Christine Pfeffer: „Du fehlst!“

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Unfallkreuze als private Gedenkstätten im öffentlichen Raum

Sie markieren einen Ort, an dem ein Mensch verstorben ist – nach einem Verkehrsunfall, einem Herzinfarkt, einer Gewalttat, einem Blitzschlag oder einem anderen, nicht vorhersehbaren Ereignis. Unfallkreuze im öffentlichen Raum verweisen ganz konkret auf ein Memento mori: Der von Angehörigen liebevoll ausgestaltete Ort des Sterbens bezeugt, dass der Tod jeden zu jeder Zeit in unserer Alltagswelt treffen kann – nicht nur an besonderen Orten wie in Krankenhäusern, in Altenheimen und in Hospizen; nicht nur nach langer Krankheit oder im hohen Alter. Anders als auf Friedhöfen, die man bewusst zu bestimmten Anlässen betritt, werden wir mit diesen Todessymbolen nicht selten unerwartet konfrontiert: Plötzlich sehen wir eines am Straßenrand und erkennen, dass es auch uns treffen kann …
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Das Fotoprojekt zu Unfallkreuzen entstand aus dem Wunsch heraus, diese Gedenkorte näher zu betrachten und darzustellen. Häufig fahren wir an solchen Kreuzen vorbei, aber so gut wie nie sehen wir sie uns wirklich an: Wie sind sie gestaltet? Was ist für die Angehörigen – oder den Verstorbenen – so wichtig gewesen, dass es dort abgelegt wird? Wie grenzen die Angehörigen diesen wichtigen Ort von der oft vernachlässigten Umgebung ab? Welche Zeichen der Liebe, Trauer und Anteilnahme finden sich dort? Wie verändert sich ein solcher Gedenkort im Laufe der Jahre?
Trauernde Angehörige schaffen mit den Unfallkreuzen einen besonderen, für sie beinahe heiligen Ort des Gedenkens, inmitten einer oft unwirtlichen Umgebung wie zum Beispiel einem Straßenbankett. Der Gedenkort ist bedroht von überwuchernder Natur, von Tieren, die im Erdreich wühlen, von achtlos aus Autos geworfenem Müll oder durch die Witterung. Ein einmal angelegter Gedenkort muss deshalb beinahe verteidigt werden gegen all das, was die besondere Bedeutung des Ortes bedroht. Es kostet die Angehörigen viel Kraft und Zeit, diesen Gedenkort zu gestalten und zu erhalten. In diesem Sinne ist es buchstäblich ein Ort von Trauerarbeit. Christine Pfeffer
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Das Fotoprojekt der Soziologin Dr. phil. Christine Pfeffer entstand im Rahmen des Fotofeinkost Langzeitworkshops 2015. Christine Pfeffer ist Leiterin eines großen ambulanten Hospizdienstes und Trauerbegleiterin. Bei allen Vorbehalten die ich (wg. Sammeln mit der Kamera) und wohl auch die anderen Teilnehmer des Workshops gegen das Thema zunächst hatten: So durchdacht und respektvoll wie Christine Pfeffer das Projekt bearbeitet, macht es sensibel für die Details der Gestaltung und zeigt die große Bedeutung dieser privaten Gedenkstätten. Im Workshop ging es unter anderem darum, von der typischen Herangehensweise (vorne Kreuz, hinten langzeitbelichtetes Auto) zu einer persönlichen Bildauffassung zu kommen. „Du fehlst!“ ist ein sehr gutes Beispiel für eine Themenfindung aus dem beruflichen Kontext heraus und dafür, als Hobbyfotograf/in ein in vielerlei Hinsicht schwieriges Sujet erfolgreich zu visualisieren. Vor allem gelingt es Christine Pfeffer, nicht einfach Unfallkreuze fotografisch zu sammeln, sondern jede Gedenkstätte in ihrer Besonderheit genau durch den Sucher zu erforschen. Sie weist uns Betrachter sowohl auf die wiederkehrenden Elemente wie Engelsfiguren hin als auch auf individuelle und zufällige Details (man beachte die Ameise im obersten Bild!).

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Aus dem gleichen Langzeitworkshop bereits vorgestellt: Wolfgang Strassl, East Jerusalem Landscapes

Zum Bericht über den Workshop 2015

Workshop zum Fotografieren einer Serie 2016

Wer 2016 auch an einem Langzeit-Projekt arbeiten möchte und dafür Ansporn und Unterstützung sucht, dem seien hier die Termine genannt: 16./17. April 2016 | 11./12. Juni 2016 | 10./11. September 2016, jeweils von Samstag 13 Uhr bis Sonntag 13 Uhr. Gesamtpreis für den Langzeitworkshop über sechs Monate: 1.200 Euro (inkl. MwSt.)* Gerne können Sie den Workshop auch besuchen, um ein angefangenes Projekt weiterzuführen. Ich freue mich auf Sie! Martina Mettner

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Anmeldung zum Langzeit-Workshop 2016

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*Anfang Februar 2016 erhalten Sie die Rechnung. Bei Absagen ab vier Wochen vor dem ersten Termin werden 300 Euro von den Kursgebühren nicht mehr rückerstattet. Nicht wahrgenommene Termine innerhalb des Kurses werden nicht erstattet. Es heißt nicht zufällig: fotofeinkost, d.h. Kuchen und Suppen bzw. Snacks halte ich für Sie bereit. Nicht eingeschlossen ist das optionale gemeinsame Abendessen in einem Lokal sowie die (preisgünstig verfügbare) Übernachtung. Entsprechende Hinweise erhalten Sie mit der Rechnung.



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