Fotografie ist (k)ein Hobby

Sonnenuntergang fotografierende Hobbyfotografen

Hobbyfotografen wünschen sich oft nichts sehnlicher als in die „Profi-Liga aufzusteigen“. Das Sehnen des Hobbyisten nach Profitum hat in unserem Sprachraum Tradition – und wird zur Umsatzsteigerung von der Fotobranche kräftig gefördert. Ist der Status als Möchtegern-Berufsfotograf wirklich so erstrebenswert? Wie wäre es, das Fotografieren als etwas zu betrachten, mit dem man sich etwas Gutes tut? Als Inspiration zum Umdenken habe ich ein E-Book geschrieben, das Sie sich gerne kostenlos downloaden können. Es heißt: „Wer fotografiert hat mehr vom Leben“.

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Ich behaupte darin: Die Kamera ist ein Talisman, ein glückbringender Gegenstand.
Warum haben Sie die Zauberkraft Ihrer Kamera bisher nicht wahrgenommen? Weil es dafür keinen sichtbaren Schalter gibt, sondern einen im Kopf.

Ein Plädoyer für das Fotografieren ohne kommerzielle Absichten

Das Dilemma ist nämlich, dass die Fotografie in den Köpfen der Hobbyfotografen fest als Handwerk verankert ist. Das Fotografieren selbst wird nicht als typisches Hobby verstanden! Ein Hobby betreibt man aus Freude an der Sache; es schluckt meistens viel Geld und Zeit, löst aber grundsätzlich keinen Renditegedanken aus. Die Fotografie hingegen steht immer im Zeichen eines möglichen Überwechselns in die kommerzielle Anwendung.

Sie denken an einen „Return of Investment“, wenn Sie Fotoausrüstung anschaffen. Wenn Sie damit etwas verdienen, sind Sie – oder Ihre bessere Hälfte – geneigt, über den Kauf eines neuen Objektivs oder des A2-Druckers mit 12 Tinten hinwegzusehen. Hingegen wird bei der Anschaffung eines Aufsitzrasenmähers niemand erwarten, Sie sollten ein Nebengewerbe als Platzwart anmelden.
Wer Uhren sammelt, will damit keinen Laden oder ein Auktionshaus eröffnen. Wer Golf oder Tennis spielt, sucht Geselligkeit gewürzt mit leichten sportlich-mentalen Herausforderungen. Und wer seinen Garten pflegt und gestaltet, will nicht Gärtner werden, sondern die Aussicht genießen.

Der Drang in die Kommerzialisierung hängt eng zusammen mit der Einordnung der Fotografie als Handwerk. Natürlich ist sie unter anderem ein Handwerksberuf. Jedoch wird der handwerkliche Teil des Verfahrens mit dem technischen Fortschritt im 21. Jahrhundert immer bedeutungsloser.

Hobbyfotografen meinen: „Das kann ich auch!“

Für Hobbyfotografen ist dieses Klammern am Handwerklichen schon immer eine Sackgasse gewesen. Sie streben danach, so gut zu sein wie ein Werbe-, Mode- oder Architekturfotograf. Was sie in ihren eigenen Augen leicht erreichen – weil sie das Produkt absolut setzen, losgelöst von jeder Bedingung, der ein Berufsfotograf stets unterliegt. Zeitdruck, Budgetdiskussionen und Kundenwünsche kommen in der Welt der Hobbyfotografie ebenso wenig vor wie Architekturaufträge bei schlechtem Wetter.

Erfolgserlebnisse bezogen auf ein einzelnes, losgelöstes Produkt befördert die Illusion des Amateurs, im täglich härter werdenden Fotobusiness Fuß fassen zu können. Und indem er der Werbe-, Mode-, oder Hochzeitsfotografie nacheifert, bleibt der Amateur ein Möchtegern-Profi.
Verhinderter Berufsfotograf zu sein ist kein schöner Dauerzustand, oder?
Was passiert: Der Hobbyfotograf erledigt kostenlos kommerzielle Fotoaufträge. Berufsfotografen die Arbeit wegzunehmen und die Preise zu ruinieren, geschieht meist nicht in böser Absicht, zeugt aber von wenig Umsicht. Gutverdiener oder Pensionäre sollten am besten überhaupt nicht kommerziell fotografieren!

Werden Sie beispielsweise gefragt, eine Hochzeit abzulichten, dann überlegen Sie noch einmal gut, ob das wirklich so schmeichelhaft ist. Sehen Sie es realistisch: Das Hochzeitspaar will das Fotografenhonorar sparen und kann den Wert professioneller Fotografie offenbar nicht würdigen. Sie wären gerne Gast. Doch Sie werden zum Dienstleister ernannt und sollen arbeiten, während alle anderen feiern. (Lassen die Brautleute eigentlich ihre Hochzeitstorte von der Mutti backen?)

Fotografieren Sie, was Ihnen am Herzen liegt – nicht kommerziell, wohl aber anspruchsvoll.

Hören Sie nicht auf innere oder äußere Stimmen, die das Geldverdienen mit der Kamera soufflieren. Denken Sie an die vielen Dinge, die Sie handwerklich erledigen, ohne dass Ihnen Geld in den Sinn käme. Niemand erwartet, Sie sollten mit dem Kochen Kohle machen, mit Rasenmähen und Heckestutzen Ihr Haushaltsgeld aufbessern oder einen Baumarkt eröffnen, nur weil Sie sich samstags immer beim Obi rumdrücken.

Ohne kommerzielle Hintergedanken zu fotografieren, kann das Leben hingegen unglaublich bereichern. Statt sich am Handwerk zu orientieren und immer neue technische Finessen der kommerziellen Fotografie ohne Anwendungsbezug zu erlernen, propagiere ich die Orientierung an der Arbeitsweise freier Fotografen. Und ich vertrete das Erlernen technischer Fähigkeiten passend zu dem, was man umsetzen möchte. Das heißt nicht, die Messlatte läge nicht hoch, was das einzelne Projekt betrifft. Aber sie liegt sozusagen quer zu der im Amateurbereich üblichen.

Die handwerkliche Perfektion sollte statt Selbstzweck wieder Mittel zum Zweck werden. Gefragt ist in erster Linie eine Aussage:
Was hat das, was Sie ablichten, mit Ihnen zu tun?
Warum ist es gut, das zu fotografieren?
Was zeigt die Serie neu oder anders als das, was wir bisher schon wussten?
Wagen Sie den Schritt von der kommerziell-handwerklich orientierten Fotografie zur künstlerisch-dokumentarisch inspirierten Arbeitsweise?
Wagen Sie den Schritt vom Einzelbild zur Serie? Vom schönen, technisch raffinierten Bild zum schönen, ausdrucksvollen Bild?

Wenn Sie Lust haben, Ihr Leben zu bereichern und dazu ganz einfach Ihre wahrscheinlich umfangreiche Fotoausrüstung ernsthaft einzusetzen, dann lassen Sie sich inspirieren von „Wer fotografiert hat mehr vom Leben“. Über den Klick auf den Button geht’s zum Download des PDFs mit 43 Seiten.

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Artikelbild: © Martina Mettner, Sonnenuntergang über Tokio (Zum Schmunzeln)

Der eigene Bildband

Ein Bildband mit den eigenen Fotos ist so lange ausschließlich eine wunderbare Art der Bildpräsentation, wie man die Auflage klein hält. Sucht man mit seiner Arbeit die Öffentlichkeit, investiert mithin ziemlich viel Geld in den Druck, sollte man vorzugsweise schon zu Beginn überlegen, wer das Buch kaufen würde. Und sich auch vorab mental rüsten, mit der Downside des Publizierens umzugehen: Mit negativen oder gar nicht erfolgenden Buchbesprechungen, mit großen Stapeln unverkaufter Bücher im Lager, mit dem Verramschen des guten Stückes zum Schleuderpreis. Das gehört nämlich auch alles zum Alltag des Autors, wird aber gerne verschwiegen. Lassen mich also ein paar sachdienliche Fragen stellen.

Wozu überhaupt einen Bildband veröffentlichen?

Dazu sollte man sich die Frage ehrlich beantworten, ob es nur um das Gefühl geht, etwas publiziert zu haben. Dazu würden nämlich 20 bis 50 Exemplare reichen, die man an Friends & Family oder an seine Kunden verteilt. Oder gibt es eine echte Nachfrage nach dem Inhalt/dem Künstler, die eine Auflage von 500 bis 2.000 Exemplaren rechtfertigt? Um die Menschen zu erreichen, die sich für den Inhalt interessieren, muss man sehr viel Arbeit investieren. Und zwar höchstselbst und möglichst lange andauernd. Es wäre ein Traum, wenn das der Verlag leisten könnte. Aber ein Verlag ist kein Grand Hotel mit dreimal so viel Personal wie Gästen.

Wozu dient der Bildband?

Vor der Digitalisierung war der Bildband wichtig zur Information. Wollte man beispielsweise in ein Land oder in eine Metropole reisen, schaute man in einen Bildband, um vorab etwas zu sehen. Heute guckt man sich bei Google Earth die Stadt ungeschönt an, und bei Airbnb wie die Leute dort wohnen. Bei YouTube gibt es zudem Videos, in denen man Details über Streetfood, Strand oder das Nachtleben vorab betrachten kann.

Vor der Digitalisierung brauchte man monografische Bildbände, um sich über die Arbeit eines Künstlers zu informieren, vor allem, weil man nicht alle Ausstellungen ansehen kann. Heute ist die Website des Fotografen das optimale Medium, Serien und Projekte zu präsentieren. Und wenn der Bildautor das richtig macht, indem er zu den Bildern Text verwendet, sorgt diese Website ganz von alleine für die Verbreitung der Arbeiten.

Wozu also zusätzlich einen Bildband gestalten? Okay, wegen des Ruhms. Ob die Veröffentlichung eines Bildbandes jene Anerkennung des Kulturbetriebs nach sich zieht, auf die man spekuliert, ist höchst unsicher. Das hängt davon ab wie interessant und originell das Bildmaterial ist sowie von dem Einsatz, den man hinter der Kamera und hinter dem Buch leistet.

Ganz sicher kann man vom Bildband als einer der wichtigen Präsentationsformen in der Fotografie ausgehen. Daher möchte ich diese nun näher beleuchten und hinsichtlich des Verwertungskontextes auf meinen immer noch gültigen Beitrag von 2009 verweisen.

Was ist beim Bildband als Präsentationsform ausschlaggebend?

Wenn also Information keine besondere Rolle mehr spielt, was bleibt dann übrig? Darüber machen sich leider viel zu wenig Buchproduzenten ernsthafte Gedanken. Gerade weil die traditionelle Hauptaufgabe entfällt, ist es umso wichtiger, dem Buch eine Binnenspannung zu geben, also an einer Dramaturgie zu feilen. Nun werden genau das die meisten Fotografen durchaus für sich in Anspruch nehmen. Aber leider, leider haben sie oftmals nicht an den Betrachter gedacht, der die Bilder ja zum ersten Mal sieht. Und meist kann der Erstbetrachter kaum etwas davon nachvollziehen, was dem Fotografen so selbstverständlich ist. Der Fotograf war dabei, als das Bild gemacht, nachbearbeitet und ausgewählt wurde. Dem Bildbandbetrachter fehlt diese Vertrautheit völlig. Er muss sich erst in eine fremde Bildwelt hineindenken.

Bildband Ruecken

Kann ein nackter Rücken beim Bildband entzücken? (Im Regal eher nicht.)

Soll es ein Buch werden, wäre es extrem hilfreich, wenn die Serie von vornherein ein überzeugendes Konzept hätte. Nimmt man die Präsentationsform Fotobuch ernst, muss es sich durch mehr auszeichnen als durch einen bedruckten Pappdeckel um die Bilder und einen Text von Klaus Honnef zur Einführung. Einzelbilder in bunter Reihenfolge – das ist einfach nicht mehr zeitgemäß.

1. Buchmodell Villa Kunterbunt

(„Ich mach‘ mir die Welt, wie sie mir gefällt …“) Hauptmerkmal des Editings: Statt den Betrachter durch ein Thema zu leiten, durchmischt der Fotograf das Bildmaterial, wahrscheinlich damit „Abwechslung“ entsteht. Klar, er kennt ja die Motive. Aber bei allen, die das Bildmaterial zum ersten Mal sehen, wird er eher Unverständnis erzeugen. Was will der Autor uns mit der Bildabfolge sagen? Besonders problematisch wird es, wenn beispielsweise zwei oder drei Motive, die sichtlich am gleichen Ort zu gleichen Lichtverhältnissen aufgenommen wurden, im Bildband verteilt werden.

Auf der einen Seite fordern die Bildautoren ein, man möge genau hinsehen und ihre Arbeit würdigen, auf der anderen halten sie dann den Betrachter für zu oberflächlich, als dass es ihm auffalle? Was ist das für eine seltsame Logik? Würde man die Motive nacheinander bringen oder als visuell spektakuläres Triptychon, hätte der Betrachter viel mehr Chancen, zu begreifen, was den Fotografen daran fasziniert hat oder worum es ihm dabei ging.

Aber Achtung: die Rede ist von zwei, maximal drei Motiven, nicht vom Modell:

2. Das Karussell

Eine Motivgruppe, endlos variiert. Das kann großartig werden, wenn es typologisch angelegt ist. Dem Betrachter erschließen sich dann über den Vergleich die minimalen Differenzen, die er sonst nicht sehen würde. Prominentes Beispiel sind die Industrie-Typologien der Bechers, aktueller die Typologien (Menschenaffen, Schulhöfe) von James Mollison. Da dreht man gerne noch einmal eine Runde, und guckt den Band wieder von vorne an.

Unfassbar langweilig sind hingegen Bücher, die auf diesen streng typologischen Ansatz verzichten und trotzdem Bilder aneinander reihen, bei denen das Motiv immer ähnlich aufgebaut ist. Viele Fotografen verwenden ganz intuitiv stets einen ähnlichen Bildaufbau. Wenn sie beim Bildbandlayout zudem gänzlich auf Überraschungen verzichten, wird es optisch langweilig. Oft auch geistig. Den Betrachter zu unterfordern ist gerade in der Kunst keine gute Idee. Warum sollte man einen Bildband kaufen, wenn er weder visuelles Vergnügen verspricht noch intellektuell fordert? Um den Fotografen zu ehren? Im Ernst? Das war im 19. und 20. Jahrhundert vielleicht noch so.

3. Talking Heads

Eine relativ häufig anzutreffende Form ist das Foto (meist ein Porträt) in Kombination mit einer Aussage des Porträtierten. Da fragt man sich natürlich zunächst kritisch, ob hier wenig aussagestarke Fotos mithilfe von Text aufgepäppelt werden sollen. Das muss nicht unbedingt so sein. Es kann sich um ein schwierig zu visualisierendes Thema handeln, wie bei „Phone Sex“ von Philip Toledano. Den Porträtierten sieht man ihre Tätigkeit nicht unbedingt an. Der Buchtitel wäre ein guter Hinweis zur Ausdeutung der Bilder. Durch die Interviewfragmente wird der journalistisch/dokumentarische Charakter betont und natürlich auch die Präsentationsform Buch gut genutzt.

Ein Buch verbindet man in erster Linie mit Text. Dass man auch Fotografien lesen kann, ist als Kulturpraktik leider nicht sehr entwickelt – was Fotografen häufig ignorieren.

Stand des renommierten amerikanischen Fotobuchverlags Aperture auf der Frankfurter Buchmesse.

Was beim eigenen Bildband ideal wäre

Die Buchform ernst genommen haben natürlich schon viele Fotografen. William Klein beispielsweise vor allem mit der Kombination aus Grafik und Schwarzweißbildern, die aus den Seiten den Betrachter anspringen. Robert Frank mit „The Americans“ ist sicher DAS prominente Beispiel, an dem sich bis heute Fotografen abarbeiten. Über mehr solcher spannender Fotografen-Bildbände schreibe ich in „Fotografie mit Leidenschaft“. (Das fällt nur deswegen nicht so direkt ins Auge, weil die Verlage tatsächlich untersagt haben, die Buchcover abzudrucken.)

Für die Präsentation im Buch gilt es eine eigene Form zu finden, die Bilder so zu sequenzieren, dass der Betrachter sich einen Reim auf Auswahl und Abfolge machen kann. Es sollte Überraschungen geben, wenn vielleicht auch nur auf der Layoutebene. Zum Beispiel wäre es abwechslungsreicher, wenn nicht jedes Bild rechts steht neben einer weißen Seite, sondern ab und an auch die linke Seite „bespielt“ wird. Zugleich sollte man natürlich darauf achten, dass Beispielsweise ein Grafiker nicht aus grafischen Gründen ausgerechnet die Abbildung eines detailreichen Motivs verkleinert. Für ein Thumbnail muss man gegebenenfalls ein plakativeres Bild finden. Die richtige Auswahl und Abfolge (gemeinsam) zu bestimmen, macht ja die Arbeit, aber auch die Freude aus.

Ein Plädoyer für die Bildunterschrift

Auch ist es leider eine verbreitete Unsitte, den Betrachter gerade bei komplexen Themen ganz ohne aussagestarke Bildunterschrift zu lassen. Selbst wenn ein Bild für sich sprechen kann, ergibt sich durch den Hinweis auf Ort und Umstände eventuell noch eine tiefere oder weitere Bedeutung. Das sollte man nicht außer Acht lassen.
Ob das Gelobhudel am Anfang des Buches jemand liest, sei einmal dahin gestellt, aber die Bildunterschriften werden immer gelesen, ganz automatisch. Es macht also Sinn, diesen Lesereflex für sich zu nutzen. Man könnte sogar so weit gehen, in den Bildunterschriften etwas zu behaupten, das durch das Motiv selbst gar nicht gedeckt wird – einfach um den Betrachter zum Nachdenken über die Glaubwürdigkeit von Fotografie anzuregen oder um auf etwas außerhalb des Bildausschnitts zu verweisen.

Auch nicht vergessen werden sollten die biografischen Angaben oder überhaupt Wissenswertes zum Fotografen. Solch ein Buch ist auch eine Maßnahme der Eigenwerbung. Meist sogar in erster Linie. Daher sollte man dazu stehen und sich als Bildautor vorstellen.


Fragen Sie gerne nach einer persönlichen Beratung für Ihr Projekt – je früher desto besser kann ich Sie unterstützen und ermutigen, das Optimale zu erreichen.

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Die eigene analoge Fotovergangenheit

Frühjahrsinventur nenne ich es, wenn an einem Wochenende sämtliche Schränke durchforstet werden. Seit ich in einem großen Haus lebe, ist mir dies ein besonderes Anliegen. Das haben wir nämlich mit einer Vielzahl von Einbauschränken gekauft. Und auf magische Weise dehnt sich der eigene Besitzstand aus wie Hefeteig – so lange, bis auch der letzte Wandschrank gefüllt ist.
In einigen Oberschränken liegt quasi meine Vergangenheit in erschütterndem Zustand: Fotos über Fotos. Es sind stapelweise beschriftete Agfa- und Ilfordkartons mit Prints aus dem eigenen Labor. Natürlich lagern sie in den Papierkartons nicht archivfest. Das macht jedoch nichts, denn ich gucke sie ohnehin nicht an. Und niemand wird sich je dafür interessieren.

Analoge Fotos in Kartons

Kann das also alles weg?

Darin sind nicht die besten Bilder, sondern die zweite Wahl und Testprints. Stichproben würden mich in dem Urteil nur bestärken, dass entweder das Motiv banal ist oder der Print misslungen. Womöglich trifft beides zu. Aber kann man seine alten, mühevoll geprinteten, aufwendig luftgetrockneten und geglätteten Motive einfach in die blaue Tonne entsorgen? Ich meine: selbst!?
Das ist aber noch nicht alles. Es gibt eine Ansammlung etwa zehn Jahre alter Labortüten mit Farbprints. Will man in die Tüten reinsehen? Nein, besser nicht. Es würde einen doch nur mit dem konfrontieren, was man im Urlaub so zusammenknipst. Hinzu kommen die vielen Dias! Leider funktioniert mein Leica Projektor nicht mehr. Das wäre kein Hinderungsgrund, denn natürlich ist es kein Problem, seine analogen Fotos digitalisieren zu lassen.

Aber: Macht das Digitalisieren der analogen Fotos Sinn?

Als Beschäftigungstherapie ist das Scannen okay. Und bestimmt ist es lehrreich, die alten Schätzchen anzugucken und sich zu überlegen, was davon in die Gegenwart übertragen werden soll – und was nicht. Aber nicht jeder möchte seine Zeit damit zubringen, die eigene visuelle Vergangenheit aufzuarbeiten. Ich ganz sicher nicht. Heute ist nicht nur die digitale Technik ausgereift, man hat durch Photoshop und Lightroom ganz andere Ansprüche an die Bildbearbeitung als früher.

Also: Analoge Fotos ignorieren und neu produzieren?

Vielleicht gerade weil ich mich schon mein Leben lang mit der Fotografie befasse, bin ich streng oder zumindest realistisch; aber zugleich so sentimental wie jeder andere.
Derzeit wird ja so einiges an Fotografie wieder ausgegraben und groß ausgestellt, was ich schon zur Zeit seiner Entstehung bedenklich fand oder ganz einfach grässlich. So mancher mag da denken: Na, so was grobkörnig Schwarzweißes aus den wilden Siebzigern habe ich auch im Keller, wenn nicht besser. Das ist dummerweise meist ein Trugschluss.

Es gibt das menschliche Phänomen, den eigenen Sachen mehr Wert zuzusprechen als denen von anderen. Das fängt an beim Verkauf einer DVD mit einem Spielfilm auf Ebay („Nur ein Euro?“) bis hin zum Verkauf von Größerem wie dem Auto oder gar dem Haus. Dabei klaffen die eigene Wertvorstellung und die des Käufers mehrstellig auseinander.
Die emotionale Bindung erzeugt auch hinsichtlich der eigenen Fotos ein inneres Bild, das mit dem realen Print oft nur wenig gemein hat.

Diese emotionale „Linsentrübung“ ist es übrigens auch, die so manchen besser davon abhalten sollte, seine Fotos der letzten Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, nachträglich auf einer eigenen Webseite zu publizieren. Ist es wirklich klug, seine kameratechnischen „Jugendsünden“ öffentlich zu machen? Oder, noch kostenintensiver, sie in einer nennenswerten Auflage in einem Buch drucken zu lassen? „Not good!“ wie Happy Quinn sagen würde.

Meine Entscheidung heißt: Aus sentimentalen Gründen (und so lange Platz ist), hebe ich meine fotografische Vergangenheit unarchiviert auf. Vor Jahren fasste ich einmal den Entschluss, aus den Farbfotos nachträglich Themen zusammenzustellen. Das gab ich schnell auf. Warum?

Die zukünftigen Fotos werden immer besser sein als die bisherigen

1. Aus mehr oder minder sinnfrei geknipsten Motiven kann man nachträglich nichts Sinnhaftes gestalten.
2. Viel Arbeit, wenig Freude und die Frage: Wer soll sich das ansehen wollen?
3. Das Leben ist kurz. Ich will Neues sehen und lernen.
4. Aktuell ist man von seinen Fotos stets begeistert. Aber die besseren Fotos werden immer die sein, die man noch machen wird!
5. Meine einzig wertvollen und mir wichtigen Fotoarbeiten sind, jene, die ich im Rahmen eines mehrjährigen Fotoprojektes aufgenommen habe. (Und ein paar kleinere thematische Projekte.)

Was meinen Sie: Soll man seine analogen Knipsbilder aufheben? Was machen Sie mit Ihren analogen Schätzen?

Mehr Tipps für Ihre erste Fotoausstellung

Fortsetzung des vorherigen Beitrags.

7. Einzelbilder? Serien?
Fassen Sie Einzelbilder für eine Fotoausstellung in Gruppen zusammen. Geben Sie diesen sinnvolle, aussagekräftige Namen, vor allem wenn Sie diese auf Ihrer Website veröffentlichen. Das erhöht die Chance Ihrer Werke, via Google gefunden zu werden. Legen Sie Wert darauf, dass jedes Bild für sich gesehen wird, dann präsentieren Sie diese auch entsprechend in je individueller Größe und Rahmung. Den Charakter der Serie betonen Sie durch gleiche Rahmungen.

8. Niemand will Urlaubsfotos sehen!
Sie wissen es, ich weiß es: Die meisten Fotos werden auf Reisen aufgenommen. Das ist nur dann kein Problem, wenn es ein durchgängiges, interessantes Thema als Klammer gibt. Fehlt dieses, wie meist bei Hobbyfotografen, dann sollte zumindest die Bezeichnung der Serie keinen Rückschluss darauf zulassen, dass die Bilder quasi hobbymäßig entstanden sind. Vermeiden Sie also „Kuba | Island | Namibia“. Konzentrieren Sie sich auf Inhalte statt auf Beiläufiges.

9. Lustig geht gar nicht
Wichtig: Vermeiden Sie interpretierende Bildunterschriften. Ob jemand in einer Gesteinsformation ein Gesicht oder einen Elefanten erkennen möchte, sollte ihm überlassen bleiben. Auch Humor hat in Bildunterschriften nichts verloren. Was der eine lustig findet, veranlasst den anderen, die Augen zu rollen.

Fotoausstellung im Gasteig, München

Wolfgang Strassl hat seine erste Ausstellung bis 7. April 2017 in München im Gasteig.

Fotoausstellung im Gasteig

Das große Plakat mit dem Titel lenkt die Besucher in die Ausstellung. Der schwarze Hintergrund gibt den 1 x 1,50 Meter großen Bildern einen ruhigen Hintergrund.

10. Konzept statt Klischee
Das Beste wäre, Sie arbeiten von vorne herein mit einem Konzept! So gelingt es nebenbei, visuelle Klischees zu vermeiden. Um nach Abschluss der Arbeit mit dieser in Erscheinung treten zu können, müssen Sie erläutern können, was Sie mit welcher Absicht umgesetzt haben. Nachträglich Bedeutung in etwas hineinzulegen, wo keine gedacht war, führt immer zu schrecklicher Hirnakrobatik; zu Texten, die kein Mensch lesen möchte. Merke: Wo keine Intention war, kann man keine schlüssige hineindichten. Der Galerist aber braucht die Motivationsgeschichte des Autors, um die Bilder verkaufen zu können. Sie brauchen das Grundkonzept, um eine Pressemitteilung für Ihr Buch oder die Ausstellung schreiben (lassen) zu können.

11. Liefern Sie eine gute Story über sich!
Die Geschichte, die Sie über sich selbst erzählen müssen, sollte knapp, aber interessant sein. Und auf keinen Fall sollten Kameramarken darin vorkommen! Meine Story ist beispielsweise, dass ich mich schon in der Oberstufe bei der Schülerzeitung nicht zwischen Schreiben und Fotografieren entscheiden konnte, sondern beides gleich spannend fand. Später, parallel zum Studium, entschied ich mich für den Kompromiss, über Fotografie zu schreiben. Kurz und knapp. Beachten Sie, dass ich dabei weder sage, was ich studiert habe, noch womit ich mein Geld verdiene. Das heißt: Sie müssen gar nicht preisgeben, was genau Sie tun. Sie können von Ihrem gegebenenfalls unkünstlerischen Brotberuf sogar ablenken. Durch eine knappe, geschickte Story vermeiden Sie die Nachfrage.

Je mehr Energie Sie in eine Fotoausstellung stecken, desto mehr Anerkennung kommt dabei raus

12. Aufwand lohnt!
Zu den wichtigen Beobachtungen, die ich als weisen Rat weitergeben kann, gehört vor allem jene: Aufwand lohnt! Je aufwendiger Ihr Fotoprojekt angelegt ist, desto größer ist Ihre Chance, dafür und damit wahrgenommen zu werden. Das heißt umgekehrt: Die Chance, für Fotos, die man konzeptlos auf Reisen aufgenommen hat, von Bildprofis gelobt zu werden, liegt bei Nullkommanull. Haben Sie Spaß an Ihren Island-, Namibia- oder Venedigfotos, aber ersparen Sie sich den Frust, dafür außerhalb des Amateur-Workshop-Zirkels Anerkennung zu bekommen.

Wenn Sie ernstlich auf den Kunstmarkt wollen, dann inszenieren Sie, arrangieren Sie, machen Sie das Unmögliche zum Bild. Am besten derzeit auch noch in 3D beziehungsweise haptisch-plastisch oder im Retro-Trend. Schauen Sie sich im Frühjahr auf der PhotoLondon um, im Herbst auf der Unseen in Amsterdam oder auf der ParisPhoto. Sie werden über Vieles, das Sie sehen, den Kopf schütteln – vor allem über die Preise. Vergleichen Sie nie, was Sie produzieren, mit den etablierten Klassikern. Schauen Sie sich an, was Ihre Zeitgenossen ausstellen. Fragen Sie den Galeristen nach dem Fotografen und hören Sie gut zu, was er erläutert. Nutzen Sie diese Erfahrung für sich!

Mehr über Fotokunst und den Kunstmarkt finden Sie in meinem Buch „Fotografie mit Leidenschaft“.

Tipps für Ihre erste Ausstellung

Ein Ladenbesitzer in Ihrem Ort oder eine öffentliche Einrichtung hat Ihnen angeboten, Ihre fotografischen Arbeiten zu zeigen. Da können Sie natürlich nicht „Nein“ sagen; obwohl es riskant sein kann, mit seinen Erstlingswerken an die Öffentlichkeit zu gehen. Womöglich befassen Sie sich jedoch schon lange mit der Fotografie und suchen jetzt Anerkennung auf dem Ausstellungssektor – gar auf dem „Kunstmarkt“. Aus Erfahrung kann ich sagen: Je kürzer man fotografiert oder sich mit dem Gedanken an Öffentlichkeit befasst, desto blauäugiger ist man. Wie Sie bestimmt wissen, hat man jedoch nur eine Chance auf einen guten ersten Eindruck. Das ist besonders für jene zu bedenken, die sich beruflich anderweitig bereits einen Namen gemacht haben. Sie sollten berücksichtigen, dass es professionelle Maßstäbe nicht nur im eigenen Berufsfeld gibt, sondern auch im Bereich Kunst und Kultur.

Eine Ausstellung kann auch im Freien stattfinden – hier in Innsbruck.

Ein erster wichtiger Rat vorab wäre, sich niemals mit drei, vier, fünf Erfolgreichen zu vergleichen. Die „Big Names“, von denen man mal gehört oder gelesen hat, befinden sich quasi in einem Paralleluniversum. Seien Sie realistisch und freuen Sie sich über jede Form von Anerkennung. Egal wo Ihre erste Ausstellung stattfinden wird, Sie treten damit ins Licht der Öffentlichkeit und sollten vorab folgende potenzielle Fettnäpfchen beseitigen. Das gilt natürlich auch, bevor Sie zu einer Portfolio-Review auf einem der vielen Festivals aufbrechen.

Erste Ausstellung oder Portfolio-Review: So erhöhen Sie Ihre Chancen beim Fachpublikum

1. Hände weg von Kreativ-Domains
Vermeiden Sie kreative Begriffsfindungen für eine Fotografen-Website. Einprägsame Begriffskombinationen (wie bei mir „fotofeinkost“) funktionieren bei Blogs, aber nicht für eine Website, auf der Sie „Werke“ präsentieren. Die erste Wahl ist stets, den eigenen Namen zu verwenden; ganz schlicht mit einem Bindestrich in zwischen Vor- und Zunamen. Achten Sie bitte auch darauf, dass die Domain nicht nach Fotogeschäft klingt: Bei „Photo-Mueller“ denkt man an Passfotos, nicht an Ausstellungen.

2. Ist es Kunst?
Verzichten Sie auf Begriffe wie „Kunst“ oder „Kunstwerk“. Warum? Weil es gerade für einen Anfänger anmaßend wirkt, sich selbst so zu etikettieren. Das Urteil, ob es als Kunst gesehen wird, sollte man stets anderen überlassen. Von jemandem, der sich selbst als „Künstler“ bezeichnet, nimmt man meist an, er sei Hobbykünstler. Auch „Art“ heißt „Kunst“, „Fine Art“ gar „Bildende Kunst“, also eigentlich die klassischen Bereiche wie Malerei und Bildhauerei. Der Begriff „Fine Art Fotografie“ ist als Genre verbreitet. Man sollte ihn daher nur verwenden, wenn man genau dieses Genre bedient.

3. Zitate gehören ins Poesiealbum
Benutzen Sie auf Ihrer Webseite keine Zitate, ob von Hermann Hesse oder Richard Avedon spielt keine Rolle. Das ist eine Verlegenheitslösung. Und so sieht es auch aus. Überlegen Sie sich selbst einen klugen Satz zu Ihrer Arbeit. Das interessiert dann auch den Leser. Der Besucher Ihrer Website möchte nämlich etwas über Sie erfahren.

4. Technik ist nicht gleich Stil
Geben Sie nie öffentlich an, mit welcher Kamera oder mit welchem Drucker Sie arbeiten. Weil Maler auch nicht den Hersteller ihrer Farbe angeben? Nein, weil es darum geht, was Sie machen und was Sie sich dabei gedacht haben. Und nicht darum, welche Technik zur Anwendung kam. Gerade bei der Fine-Art-Fotografie bewegen Sie sich zwischen Skylla und Charybdis, also zwischen der Imitation malerischer Effekte auf der einen Seite und der reinen Technikanwendung als Stilmittel auf der anderen.

Ausstellung in einem Fotobuchladen: Serie der berühmten Fotografin Cristina de Middel bei La Fabrica, Madrid

Gewußt wie: Bilder signieren

5. Signieren Sie diskret
Sie können gerne Ihre Bilder signieren. Profis signieren meist auf der Rückseite – oft mit Bleistift. Und zwar dort, wo auf der Frontseite ein weißer Rand gelassen wurde, der hinterher unter dem Passepartout verschwindet. Es ist nämlich nie ganz ausschließen, dass sich die Schrift durchdrückt. Das möchte man natürlich nicht im Motiv haben. Zur Signatur gehört außer der Unterschrift auch der Bildtitel beziehungsweise die Serie und ein Datum.

6. Eine Auflage bestimmen
In der Signatur oder überhaupt irgendwo eine Auflage anzugeben, wenn man noch nie ein Bild verkauft hat, ist unnötig. Wird man hingegen von einem Galeristen gefragt, ist wichtig, eine Auflage anzugeben und dann auch einzuhalten. Üblich ist derzeit bei renommierten Fotokünstlern eine Auflage von 5 Exemplaren. Das sollte dem Laien noch einmal klar machen, wie limitiert die Absatzchancen generell sind.

Fortsetzung folgt am 30. März 2017

FOAM Paul Huf Award 2017

Romain Mader (Jg. 1988) aus der Schweiz heißt der Gewinner des 11. Foam Paul Huf Awards. Für den Preis bewerben können sich Fotografinnen und Fotografen unter 35 Jahren. Er ist mit 20.000 Euro dotiert und mit einer Einzelausstellung im Foam Fotografiemuseum in Amsterdam. Romain Maders Arbeit wurde aus 100 nominierten Portfolios aus 25 Ländern ausgewählt. Die ironisch-humorvolle Serie handelt davon, wie er eine Braut sucht in der fiktiven Stadt „Ekatarina“ – so auch der Name der Serie.

Centro de la Imagen Mexiko City

Innen Centro Imagen

Mit Lateinamerika, speziell Mexiko, verbindet sich eine große fotografische Tradition. Mir fallen vor allem Fotografinnen ein wie die historischen Tina Modotti, Lola Álvarez Bravo oder die zeitgenössischen Klassiker Graciela Iturbide und Flor Garduño, die in einem meiner Bücher vertreten sind. Nun war ich endlich in Mexiko City und dort auch im Centro de la Imagen. Wie schon im letzten Beitrag berichtet, lief gerade die Biennale der Fotografie.

Hier möchte ich Sie einfach mitnehmen und Ihnen einen Eindruck vermitteln, wie es dort aussieht.

Fassade Centro de la Imagen

Plaza de la Ciudadela im Centro Histórico von Mexiko City. Der Gebäudekomplex vom Anfang des 18. Jahrhunderts beherbergte einst die erste Tabakfabrik, Real Fábrica de Tabaco de la Nueva España. „Zitadelle“ wurde das Gebäude genannt, weil es so militärisch wirkte. Nach einer ziemlich wechselvollen Geschichte zog hier 1994 das Zentrum für Fotografie ein.

Eingangssituation Centro Imagen

Von der Metrostation Balderas geht man eine Art Flohmarkt entlang. Der Eingang ist dieses schmale Gittertor zwischen den Ständen.

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[Bewegtbild] Ivan Manriquez: TJ-SD Installation

Im Centro de la Imagen in Mexiko City läuft noch bis 12. März 2017 die XVII Bienal de la Fotografia. Dort sah ich die Video-Installation von Iván Manríquez aus Monterrey, Nuevo León, Mexiko (Beitragsbild). Ich fand sie visuell sehr beeindruckend. Sie bearbeitet zudem das durch die Wahl von Trump zum Präsidenten der USA in der Weltöffentlichkeit derzeit viel beachtete Thema der Grenze zwischen Mexiko und den USA. Genauer gesagt geht es um die beiden Städte Tijuana und San Diego, die wirtschaftlich eng miteinander verflochten sind. Auf der Basis von Satellitenbildern und statistischen Daten schuf Manríquez seine Visualisierung, der er den englischen Titel „Borderline“ gab. 1986 in La Paz, Baja California Sur, geboren, studierte er zunächst Elektrotechnik am Monterrey Institute of Technology, wechselte dann aber zu den Audiovisuellen Künsten an der Autonomen Universität von Nuevo Leon.

Video zum Thema mexikanisch-amerikanische Grenze

This project has its origin in the analysis of satellite images taken in the boundaries between Mexico and the United States. From this perspective I can observe the concept of frontier while the images evoke the imaginary attributed to the region. My work is a reflection on current political activity in contemporary societies and how technology has influenced it through the use of various devices and media languages.

As part of this project, TJ-SD is a video installation consisting of a series of graphs projected simultaneously on a LED board and a television screen, corresponding to numerical data related to the border region between Tijuana and San Diego. The number of inhabitants, the area codes, the postal codes, the time zones and the length of this border are displayed on the board; while the video shows a constant reconfiguration of the pixels that make up the satellite image of the place.

The whole project is entitled „Borderline“. It referres to two concepts: to borderline as a personality disorder, a mental condition characterized by an extremely polarized mood. And to the dividing and imaginary line that limits two or more regions.

Iván Manríquez Website

[Bewegtbild] Jürgen Scriba: Timelaps

Zeitraffer wie sie J. Scriba versteht
Martina Mettner: Am Anfang stand nicht die Fotografie, sondern ein Physikstudium.

Jürgen Scriba: Was auch sinnvoll ist, weil es einem grundsätzlich beibringt, akribisch Sachverhalte zu erkunden. Egal, ob man nun Halbleiterstrukturen untersucht oder eine Kamera benutzt – als Messinstrument, um zu verstehen, wie bestimmte Sachen funktionieren. Ich habe auch schon oft Menschen fotografiert, mich ihnen aber immer über die Situation und den Raum genähert.

Menschen als Strukturmuster, nicht als Individuen.

Ich habe zum Beispiel das Paternoster-Projekt in einer Versicherung gemacht, wo ich eine Situation erzeuge, indem ich die Kamera aufbaue und den Leuten sage, an der Stelle werdet ihr fotografiert. Mich interessieren immer die Menschen in ihrem Verhalten an einem bestimmten Ort, ob das nun der Hamburger Flughafen oder der Berliner Hauptbahnhof oder ein Museum in München ist. Das ist schon eine Laborsituation. Gerade bei dem Paternoster-Projekt habe ich als Fotograf eigentlich gar keine Funktion, da die Kamera automatisch auslöst, wenn der Paternoster in einer bestimmten Position ist. Die Leute wissen, wann und wo sie fotografiert werden und haben dadurch eine rudimentäre Kontrolle. Ich habe keine Kontrolle darüber, was sie machen und interagiere auch nicht. Ich war total verblüfft, welch tolle Porträts dabei herauskommen. Gerade in der strengen Struktur der Montage wird für mich das Individuum besonders sichtbar.
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[Bewegtbild] Alexander Schneider über seine Multimediashow

Sumpfohreule Multimediashow

Topqualifiziert für eine riesige Aufgabe, die er sich selbst gestellt hat, war Mag. Alexander Schneider aus Perg in Oberösterreich. Er fotografierte gut vier Jahre entlang der 1.200 Kilometer langen Grenze Österreichs zu seinen Nachbarländern. Wo einst der „Eiserne Vorhang“ war, entwickelte sich ein einzigartiges Naturgebiet, dessen Artenvielfalt und Schönheit der pensionierte Biologielehrer nicht nur fotografisch preist, sondern für deren Erhalt und Schutz er sich aktiv einsetzt. Was als Fotoidee für die Ausfüllung des Ruhestands begann, entwickelte sich eher ungeplant zu einem Großprojekt. Zum umfangreichen Bildband gesellte sich bald eine Multimediapräsentation, die ihm neben Vortragsabenden in Österreich, Slowenien, Tschechien und Bayern auch Einladungen zu Messen oder Veranstaltungen von Fotoclubs einbringt. Alexander Schneider ist nämlich in Fotoclubkreisen ohnehin bekannt als Obmann des vielfach prämierten Perger Fotoclubs.

Beschreiben Sie bitte, wie Ihre Multimediashow aufgebaut ist und abläuft.
Buchcocer, Multimedia

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Da ich die Show jetzt schon beinahe fünfzigmal gezeigt habe, bin ich froh, dass ich sie vollautomatisch digitalisiert habe, also mit Musik und einer eigenen Sprecherin. Auch wenn live speaking authentischer rüberkommt, ist es so eine sichere Angelegenheit. Man ist ja nicht jeden Tag rhetorisch gleich gut drauf. Die Show wurde mit Wings Platinum gestaltet, die Technik hat mich, Gott sei Dank, noch nie in Stich gelassen!
Zum Aufbau: Ich versuche, über jeden Teilabschnitt in einer textlastigeren Einleitung zu informieren, um dann mit Musik und passendem Sound die geeignete Stimmung zu erzeugen (fließendes Wasser, Vogelstimmen und Musik, oft übereinander gelegt). Der O-Ton war nicht geeignet wegen der Nebengeräusche (Wind, Autos). Bei der Musik versuchte ich, authentisch zu sein (Smetana im Böhmerwald, Haydn in Hainburg, Toni Stricker am Neusiedlersee mit Pusztamelodien). Sonst liebe ich Klassik und Romantik: Ruhige Landschaften und Chopin.
Meist mache ich bei der Hälfte eine Pause, um mit den Gästen über persönliche Erfahrungen, Naturschutzthemen oder fototechnische Fragen zu diskutieren. Und natürlich weise ich auf das Buch hin, das ich bei den Veranstaltungen verkaufe.
Eine neue Erfahrung mache ich gerade in Tschechien. Ein junger, engagierter Tscheche übersetzt dort simultan, ich reduziere dann den Ton.

Wie ist die Resonanz der Zuschauer? Was hören Sie von denen?

Die Besucherzahlen pro Veranstaltung reichen von 15 bis 130. In kleinen Randgemeinden mit bäuerlicher Bevölkerung kamen oft wenig Besucher. Es waren aber immer Landwirte dabei, die überlegten, ihre Grundstücke für den Zweck des Naturschutzes zur Verfügung zu stellen. Oft ist es mühsame Überzeugungsarbeit, manchmal aber doch ein ideeller Erfolg. In der Uni Wien, im Botanischen Garten Linz und in anderen Städten kamen jeweils über 100 Zuschauer.

Sumpfohreule Multimediashow

Alexander Schneider, Sumpfohreule am Neusiedler See, aus: Am Grünen Band Österreichs


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Fotograf Kai Löffelbein über Bewegtbild

Bewegtbild (Screenshot Hidden Hong Kong)
Martina Mettner: Gerne würde ich mit Ihnen die Erweiterung der Fotografie in Richtung Bewegtbild besprechen. Sie haben diese wunderbare Arbeit über die Cage People in Hongkong veröffentlicht, bei der Sie mittels Ton, Überblendungen und ein wenig Bewegtbild einen sehr lebendigen Eindruck erzielen, obwohl es eigentlich fast nur Stehbilder sind.

Kai Löffelbein: Ich liebe die Kraft der Fotografie. Als Fotograf einer Multimediaproduktion setze ich Bewegtbilder nur dann ein, wenn sie dort meiner Meinung nach Sinn ergeben. Multimediale Geschichten unterscheiden sich in der Aufbereitung und auch im Produktionsprozess von der „reinen“ Fotografie. Multimedia ist ein weiteres Werkzeug, das uns Fotografen an die Hand gegeben wurde, um Geschichten auf eine andere Art erzählen zu können. Durch die Möglichkeit, Interviews zu führen, Texte einzubauen, Statistiken aufzubereiten, Musik und O-Ton zu verwenden, lassen sich Informationen vermitteln, die in Fotos so nicht enthalten sind.
Multimedia bietet mir Raum, mich künstlerisch in mehreren Dimensionen ausleben. Alleine eine gute Multimedia zu machen, ist eine große Herausforderung. Man braucht ganz viel Zeit, denn man kann nicht alles gleichzeitig tun. Als erstes fotografiere ich und mache Videos, wenn ich dies passend finde. Dann führe ich Interviews und nehme alle möglichen Geräusche auf, die ich später eventuell verwenden kann. Allein für die O-Töne bin ich tagelang durch Hongkong gelaufen.

Hidden Hong Kong

Wie kamen Sie auf das Thema?

Anfang 2012 habe ich einen Fernsehbeitrag über die Cage People gesehen. Vielleicht war das auf Al Jazeera, die senden gute Dokumentationen. Diese unglaublich beengten Wohnverhältnisse fand ich visuell sehr spannend, Metropolen ziehen mich ohnehin an. Diese Menschenmassen, diese klaustrophobische Stimmung. Man sieht diese Käfige nicht, wenn man durch Hongkong läuft, sondern nur riesige Fassaden, und hinter jedem Fenster gibt es so viele Schicksale.

Wie sind Sie an die Leute herangekommen?

Ich habe mit SOCO zusammengearbeitet, einer Hilfsorganisation, die Menschen in schwierigen Wohnsituationen betreut und die mir in Hongkong viele Türen geöffnet hat. Wenn man mit einer NGO zusammenarbeitet, heißt dass aber auch, dass man sich dem Alltag der NGO anpassen muss. Viele Dinge laufen anders ab, als wenn man alleine und dem eigenem Zeitplan verpflichtet arbeitet.

Das vollständige Interview lesen Sie im Buch "Fotopraxis mit Perspektive" (19,80 €)

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Lassen Sie uns über das Licht sprechen. Das ist bei Ihnen ja oft auch Thema innerhalb des Motivs oder auch speziell bei der Multimediaarbeit, wo flackerndes Kellerlicht oder Neonreklamen über Stehbildern erscheinen. Arbeiten Sie überhaupt mit Kunstlicht?

Nein, ich arbeite nicht mit Kunstlicht, außer wenn ich Porträts fotografiere. Sonst nehme ich das vorhandene Licht. Das macht für mich einen Großteil der Stimmung und des Bildes aus. Die Lichtstimmung kann beim Betrachter Emotionen, die ich übertragen will, auslösen.
Man sieht, dass Sie sensibel mit optischen Phänomenen wie Licht, Dunkel, Rauch umgehen.
Das ist für mich auch extrem wichtig. Bei allem journalistischen Inhalt geht es ja immer um Bilder; meine sollen auch Schönheit und Poesie besitzen, Emotionen transportieren, ohne plakativ zu sein. Ob mir das immer gelingt, weiß ich nicht.

Gibt es zum Schluss noch einen Tipp, den Sie weitergeben können?

Ich mag gut vorbereitete, gut durchdachte, intelligente Projekte. Es ist essenziell wichtig, sorgfältig zu recherchieren, bevor man irgendwohin fliegt. Trotzdem sollte man auch nicht ewig überlegen: Was gab es schon und was nicht? Hat nicht Fotograf XY so etwas Ähnliches gemacht? Wer könnte meine Geschichte kaufen? Ich finde: Einfach mal anfangen.

Kai Löffelbein, Jahrgang 1981, studierte zunächst in Berlin Politikwissenschaft und später Fotojournalismus und Dokumentarfotografie an der FH Hannover. Seit 2007 arbeitet er als freier Fotograf für Magazine. Ein Bildband über sein großes Thema Elektroschrott ist seit längerer Zeit bei Steidl angekündigt.

Ute Eskildsen zum Geburtstag

Als Ute Eskildsen 2012 in den so genannten Ruhestand ging, verschwand eine verlässliche und kompetente Konstante aus einer kulturellen Institution, die sie selbst zur wichtigen Größe in der Fotografie gemacht hatte. Das Museum Folkwang Essen steht in der heutigen Wahrnehmung der Kunstszene weltweit auch und in besonderer Weise für die Fotografie.

Verbundenheit mit dem legendären Otto Steinert

Ute Eskildsen begann ihre Laufbahn 1972 als Assistentin von Otto Steinert an der Folkwang Hochschule, nachdem sie dort zunächst selbst Ende der 1960er Fotografie studiert und später praktiziert hatte. Im George Eastman Haus in Rochester/USA – der damals führenden Institution im professionellen Umgang mit Fotografie – sammelte sie als Volontärin in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre wichtige Erfahrungen.

Fritz Kempe: Die junge Kuratorin Ute Eskildsen, 1980
Silbergelatine-Abzug. Neuerwerbung Museum Folkwang, Essen
© Nachlass Fritz Kempe, Hamburg

Diese sollten ihr Ende 1978 helfen, die nach Otto Steinerts Tod gegründete Fotografische Sammlung am Museum Folkwang als modellhafte Sammlung für Fotografie in Deutschland und Europa aufzubauen – modellhaft im Sinne der Erschließung, Sammlung und Vermittlung historischer und zeitgenössischer Fotografie.
Kuratoren wählen aus, ohne eine wertende Meinung zu pflegen, daher lässt sich auch Ute Eskildsens vielseitige Ausstellungstätigkeit nicht auf einen Stil, Geschmack oder eine Haltung reduzieren. Sie öffnet das modernistische Fotografie-Verständnis von Otto Steinert und seine spätere Ausrichtung auf den Bildjournalismus hin zu einer Fotografie der Autoren, die durch ihre Eigenwilligkeit ihrer Sichtweise überzeugten; etwa Robert Frank, dem sie unter anderem die Ausstellung „Hold Still – Keep Going“ widmete.

Einsatz für Fotografinnen

Mit der Rekonstruktion der legendären Stuttgarter Werkbund-Ausstellung „Film und Foto“ von 1929 gelang ihr 1979 der erste Paukenschlag, gefolgt von einer großen Retrospektive der Subjektiven Fotografie der 1950er Jahre als einer ersten globalen fotografischen Bewegung (1985) und der großen Schau „Fotografieren hieß Teilnehmen“ zu den Fotografinnen der Weimarer Republik (1993). Gerade der Beitrag von Fotografinnen zur Geschichte und Gegenwart des Mediums lag Ute Eskildsen – Kuratorin in einer von Männern dominierten Kunstwelt – besonders am Herzen. Neben den Pionierinnen des Mediums förderte sie auch zeitgenössische Vertreterinnen wie Susan Meiselas, Rineke Dijkstra, Helen Chadwik, Jo Spence, Hellen van Meene, Clare Strand und viele andere mehr.
Neben ihrer Sammel- und Ausstellungstätigkeit schuf sie zudem wichtige Strukturen, wie etwa 1982 das Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stipendium für Zeitgenössische deutsche Fotografie, das um 2000 mit einem weiteren Stipendium zur Förderung des Kuratoren-Nachwuchses auf dem Feld der Fotografie erweitert wurde.

Heute wird Ute Eskildsen 70 Jahre alt. fotofeinkost gratuliert.

Ute Friederike Schernau: Plastic Tales

IKEATÜTE

„Ute Friederike Schernau beschäftigt sich in ihren Fotografien mit den Ambivalenzen, die das Material Plastik in der Welt von und mit Kindern entfaltet. Forschend beobachtet sie die diffusen Erscheinungsbilder, in denen es ihr im Alltag begegnet. Sie erkundet die Wirkung seiner punktuellen Abwesenheit und lässt es an anderen Stellen sichtbar werden, wo es auf den ersten Blick verborgen bleiben sollte. Sie sortiert winzige Plastikpartikel, deren ursprüngliche Funktion längst nicht mehr nachzuvollziehen ist, lässt den Betrachter einen kurzen Moment der Ratlosigkeit erleben, wenn er oder sie das themengebende Material auf einem Bild nicht sofort ausfindig machen kann und macht sich mit ihren beiden Söhnen Matteo und Janno auf die Suche nach der ‚magischen’ Seite, die dieses Material (nicht nur) in den Augen von Kindern zu entfalten in der Lage ist. Plastik erscheint hier als Material, das sowohl die ‚Hardware’ zum selbst vergessenen, kindlichen Tagtraum liefert und damit dem Fantastischen einen Platz in der Wirklichkeit verschafft, der es auch den Erwachsenen ermöglicht, dem wilden Bricolagieren der kindlichen Gestalter zu folgen, als auch als unerwünschter Eindringling, dem es immer wieder gelingt, die eigene Sichtbarkeit zu minimieren oder eine allzu freundliche Form anzunehmen, bei der ein ‚Nein!’ keine Option mehr zu sein scheint.“ Nina Spöttling-Metz

LEGO

MASKE

LUFTPOLSTERFOLIE

WACKELAUGEN

NARZISSE

Ute Friederike Schernau, 1978 geboren in Essen, studierte Fotografie an der FH Bielefeld bei Professorin Katharina Bosse, Diplom 2007. Sie lebt in Münster, fotografiert für Magazine und arbeitet an freien künstlerischen Projekten wie diesem. Unter anderem ist sie Mitinitiatorin der Mompreneurs-Gruppe in Münster. Seit ich 2001 den Bildband Mutterblicke / In Their Mother’s Eyes herausgegeben habe, freue ich mich besonders zu sehen, wie zeitgemäße Konzepte von Mutterschaft und Kunstwollen umgesetzt werden. Sie schrieb mir: „Ich habe im letzten Jahr gemeinsam mit meinen Söhnen und dem Grafiker Sebastian Schneider aus Köln ein Buchprojekt realisiert: „Plastictales“. Erzählerisch setzen wir uns darin mit Plastik auseinander, ein Material, das derzeit unseren Planeten überschwemmt.“ Zum Buchteaser.

Gewidmete Plastik-Geschichten

Sie gibt ihrem Buchprojekt eine Widmung an ihre Jungs mit, darin heißt es: „Es liegt mir fern, euch mit diesen teils unorthodoxen Kinderbildern bloßzustellen. Dazu seid ihr vermutlich auch zu sehr an die Welt der Inszenierung, der Kunst und des Spiels gewöhnt. Vielmehr ging es ja um das Thema ‚Plastik‘ oder darum, wie schwer es ist, mit der Komplexität dieser globalen Welt und ihren Begleiterscheinungen umzugehen.“

Bildpräsentation: Das Blätter-PDF

Beim Thema Bildpräsentation denken die meisten an Galerien auf ihrer Website. Die sind ideal, wenn man Einzelbilder zeigt (Werbefotografie, Porträts). Aber schon bei einem umfangreicheren Fotoprojekt ist es selten optimal, alle Fotografien in gleicher Größe zu präsentieren – und womöglich ohne Begleittext oder Bildunterschriften.

Präsentieren Sie doch neben Ihrem Portfolio auch einmal eine thematische Zusammenstellung! Bieten Sie Ihren Kunden an, sich diese Vorschläge downzuloaden und aufzubewahren. Ideal hierfür ist das PDF – vor allem seit Google den Text in PDFs ausliest und diese bei der Suche anzeigt. Mit ansprechend zusammengestellten PDFs erhöhen Sie massiv Ihre Präsenz im Netz.

PDFs sind super für die Akquise

PDF’s kennen Sie und haben Sie vielleicht auch schon einmal aus Ihrem Bildmaterial kreiert: kleine Reportagen von einer Reise; Bilder von einer Messe, die Sie für Kunden aufbereiten; spezielle Aufnahmetechniken, die Sie neu anbieten möchten; eine Querauswahl aus Ihrem Bildbestand, die genau auf Ihre Zielgruppe ausgerichtet ist.

Die Frage, die sich stellt, ist ja stets: Wie macht man es so, dass es gut aussieht? Das betrifft einerseits das Layout, andererseits die Technik. Blätter-PDFs sind ziemlich angesagt, zumal wenn man seine Bildstrecke oder ein gedrucktes Editorial auf dem iPad zeigt.

Meine Layouts entstehen alle in InDesign. Ich benutze noch eine ältere Version, in der sich zwar Blätter-PDFs einfach generieren lassen, aber nur als Flash-Datei. Und das ist inzwischen ja völlig sinnlos, weil es nicht auf Mobilgeräten funktioniert. Der Vorteil wäre, dass man sein PDF bei sich selbst hosten kann. Das ist aus meiner Sicht auch ein gewichtiges Argument für das klassische, dann aber nicht blätterbare PDF.

Umwandeln von PDFs in Blätter-PDFs: kostenlos

Eine schon lange etablierte Alternative ist die Plattform Issuu.com, auf der ich beispielsweise Leseproben aus meinen Büchern eingestellt habe. Das sieht so aus. In der Basisversion ist Issuu kostenlos. Die komfortablere, werbefreie Version schlägt aber mit 35 USD monatlich zu Buche.

Deutlich aktueller hinsichtlich Medienintegration und besser auf Mobilgeräten lesbar scheint mir Yumpu.com aus der Schweiz zu sein. Für WordPress gibt es ein Plugin, das sich bei mir auf dem üblichen Weg gar nicht, sondern nur per FTP installieren ließ. Nach der Aktivierung und Eingabe des API-Keys konnte ich erfolgreich die PDF-Datei über das Plugin hochladen. Aber weder in der Menüleiste noch in der Liste funktioniert „Insert Shortcode“. Mit anderen Worten: Das Plugin ist nutzlos. Ich musste mir einen Embedcode auf der Yumpu-Website suchen. Und dann der Schock: Alle Fotos haben Pseudoschatten und -Glanz. Das mag für einen Aktionsprospekt vom Discounter ideal sein. Für meine Fotos möchte ich das nicht. Und für Ihre auch nicht.

Probieren Sie es selbst aus. Bei Yumpu gibt es einen kostenlosen Account sowie einen werbefreien für 8 Euro pro Monat. Hinzu kommen Bezahloptionen, sein Produkt in einen Kiosk einzustellen. Diese Optionen sowie die weiteren auf dem Markt verfügbaren Angebote richten sich an Publisher, die Magazine herausgeben und digital verbreiten wollen. Sie sind entsprechend hochpreisig.

Layouten ohne Vorkenntnisse

Wer kein professionelles Layoutprogramm auf dem Rechner hat, und wer überhaupt wenig Erfahrung mit dem Layouten mitbringt, sollte sich Papermine ansehen. Das in Florenz ansässige Unternehmen gibt verschiedene Templates vor. Man kann das PDF direkt darin erstellen, neuerdings auch eines importieren. Für Ungeübte sind Templates ein deutlich einfacherer Weg zu professionellen Ergebnissen. Immerhin werden bei Papermine die Bilder nicht durch plastische Effekte ruiniert.

Für die Anmeldung eines kostenlosen Probemonats muss man seine Kreditkartendaten angeben. Eine Fortsetzung kostet dann stolze 19 Euro pro Monat. Kündigt man vor Ende des Probemonats, ist das erstellte Booklet zwar nicht verloren, aber nicht mehr sichtbar. Eine kleinliche Regelung.

Open larger view

In 10 Minuten zum eigenen Booklet?

Zeitintensiv ist auf jeden Fall die Bildauswahl. Sie sollte unbedingt vorher getroffen und in einem Ordner in der entsprechenden Pixelbreite abgelegt sein. Kommt man auf die Idee, ein Video zu integrieren, stößt man schnell an Grenzen, beziehungsweise wäre gezwungen, das Video in einem anderen Programm erst einmal auf die zulässige Größe zu stutzen. Mir hat das Hochladen ohnehin zu lange gedauert. Das mag aber an meinem Telekom-Country-DSL liegen. Ich habe dann im Phnom Penh-Booklet einen YouTube-Link gesetzt.

Denken Sie daran, Text zu integrieren, sonst hat Google kein Futter und der potenzielle Interessent weiß nicht, was ihm diese Bildpräsentation sagen soll. Ich habe auf weiterführende Angaben verzichtet, weil ich mit meinen PDFs nichts verkaufen will.

Wer mit der Fotografie sein Geld verdient, dem sei aber dringend angeraten, im PDF zur eigenen Website zu verlinken und gleich vorne die Kontaktdaten einzufügen. Sinnvoll wäre es zudem, anzugeben, was Sie anzubieten haben. Ein Satz wie: „Auch für Ihr Unternehmen realisiere ich gerne eine solche Reportage“, macht beispielsweise klar, dass Sie nicht Ihre abgebildeten Fotos verkaufen, sondern Aufträge annehmen wollen.

Ein Wort noch zu den gewerblich tätigen Fotografen, also jenen im B2C-Geschäft: Das ist eine super Sache für Hochzeiten oder Events. Sie können Ihren Kunden ein Booklet anbieten, das diese auf ihrer Facebookseite integrieren können – und dort für Sie werben! Da sind dann die monatlich zu zahlenden Beiträge durchaus gut investiert.

Welche Erfahrungen machen Sie mit der PDF-Bildpräsentation?

Nach dem Ausprobieren verschiedener Anbieter kehre ich zurück zum klassischen PDF, das ich auf meinen eigenen Server hochladen kann. Was finden Sie besser: Klassische PDFs oder solche mit Blätterfunktion? Kennen Sie einen Anbieter, mit dem Sie gute Erfahrungen gemacht haben?

Nachtrag vom 14.1.2017: Was ich leider selbst vor lauter Design und Textkorrektur bei meinen selbstgehosteten PDFs vergessen habe und nun noch nachholen muss: Das Ausfüllen der Metadaten (PDF – Eigenschaften). Bitte denken Sie daran.

HINWEIS auf meinen Workshop mit Gerhard Hagen zur Architekturfotografie / Fotografie urbaner Landschaften. Das Ergebnis lässt sich in solch einem PDF präsentieren.

Künstlerfilme: Skurrile Sehwelten

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Treppenhaus im kubistischen Haus „Zur schwarzen Muttergottes“ in Prag. Foto: MM

Vor Weihnachten war ich in Prag. Eine Stadt, dicht gespickt mit Weihnachtsmärkten und Törtchenausgabestellen. Die Cafés sind wirklich sehenswert. Keinesfalls verpassen sollte man das Imperial im reinen Jugendstil sowie das Grand Café Orient, denn es ist das einzige kubistische Café weltweit. Es befindet sich im ersten Stock (!) eines kubistischen Hauses „Zur schwarzen Muttergottes“. Ich empfehle vorab den Besuch des kleinen Kubismus-Museums in den oberen Stockwerken. Man fühlt sich ein wenig eckig, anschließend, und kann das mit einem der guten tschechischen Biere im Café wieder glätten. Ziemlich verblüfft war ich, dass in den Cafés noch geraucht wird.

Vielleicht haben auch Sie nun etwas Zeit, sich Schräges, Ungewöhnliches anzusehen? Bewegtes Bild, gar? Zum Jahresausklang möchte ich Ihnen zwei Künstler ans Herz legen, die mit Film arbeiten, aber gewisssermaßen fotografisch denken. Das äußert sich beispielsweise in starren Einstellungen und sparsamen Schnitten. Eigentlich sind es eben Bilder, in denen sich etwas bewegt. Ich find’s großartig und sehr inspirierend.

„Staging Silence (2)“

Anfang 2016 war ich in Brasilien. Und weil es auch in Rio regnete, ziemlich viel in Kunstmuseen. Die sind übrigens sowohl in Sao Paulo als auch in Rio de Janeiro architektonisch wie auch sonst ein Tipp. Auf jeden Fall war in einer Ausstellung über belgische Künstler ein Vorhang, der wiederum zu einem sehr dunklen Raum führte, in dem ein Schwarzweißfilm lief. Mein Gatte und ich setzten uns und waren hin und weg. Alle fünf Minuten schaute der Aufseher nach, ob wir noch da saßen. Ja, der Film von Hans Op de Beeck war 20 wunderbare Minuten lang: „Staging Silence (2)“ von 2013, für mich die aufregendsten und schönsten Schwarzweißbilder 2016.

Der wahnsinnig produktive Hans Op de Beeck, 1969 in Belgien geboren, benutzt als Ausdrucksmittel, was immer ihm angemessen erscheint. Es gibt außer Videos auch Installationen, Zeichnungen, Gemälde, Skulpturen. In Amsterdam bin ich seinen Arbeiten zum zweiten Mal in diesem Jahr begegnet. Die Kunstsammlung von Akzo Nobel zeigt im Entree der Firmenzentrale eine kleine Koje mit Kunstwerken von ihm.

Hans Op de Beeck Skulptur

Hans Op de Beeck: My Favorite Small Buildings (Foto: MM in der Sammlung Akzo Nobel)

Auch dort sind sie Fans des vielseitigen Künstlers, der in Brüssel lebt. Im nachfolgenden Video gibt er auf Englisch einen kurzen Überblick über sein Werk.

„Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach“

Roy Andersson hatte ich mir jünger vorgestellt. 1943 in Göteborg geboren, wurde er nämlich erst ab 2000 mit seinen sehr skurrilen Filmen bekannt. 2014 erschien „Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach“ (und ich habe ihn erst im November gesehen, obwohl ich „Das jüngste Gewitter“ von 2007 kannte). Szene für Szene wurde gebaut und so dauerte es vier Jahre, bis der Film fertig war. Wobei das eben kein Film mit einer „Story“ ist, sondern eher eine Aneinanderreihung von Bildern. Andersson bezieht sich explizit auf Gemälde der Neuen Sachlichkeit und auf die Fotografien von August Sander. Besonders gefällt mir, dass oft im Hintergrund noch eine Person zu sehen ist. Der Running Gag: Immer, wenn sie telefonieren, sagen sie:  „Schön zu hören, dass es Euch gut geht!“

Fiktion, auf die wir uns einlassen, wirkt authentisch

Ein Blick in die Zukunft, british and very strange, wirft die Serie „Black Mirror“, die auf Netflix zu sehen ist. In Folge 3 der ersten Staffel werden Action- und Webcams weitergedacht als visuelle Rekorder unseres Erlebens, eingepflanzt hinter dem Ohr. Was passiert, wenn man jedes Ereignis im Leben noch einmal betrachten kann; was, wenn sich der letzte Moment zurückspulen lässt? Wie wäre es, wenn wir ständig dokumentieren müssen, was wir die letzten 24 Stunden oder Woche getan haben, um überhaupt ein Flugzeug besteigen zu dürfen? Beklemmende Gedanken.

Für Ihre Zukunft – persönlich und beruflich – wünsche ich Ihnen auf jeden Fall nur das Heiterste und Beste. Schöne Feiertage und viel Erfolg mit allen Ihren Plänen!


Bestehen in der Bilderflut II

Über Geduld und das Verlangen nach Schönem

Wie viele mag ich am Fotografieren, schnell ein Ergebnis zu haben. Ich bin nämlich eher ungeduldig. Je länger ich jedoch über Fotografie schreibend nachdenke, desto klarer wird mir, dass Geduld zum Gelingen ungeheuer beiträgt. Die zeitliche Dauer, die man in eine fotografische Arbeit investiert, zahlt sich aus. Das kann die von mir sehr wertgeschätzte Fotografie mit der Großbildkamera sein, bei der der Akt des Fotografierens selbst von zeitlicher Dauer ist. Das kann aber auch ein langer Zeitraum sein, in dem man an einem Thema recherchiert und fotografiert. Geduld ermöglicht ein tieferes Eintauchen in das, was man in den Fokus nimmt. Das sieht man stets dem Ergebnis an.

Das schöne Bild muss kein Klischeebild sein

Bisher ging es mir in erster Linie darum, auf die Notwendigkeit eines Bildinhaltes hinzuweisen. Speziell in der Hobbyfotografie, bei der nicht auf einen Verwendungszweck hin fotografiert wird, führt die Bildaussage ein Schattendasein. Da geht es ausschließlich um das schöne Bild, das immer technisch perfekt ausgeführt und grafisch nach den Standardregeln aufgebaut ist. In der angewandten Fotografie findet man es als Kalenderbild oder in der Reisefotografie. Da ist schlichtweg das gängige Ideal vom schönen Bild das verkäufliche und damit das richtige.
Als Kontrapunkt zum kommerziellen schönen Bild gibt es in den letzten Jahren vermehrt das beispielsweise aus den Kunsthochschulen kommende Dekonstruieren ästhetischer Gewohnheiten und den aus der Modefotografie von Terry Richardson ausgehenden rough & dirty-Look.
Mit Geduld gemachte Fotografien, die etwas aussagen und dabei schön anzusehen sind, werden immer seltener. Das liegt wohl weniger an einer Ablehnung des Schönen durch die Fotografen, sondern mehr an drastischen Veränderungen unserer westlichen Welt. Sie ist in diesem Jahrhundert deutlich weniger fotogen geworden.

Das unfotogene 21. Jahrhundert?

Man erinnere sich an die Fotoklassiker, die auf der Straße fotografiert haben. Stellen wir uns Henri Cartier-Bressons Fotografien vor mit Personen, die übergewichtig sind, buntbedruckte bequeme Kleidung samt Sneakers tragen und auf ein Smartphonedisplay schauen! Selbst wenn wir uns das schwarzweiß imaginieren, wird es schwierig, sich das schönzugucken. Schlanke Männer in Anzügen wirken – vor allem schwarzweiß – als elegantes und eher diskretes Bildelement.
Mir scheint, es wird zunehmend schwieriger, fotogene Themen jenseits des Klischees und diesseits von Entwicklungsländern zu finden. Armut und Leiden fotografieren sich gut. Das sollte man aber den dafür ausgebildeten Fotojournalisten überlassen.
Was bleibt? Architektur natürlich. Bei Landschaft richtet sich das Bestreben dann wieder allzuleicht auf das Naheliegende, die schöne Lichtstimmung (ohne inhaltliche Relevanz). Eine probate Lösung ist, Männer in Arbeitskleidung abzulichten.

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Luis Fabini: Amerikas Cowboys

Luis Fabini (geb. 1965 in Uruguay, lebt in New York) hat mehr als ein Jahrzehnt immer wieder mit Cowboys auf dem amerikanischen Kontinent ihren kargen Alltag geteilt. Er vermied Klischees aus der Tabakwerbung und schuf Bilder, auf denen man gerne den Blick verweilen lässt und die den Betrachter hineinziehen in die Szenen. Besonders beeindruckend sind die in sich ruhenden Porträts.
Er vermittelt uns die raue Lebenswirklichkeit dieser Männer, die noch heute in den Weiten des amerikanischen Kontinents auf ihren Pferden das Vieh über Hochebenen, Prärien oder durch Sumpflandschaften treiben.

Nach zahlreichen Bechern Mate mit Luis Alberto frage ich ihn: „Wer ist der Gaucho?“ Er schweigt lange, dann sagt er: „Der Gaucho ist das Land unter seinen Füßen.“ Ich verstehe ihn auf Anhieb: Ein Mann wird dem ähnlich, was er tut, und dem Ort, an dem er lebt.

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Edison, Francisco de Assis und Dominguez, Brejo Santo, Brasilien ©2016 Luis Fabini. Aus: Amerikas Cowboys. Von den Prärien Nordamerikas bis in das Hochland der Anden, Sieveking Verlag 2016

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Zé do Mestre, Serrita, Brasilien © 2016 Luis Fabini

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Cerro Largo, Uruguay © 2016 Luis Fabini

Amerikas Cowboys: Von den Prärien Nordamerikas bis in das Hochland der Anden
Text von Wade Davis / Fotos von Luis Fabini. Aus dem Englischen von Philip Laubach-Kiani
Sieveking Verlag, 2016
31,75 x 25,40 cm | 156 S. | 107 Abb. Hardcover mit Schutzumschlag, 49,90 €
ISBN 978-3-944874-51-7 (Deutsch)
Ein Bildband, den ich zum idealen Weihnachtsgeschenk erkläre, für alle, die es nach Südamerika zieht, die naturverbunden sind, und natürlich für jene, die schöne Bilder mit Aussage mögen.

Beitragsbild: Arturo Ibarra im Finale der National Charro Championship, Guadalajara, Mexiko © 2016 Luis Fabini

Als Fotograf/in bestehen in der Bilderflut

Folge 1: Gute Absichten x Schnappschussstil

Im Briefkasten eine Karte: Das Foto zeigt auf der rechten Bildhälfte einen zur Kamera schauenden Jungen, der zu nah am Objektiv steht, als dass er noch hätte scharf abgebildet sein können. Die breitere linke Hälfte des Bildes ist grüne Landschaft mit sich im Hintergrund wegbewegenden Personen.

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Ehrlich gesagt dachte ich spontan: Spendenaktion für Indio-Kinder? Doch es ist die Einladungskarte zu einer Fotoausstellung. Da hat ein junger Fotograf namens Jonas Wresch Leib und Leben riskiert, um in einem Dorf in Kolumbien zu fotografieren. Hat äußerst beeindruckende Fotos aufgenommen, dafür beim Lumix-Festival einen Preis bekommen – und wählt dann dieses Bild zum Signature Piece.

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Spezialisierungspotenzial und Profilierung

Das nachfolgende Interview mit mir erschien im Magazin Photonews 10/16.

photonews-titel-10-2016-300x402Anna Gripp/PHOTONEWS: Kenntnisse über Fotografie haben viele. Aber wie wird man zur Expertin für Beratungen in diesem Metier?

Martina Mettner: Ich pflege ja mein Leben lang eine Liebesbeziehung zur Fotografie und zu den Fotografen. Aber was macht mich zu einer Expertin? Ich würde sagen: Das Schreiben. Es zwingt zum Nachdenken und zum klaren Formulieren. Mich interessiert, wie die fotografische Praxis „funktioniert“, vor allem die künstlerische, dokumentarische, journalistische. Biografien, Bilder oder Absichten zu analysieren und präzise benennen zu können, was sie ausmacht, trainiere ich beim Schreiben von Artikeln und Büchern. Das kommt meinem Gegenüber in der Beratung zugute. Dank meiner Erfahrung komme ich ziemlich schnell auf den Punkt und kann, beispielsweise was freie Projekte oder auch die Eigenwerbung angeht, kreative und individuell passende Vorschläge machen. Ich sehe mich dabei auch eher als kompetenten Gesprächspartner oder Mentor, denn als Coach.

Coaching und Workshopangebote für Fotografen boomen. Wir haben mitunter Zweifel, ob dies nicht vor allem eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die Workshopleiter ist. Wie können Interessierte lohnende und seriöse Angebote erkennen?

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