Fotografie ist (k)ein Hobby

Hobbyfotografen wünschen sich oft nichts sehnlicher als in die „Profi-Liga aufzusteigen“. Das Sehnen des Hobbyisten nach Profitum hat in unserem Sprachraum Tradition – und wird zur Umsatzsteigerung von der Fotobranche kräftig gefördert. Ist der Status als Möchtegern-Berufsfotograf wirklich so erstrebenswert? Wie wäre es, das Fotografieren als etwas zu betrachten, mit dem man sich etwas Gutes tut? Als Inspiration zum Umdenken habe ich ein E-Book geschrieben, das Sie sich gerne kostenlos downloaden können. Es heißt: „Wer fotografiert hat mehr vom Leben“.

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Ich behaupte darin: Die Kamera ist ein Talisman, ein glückbringender Gegenstand.
Warum haben Sie die Zauberkraft Ihrer Kamera bisher nicht wahrgenommen? Weil es dafür keinen sichtbaren Schalter gibt, sondern einen im Kopf.

Ein Plädoyer für das Fotografieren ohne kommerzielle Absichten

Das Dilemma ist nämlich, dass die Fotografie in den Köpfen der Hobbyfotografen fest als Handwerk verankert ist. Das Fotografieren selbst wird nicht als typisches Hobby verstanden! Ein Hobby betreibt man aus Freude an der Sache; es schluckt meistens viel Geld und Zeit, löst aber grundsätzlich keinen Renditegedanken aus. Die Fotografie hingegen steht immer im Zeichen eines möglichen Überwechselns in die kommerzielle Anwendung.

Sie denken an einen „Return of Investment“, wenn Sie Fotoausrüstung anschaffen. Wenn Sie damit etwas verdienen, sind Sie – oder Ihre bessere Hälfte – geneigt, über den Kauf eines neuen Objektivs oder des A2-Druckers mit 12 Tinten hinwegzusehen. Hingegen wird bei der Anschaffung eines Aufsitzrasenmähers niemand erwarten, Sie sollten ein Nebengewerbe als Platzwart anmelden.
Wer Uhren sammelt, will damit keinen Laden oder ein Auktionshaus eröffnen. Wer Golf oder Tennis spielt, sucht Geselligkeit gewürzt mit leichten sportlich-mentalen Herausforderungen. Und wer seinen Garten pflegt und gestaltet, will nicht Gärtner werden, sondern die Aussicht genießen.

Der Drang in die Kommerzialisierung hängt eng zusammen mit der Einordnung der Fotografie als Handwerk. Natürlich ist sie unter anderem ein Handwerksberuf. Jedoch wird der handwerkliche Teil des Verfahrens mit dem technischen Fortschritt im 21. Jahrhundert immer bedeutungsloser.

Hobbyfotografen meinen: „Das kann ich auch!“

Für Hobbyfotografen ist dieses Klammern am Handwerklichen schon immer eine Sackgasse gewesen. Sie streben danach, so gut zu sein wie ein Werbe-, Mode- oder Architekturfotograf. Was sie in ihren eigenen Augen leicht erreichen – weil sie das Produkt absolut setzen, losgelöst von jeder Bedingung, der ein Berufsfotograf stets unterliegt. Zeitdruck, Budgetdiskussionen und Kundenwünsche kommen in der Welt der Hobbyfotografie ebenso wenig vor wie Architekturaufträge bei schlechtem Wetter.

Erfolgserlebnisse bezogen auf ein einzelnes, losgelöstes Produkt befördert die Illusion des Amateurs, im täglich härter werdenden Fotobusiness Fuß fassen zu können. Und indem er der Werbe-, Mode-, oder Hochzeitsfotografie nacheifert, bleibt der Amateur ein Möchtegern-Profi.
Verhinderter Berufsfotograf zu sein ist kein schöner Dauerzustand, oder?
Was passiert: Der Hobbyfotograf erledigt kostenlos kommerzielle Fotoaufträge. Berufsfotografen die Arbeit wegzunehmen und die Preise zu ruinieren, geschieht meist nicht in böser Absicht, zeugt aber von wenig Umsicht. Gutverdiener oder Pensionäre sollten am besten überhaupt nicht kommerziell fotografieren!

Werden Sie beispielsweise gefragt, eine Hochzeit abzulichten, dann überlegen Sie noch einmal gut, ob das wirklich so schmeichelhaft ist. Sehen Sie es realistisch: Das Hochzeitspaar will das Fotografenhonorar sparen und kann den Wert professioneller Fotografie offenbar nicht würdigen. Sie wären gerne Gast. Doch Sie werden zum Dienstleister ernannt und sollen arbeiten, während alle anderen feiern. (Lassen die Brautleute eigentlich ihre Hochzeitstorte von der Mutti backen?)

Fotografieren Sie, was Ihnen am Herzen liegt – nicht kommerziell, wohl aber anspruchsvoll.

Hören Sie nicht auf innere oder äußere Stimmen, die das Geldverdienen mit der Kamera soufflieren. Denken Sie an die vielen Dinge, die Sie handwerklich erledigen, ohne dass Ihnen Geld in den Sinn käme. Niemand erwartet, Sie sollten mit dem Kochen Kohle machen, mit Rasenmähen und Heckestutzen Ihr Haushaltsgeld aufbessern oder einen Baumarkt eröffnen, nur weil Sie sich samstags immer beim Obi rumdrücken.

Ohne kommerzielle Hintergedanken zu fotografieren, kann das Leben hingegen unglaublich bereichern. Statt sich am Handwerk zu orientieren und immer neue technische Finessen der kommerziellen Fotografie ohne Anwendungsbezug zu erlernen, propagiere ich die Orientierung an der Arbeitsweise freier Fotografen. Und ich vertrete das Erlernen technischer Fähigkeiten passend zu dem, was man umsetzen möchte. Das heißt nicht, die Messlatte läge nicht hoch, was das einzelne Projekt betrifft. Aber sie liegt sozusagen quer zu der im Amateurbereich üblichen.

Die handwerkliche Perfektion sollte statt Selbstzweck wieder Mittel zum Zweck werden. Gefragt ist in erster Linie eine Aussage:
Was hat das, was Sie ablichten, mit Ihnen zu tun?
Warum ist es gut, das zu fotografieren?
Was zeigt die Serie neu oder anders als das, was wir bisher schon wussten?
Wagen Sie den Schritt von der kommerziell-handwerklich orientierten Fotografie zur künstlerisch-dokumentarisch inspirierten Arbeitsweise?
Wagen Sie den Schritt vom Einzelbild zur Serie? Vom schönen, technisch raffinierten Bild zum schönen, ausdrucksvollen Bild?

Wenn Sie Lust haben, Ihr Leben zu bereichern und dazu ganz einfach Ihre wahrscheinlich umfangreiche Fotoausrüstung ernsthaft einzusetzen, dann lassen Sie sich inspirieren von „Wer fotografiert hat mehr vom Leben“. Über den Klick auf den Button geht’s zum Download des PDFs mit 43 Seiten.

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Artikelbild: © Martina Mettner, Sonnenuntergang über Tokio (Zum Schmunzeln)

3 Kommentare

  1. Kees van Surksum

    Guter Text und ich kann in Vielem mitgehen. Allerdings laufen hier zwei Themen durcheinander: Die heutige Marktsituation und die Frage, wie Hobbyisten generell an die Fotografie herangehen. Diese zwei Themen müssen nicht unbedingt mit einander zu tun haben. Bei einigen Fotoclubs habe ich gemerkt, wie auch Amateure, ohne jegliche „Berufsambitionen“ sich schwer tun mit der Motivationsfrage: „Warum fotografiere ich?“ IN den meisten Fällen, ist Anerkennung (von Clubmitgliedern, von Wettbewerbjuroren, usw.) der Triebfeder. Man will ein „Hammerbild“ produzieren, geht dabei an das Wesentliche vorbei.

    • Dr. Martina Mettner

      Das Buch ist ein PDF. Eine erweiterte, gedruckte Ausgabe ist möglich, aber im Moment nicht konkret geplant.

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