoffen in die Haut vorzunehmen.

Da die Pflegelinie hierzulande noch eine Art Geheimtipp ist, kann man mit Astalift Fotobegeisterten ein überraschendes und wirkungsvolles Weihnachtsgeschenk bereiten!

Zum Beispiel mit dem von mir getesteten Reinigungs-Öl (25 Euro, die unten abgebildete Pumpflasche). Die Haut fühlt sich sehr sauber an, ohne dass sie spannen würde oder man den Eindruck hat, rückfettende Bestandteile hätten sich erneut darauf gelegt. Jelly Aquarysta (35 Euro) lässt sich gut auftragen, die mandarinenartige Farbe des Gels ist etwas ungewöhnlich. Wenn ich demnächst um Jahre jünger aussehe, liegt’s an Fujifilm, nicht an Photoshop!

Fotoskulptur-Automat

Gerne wäre ich jetzt in Tokio. Die Megacity ist gerade um eine Attraktion reicher: Den ersten 3D-Automaten, der eine Fotoskulptur statt eines Fotos erzeugt. Es gibt drei Größen, schreibt Heise online, „10 cm (S), 15 cm (M) und 20 cm (L). Die Modelle starten mit dem stattlichen Preis von 208 Euro (21.000 Yen), die größte Figur kostet dann umgerechnet 415 Euro“. Leider gibt es das Ganze vorerst nur im Rahmen einer Ausstellung bis zum 14. Januar 2013.

In Tokio: Rinko Kawauchi

Rinko Kawauchi aus Illuminance, 2007

Auf dem Weg zum Metropolitan Museum of Photography - hinter mir der Beginn des Skywalk, der von der Ebisu-Station in Richtung Museum führt.

Eine Aufgabe von Kunst ist es, die Grenzen der medialen Möglichkeiten zu erforschen und Avantgarde zu sein. Im Falle der Fotografie gibt es bekanntermaßen eine starke Entwicklung vom stehenden zum bewegten Bild. Die Tokioter Museen sind so gut ausgestattet, dass sie Projektionen in die Ausstellungskonzepte einbeziehen können. So ermöglicht der Ausstellungsbesuch im Unterschied zum Buchkauf, von einem Künstler eine neue Seite kennenzulernen. Zum Beispiel von Rinko Kawauchi, einer auch in Europa bekannten, 1972 geborenen japanischen Künstlerin.
Kawauchis Büchern wohnt ohne Zweifel eine optische Faszination inne, die durchaus ihren Erfolg erklären kann. Ihr Potenzial entfaltet sich aber so recht erst im bewegten Bild. In ihrer großen Einzelausstellung im Tokioter Fotomuseum liefen zwei Filmrollen parallel, kurze Einstellungen jeweils nur, von sehr beeindruckender Intensität. Die meisten Video-Stücke für Illuminance entstanden parallel zum Fotografieren. „Ich fotografiere gerne Dinge, die sich bewegen“, schreibt die in Tokio lebende Künstlerin, „da macht es keinen großen Unterschied, ob ich Video oder Fotografie nutze, um sie einzufangen.“ In der Ausstellung zeigt sie die Videoarbeiten wie ein aufgeschlagenes Buch. Da sie schon an so vielen Büchern gearbeitet hat, denkt sie in Doppelseiten und wollte das nun auf die Videos übertragen. „Das Videostück war erst 10 Minuten lang, aber ich fügte über die Jahre Sequenzen hinzu. Es könnte immer noch ein ‚work in progress‘ sein, ich kann immer noch mehr hinzufügen.“ (Katalog, S. 126)
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In Tokio: Thomas Demand und Nobuyoshi Araki

Selbstportrait vor dem Regenfilm von Thomas Demand im Museum of Contemporary Art in Tokio

In Tokio herrscht business as usual. Es hat gar nicht gewackelt. Mit einer Ausnahme. Im Museum of Contemporary Art gleich nach der Pressekonferenz von Thomas Demand als wir mitten im Raum standen und den Eindruck teilten, unter uns fahre eine überdimensionierte U-Bahn. Die Arbeiten von Thomas Demand bewegen sich derweil auch. Zu den absolut beeindruckendsten Arbeiten von ihm gehören die Moving Images, die in dieser großen Einzelausstellung zusätzlich zu den bekannten Werken präsentiert wurden: eine Rolltreppe und Regentropfen, die prasseln. Wesentlicher Teil der Illusion ist hier Ton. Nachdem es immer ein wenig rätselhaft war, warum ein Bildhauer, der ja in den Raum hinein arbeitet, sich für die Präsentation seiner Arbeiten der Fotografie zuwendet und somit Illusion durch Zweidimensionalität erzeugt, erscheint die Erweiterung in neue Dimensionen nur folgerichtig und eben deshalb wohl auch so überzeugend als künstlerische Weiterentwicklung.

Kontrollraum / Control Room, 2011, C-Print © Thomas Demand, VG Bild-Kunst, Bonn / APG-JAA, Tokyo Courtesy Sprüth Magers Berlin London and PKM Gallery, Seoul

Thomas Demand, der seit zwei Jahren in Kalifornien lebt, um Ruhe für die Arbeit zu haben, kommt immer wieder gerne nach Japan. Drei Ausstellungen hatte er schon hier, aber das ist die erste Einzelausstellung in einem Museum. Das Museum für zeitgenössische Kunst ist ein imposanter Bau, der den Arbeiten von Demand sowohl Raum gibt, als auch Dank der klugen Installation ihr Geheimnis lässt. Gegen so subtile Werke wie den Maschendraht oder das Rasenstück wirkt das Fukushima-Kontrollraum-Monumentalwerk etwas zu kalkuliert. Aber gewirkt hat es offensichtlich, zumal die üppig versammelte japanische Presse sich mit ihren Fragen auf diese aktuelle Arbeit bezog.

Floating Island von Shingo Suzuki

Shingo Suzuki, "Shibuya Island", 2011 (Zen Photo Galerie, Tokio)

Demands Erfolg in Japan ist schon sehr beeindruckend, zumal es in Tokio ein Pendant gibt und, anders als in Deutschland, Kuratoren in anderen Ländern normalerweise ihre eigenen Künstler favorisieren. Shingo Suzuki ist ein Altersgenosse, studierte ebenfalls bildende Kunst und trat gleichfalls Anfang bis Mitte der Neunziger mit aus Papier konstruierten, abfotografierten Arbeiten in die Öffentlichkeit. Er hat zeitgleich mit Demand eine Ausstellung in einer kleinen, feinen Galerie, der Zen Photo Galerie. Als er vor Jahren feststellte, dass es noch jemanden gab, der die gleiche Idee hatte, konnte er lange gar nicht mehr arbeiten und musste von Galeristen und ehemaligen Professoren überzeugt werden, die – wie ich vermute – Schere wieder in die Hand zu nehmen. So viel zu dem Thema Künstlerschicksal. Die Arbeiten sind übrigens gut und gar nicht mit denen Demands zu verwechseln, zumal Suzuki mit seiner Bildwelt in seinem Kulturkreis und in Tokio bleibt.

Araki hat Geburtstag

Apropos Künstlerschicksal: Am 25. Mai hatte Nobuyoshi Araki seinen 72. Geburtstag. Zu seinen Ehren veranstaltet seine Galerie jedes Jahr eine Vernissage. Der Künstler war für 17 Uhr angekündigt. Erschienen ist er weit nach 18 Uhr. Man stand folglich die ganze Zeit um drei Leuchtkästen herum, auf denen Kleinbilddias montiert waren, die ich mir wegen ihrer völligen Beliebigkeit gar nicht alle ansehen wollte. In einer weiteren Ausstellung in Tokio, im neu eröffneten Hikarie 8 im gleichnamigen Gebäude in Shibuya, gab es 300 Polaroids von Araki – Frauen und Blumensträuße. Stückpreis ca. 3000 Euro, plus irgendwas über tausend Euro für die Rahmung: Wahlweise als Objekt mit Signatur für Kurzsichtige oder in Plexiglas.
Auch wenn ich konstatiere, dass sich ein Künstler entäußern muss, also es durchaus angemessen ist, sein Leben unter permanenter Selbstbeobachtung zu führen, ist die Flut belangloser Schnappschüsse schlicht langweilig. Nun hat aber gerade Araki zahlreiche Fans – ganz abgesehen davon, dass er Japans bekanntester Fotograf ist. Ich hatte eine Stunde Zeit, mir die Fans live anzusehen. Einer war eigens aus Nagoya angereist und fotografierte vor Aufregung schon meinen Gatten und mich im Aufzug zur Galerie, mindestens vier waren aus Deutschland dort, ein Verlegerpaar aus San Francisco. Letztere ausgenommen, frage ich mich natürlich, ob sich die Fans wirklich für Fotografie interessieren, oder ob sich nicht doch eher die Freunde des häuslichen Bondage und SM zu Araki bekennen. Und eigentlich weniger Bewunderer sind denn neidisch. Ja, der ältere Herr mit der lustigen Friese fotografiert gerne nackte Frauen in provozierenden Posen und Verwicklungen. Wenn man so geschickt erotische Phantasien bedient, kann man anschließend alles vermarkten, was aus der Kamera quillt. Jedenfalls kam dann der stets ein T-Shirt tragende Meister ohne gefesselte Begleitung, sprang wie ein Derwisch umher und wechselte in rasendem Tempo Pose wie Standort.

Araki am 25. Mai 2012 in der Taka Ishii Gallery, Tokio

6.000 Dias mit eingeblendetem Datum, das bis ins Jahr 2040 reicht, wenn Araki Hundert wird.

Past tense - Future, 1979 - 2040 heißt die Ausstellung in der Taka Ishii Gallery. Hier steht Araki vor den bekannten Schwarzweiß-Arbeiten.

Blumengrüße wie sie bei uns zu Beerdigungen üblich sind, gibt's in Tokio zu Geschäftseröffnungen und Geburtstagen.

Einerseits war die Veranstaltung unkompliziert und sympathisch informell, andererseits wäre ein wenig Inszenierung der Prominenz wohl durchaus hilfreich für Araki gewesen. Denn erst stürzten sich Fotografen aus diversen Ländern schwitzend und blitzend auf ihn. Dann unterhielt sich Araki lange – und vielleicht aus Verlegenheit – mit Bekannten, besann sich dann wieder auf seine Rolle als Aktivist und ließ sich mit einem Kind fotografieren. Sodann rückte er vor zu den Blumengebinden, die in Japan auf Gestellen stehen und aussehen wie bei einer Beerdigung in unserem Kulturkreis. Sekunden später stand er dann vor den an die Wand gepinnten Schwarzweiß Fotos, für die er bekannt ist – und stand eben dort so, dass man ihn aus der misslichen Situation hätte retten mögen, durch eine offizielle Ansprache, einen Toast, irgendwas, das dem Ganzen eine Form gibt. In einem solchen Moment versteht man gut, warum Prominente im Showbusiness einen Tross von Mitarbeitern beschäftigen, die sich um sie kümmern – und darum, dass sie nicht wie die Deppen rumstehen müssen und mit den Armen wedeln.

Dazu noch eine weitere Anekdote aus den zwei Wochen Tokio, die eigentlich ein Stadturlaub sein sollten, aber statt Urlaub waren. In die berühmte Bonsaischule Kobayashi kam vor einigen Jahren Cameron Díaz. Ganz privat und ohne Aufsehen. Aber es kam eben nicht einfach eines Tages eine blonde Amerikanerin in das öffentlich zugängliche Museum, sondern es wurde vorher angerufen und angekündigt, dass Cameron Díaz in Tokio sei und sich gerne das Museum ansehen würde. Starruhm ist eben nur möglich, wenn er auch erkannt und entsprechend behandelt wird. Jetzt gibt es bei Kunio Kobayashi ein entzückend formales Gruppenfoto der ganzen Familie und vorne sitzt, sehr schüchtern, eine blonde Frau, von der man weiss, dass sie eine Schauspielerin ist.

Das ist der Galerist, Takayuki Ishii, der sowohl Thomas Demand als auch Nobuyoshi Araki und den anderen berühmten japanischen Klassiker, Daido Moriyama, unter Vertrag hat.

Die Hauptstelle der Galerie Taka Ishii ist in einem Lagerhaus in Koto-ku im 5. Stock, das unten nach meiner Erinnerung kein für uns Westler lesbares Schild hat. Man fährt mit dem Lastenaufzug hoch. Und gut wäre, wenn man für den Weg diesen Plan zur Hand hat. Die Dependance in Roppongi befindet sich im gleichen Gebäude wie die Zen Photo Galerie.

Fotografenfilm von Brad Kremer über Michael Levin

Auf dem Twitter-Feed von Dirk Beumer (@werbefotografen) fand ich den Hinweis auf das folgende Video über den kanadischen Fotografen Michael Levin. Er ist ein Fine-Art-Fotograf, der im Stil von Michael Kenna ebenfalls in Japan fotografiert. Gefilmt hat Brad Kremer, ausgewiesener Experte für Sportactionfilme. Die Musik ist von Röyksopp, über die wiederum schon ein anderer hier auf Fotofeinkost vorgestellter Fotograf, der in Korea lebende Nils Clauss, ein prämiertes Video gedreht hat.

Spannend ist letztendlich weniger der vorgestellte Fotograf als der ausführende Filmer, Brad Kremer. In Snowboardkreisen eine Legende, ist er aus meiner Sicht ein geniales Beispiel dafür, wie wichtig (für die berufliche Entwicklung) ein Interesse jenseits der Fotografie als Ausgangs- und Angelpunkt ist. Zudem zeigt er, wohin sich die Fotografie derzeit entwickeln kann. Kremer, der damenhaft sein Geburtsdatum verschweigt, wuchs in Louisville, Kentucky auf, und begann in Indiana leidenschaftlich Snowboard zu fahren. Nach Beendigung der Highschool zog er an den Lake Tahoe. „Ich war noch ein Teenager“, sagt er in einem Snowboardmagazin, „als ein älterer Freund, ein kommerzieller Fotograf, mich assistieren ließ und mir alles über Licht und Komposition beibrachte. Er besaß auch eine Videokamera, was damals keine Selbstverständlichkeit war. Ich fing an, meine Freunde beim Skateboarden zu fotografieren und machte kurze Filme. Mit der Zeit wuchsen meine Fähigkeiten und ich machte mir selbst einen Namen.“

Er wurde dann sehr bekannt für die Filme, die er für Snowboardfirmen realisierte. Oder, wie das in seiner amerikanischen Biografie heißt: „His work in action sports has literally changed the industry. Brad’s list of clients is a virtual who’s who in action sports including Nike, Oakley, Burton, DC Shoes, Vans, Transworld Snowboarding, Smith Optics, Billabong and many more. His films have consistently been the highest selling action sports film in the world …“
Herr Kremer scheint nicht nur ein Faible für Action, sondern auch für idyllische Wohnorte zu haben. Derzeit ist er bei der Agentur Tytan unter Vertrag, die in einem Urlaubsgebiet in Georgia angesiedelt ist. Brad Kremer ist mit einer Japanerin verheiratet und hat mit ihr drei Kinder.
Den Vimeo-Account mit etlichen weiteren Arbeiten des Timelapse-Spezialisten und natürlich einigen schönen in Japan entstandenen Filmen, möchte ich zur Durchsicht empfehlen. Wer wenig Zeit hat, sollte sich zumindest noch diese Arbeit für Nike ansehen:

Frohe Weihnachten

Shinjuku

Shinjuku

Ich habe da schon mal was vorbereitet – nämlich im November in Japan, wo bereits der volle Weihnachtswahnsinn ausgebrochen war. Hätte man es nicht ohnehin schon gewußt, dass es mehr ein Festival des Konsums, denn ein Fest religösen Ursprungs ist – im Land der Shintoisten und Buddhisten war es nicht zu übersehen. Die meisten Japaner sagen jedoch: „Shūkyō wa nai.“ (Keine Religion). Weiterlesen

Zuhause bei meiner Kamera 2010

Shinjuku-Kameraläden

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Japan, speziell Tokio, ist ein Paradies für Fotografen. Tagsüber gibt es viel zu fotografieren und abends kann man bei Bic Camera oder bei Yodobashi Camera abhängen und die geduldigen Verkäufer mit Fragen traktieren, vor allem die mit der Armbinde, die sie als Englisch sprechend ausweist. Aber auch alle anderen sind sehr hilfsbereit. Das Tolle ist: Man kann die ausgestellten Objektive wirklich auf seinen Body schrauben. Das ist nicht wie in Deutschland, wo es immer heißt: “Leider gerade nicht lieferbar”, oder: “Auspacken kann ich Ihnen das nicht!”. Inspiriert vom sehr genialen Touch-Pad von Apple habe ich mich zu diesem Thema umgesehen, zum Beispiel bei Grafiktabletts, aber da fehlt dann doch das Angebot von Logitech zum Vergleich. Die Läden haben allerdings eine nervtötende Beschallung und sehen teilweise ziemlich chaotisch aus. Selbst eine Siebentausendeurokamera liegt da angekettet und angegrabbelt herum, ebenso die Mittelformat-Pentax. Apropos Pentax: Die bieten hier Modelle in Modefarben an! (Auch für die Notebooktastaturen gibt es Silikonauflagen in lila, gelb oder anderen grellen Farben.) Speicherkarten und auch sonst so ziemlich alles ist aber nicht günstiger, sondern meist deutlich teurer als bei uns.

Apple-Ginza-1

Stylish der übervolle Apple Store in der für ungetrübtes Shoppingvergnügen am Sonntag autofreien Ginza. Selbstverständlich sind die Geschäfte alle am Wochenende offen, denn da haben ja alle Zeit, einzukaufen.

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Die ideale Reisekamera

Bruecke, Japan 09

Hauptsache alles scharf abgebildet und gutes Wetter.

Beinahe hätte ich mir eine neue Tasche für meine Ausrüstung gekauft, mit der sich die SLR-Brocken angeblich leichter transportieren lassen. Dann bemerkte ich, dass der Rucksack leer schon zusätzlich gut ein Kilo wiegen würde. Und mit mehr als vier Kilo Ausrüstung sollte ich täglich rund fünf Stunden durch Japan laufen? Hatte ich nicht schon im vergangenen Jahr beschlossen: Nie wieder?
Schließlich macht man unterwegs nur Reisefotos! Und davon taugen mindestens neunzig Prozent zu nichts Ernsthaftem. Nun denken Sie: „Bei der vielleicht“ oder „Ja, wie? Ich fotografiere doch nur im Urlaub“. Schlimm genug! Wer nicht zu Hause fotografiert, sondern lediglich, wenn er verreist, weiß nicht, was er/sie verpasst. Auf jeden Fall natürlich, „richtige“ Fotos zu machen.
Wobei man grundsätzlich scharf unterscheiden muss zwischen den Wenigen, die mit einem klaren Plan oder Auftrag verreisen, um zu fotografieren, und jener Masse, die sich in der Welt rumtreibt, und dabei Fotos macht. Zu was sollen die gut sein, außer sie im Bekanntenkreis zu zeigen? Und wenn das so ist, brauche ich dafür eine Spiegelreflexausrüstung? Oder gar eine SLR-Kamera mit Vollformatsensor? Das RAW-Format nebst Notebook zum Speichern der Dateien? Damit ich die Fotos anschließend auf 72 dpi runterrechnen kann, um sie übers Internet zu verschicken oder auf eine Webseite zu stellen? Was für ein leer laufender Aufwand! Weiterlesen

Zuhause bei meiner Kamera

Vor gut einem Jahr habe ich eine Kamera adoptiert, und ich dachte, es sei eine gute Idee, mit ihr mal dahin zu fahren, wo sie herkommt, nach Japan. Also packte ich meine Fujifilm S3 Pro ein und reiste nach Tokio und Kyoto. Alles war sehr seltsam. Die Menschen essen nicht nur mit Stäbchen, sie stellen auch ihre Kameras auf eben solche. Und zwar obligatorisch. Und weil es in Tokio 32 Millionen Menschen gibt und entsprechend viele Hobbyfotografen mit Dreibeinen, ist die Verwendung verboten, wo man wirklich mal ein Stativ bräuchte: in den Gärten und an den Tempeln.

Stative verboten

Es wird wirklich viel fotografiert. Aber nur zwei Motive: sich selbst vor einer Sehenswürdigkeit (gerne mit anderen zusammen) und Kirschblüten. Als meine Kamera und ich in Japan waren (gerade eben), blühten überwiegend die Zierpflaumen, was schon sehr schön war und „Hanami“ (Blüten gucken) bahnte sich an. Im Shinjuku Gyoen in Tokio waren auch schon einige Kirschbäume erblüht. Was für eine Stimmung! Nein, Alkohol ist in diesem Garten verboten. Es war einfach schön, weil sich alle über dieses Wunder der blühenden Bäume freuten – und über die warme Sonne, in der es sich gut picknicken ließ.

Kirschblüte in TokioWer nicht mit seinem Klapphandy knipst, fotografiert mit einer Spiegelreflex. Dabei kann ich mich nicht erinnern, dass wir einer einzigen anderen Digital-SLR-Kamera begegnet wären. Wohl wurde ich angepflaumt, dass ich eine japanische Kamera benutze, wo ich doch aus Deutschland sei. Beleidigt schaltete meine S3 sich auf den Stromsparmodus, in dem sie nichts mehr hört. „Pah“, sagte ich zu Leica- und Contax-Besitzern, „I sold my M6!“ „To buy a japanese camera?“ Und dann machten sie: „ha, ha, ha“ oder „sososo“. Weiterlesen