Buchverlosung – Yesterday’s Future

5. Dezember 2011

Buchcover Yesterday's Future Wie kommt der Fön ins Museum? Der Medienkünstler J. Scriba ging dieser Frage nach und erforschte in einer Fotoexpedition die verborgenen Archive des Deutschen Museums in München. Er erlebte einen Ausflug in ein surreales Zwischenreich: Während Besuchermassen in den Ausstellungsräumen imposante Dampfmaschinen bewundern oder sich von künstlichem Blitz und Donner in Erstaunen setzen lassen, horten Archivare in den menschenleeren Kellern des Museums, was dereinst Zeuge unserer Zeit sein könnte. Vom Inventarisierungs-Etikett geadelt, reifen banale Gebrauchsgegenstände zu wertvollen Exponaten heran – in einem lautlosen Transformationsprozess gerinnt hier Gegenwart zu Geschichte. So entstanden – nicht selten rätselvolle – Stillleben von Gegenständen aus einer Zeitzone des Übergangs vom Jetzt zum Einst, einer bizarren Welt, die dem normalen Museumsbesucher verborgen bleibt.
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Colin Delfosse: Les Amazones du PKK

28. November 2011

Unter den prämierten Serien des “SFR Jeunes Talents Photo” auf der Paris Photo 2011, fiel mir diese besonders auf. Colin Delfosse, 30 Jahre alt, zeigt wie journalistische Fotografie im 21. Jahrhundert aussehen kann. Im Unterschied zum alten Modell “unbemerkter Beobachter” ist hier der Fotograf involviert und baut eine spannende Kommunikation zu seinem Motiv auf. Der junge, sehr große Belgier schafft es nicht nur, diese Kämpferinnen für die politische Anerkennung der Kurden und die Anerkennung der Frauen in wunderbaren dokumentarischen Porträts zu zeigen. Es gelingt ihm auch, in ihr Leben in der Illegalität zu blicken und geradezu poetische Momente des Alltags einzufangen. Was beispielsweise wie eine heitere Badeszene wirkt, entstand, als die jungen Frauen Deckung suchten, um nicht bombardiert zu werden. Am Ende des Tages (und der Bildreihe) sieht man die Kämpferinnen bei einem kurdischen Tanz.

Colin Delfosse ist ausgebildeter Journalist, der sich 2005 der Fotografie zuwandte und das Kollektiv “Out of Focus” mitbegründete, zu dem die ebenfalls herausragende Alice Smeets gehört. Er realisiert Reportagen in Asien und Afrika, gerade war er anlässlich der Präsidentschaftswahlen im Kongo. Die Serie über die PKK-Kämpferinnen im Irak entstand 2009. Seine jüngsten Projekte führten ihn nach Kasachstan und Usbekistan, um die sowjetischen Hinterlassenschaften in Zentralasien zu fotografieren.

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Fotomagie in Paris

15. November 2011

Paris Photo im Grand Palais

Lange Schlangen vor dem Eingang: Ob bei der Hauptmesse Paris Photo im Grand Palais oder vor der Diane Arbus-Retrospektive im Jeu de Paume. Wie Steffi Schulze von der Galerie Camera Work, Berlin, begeistert feststellte, sind die Besucher der Paris Photo nicht nur sehr interessiert, sondern vielfach auch sachkundig. Unter der hohen Kuppel des Grand Palais war der stetige Besucherstrom gut erträglich, im Jeu de Paume hingegen schoben sich die Menschen in einer Reihe langsam an den berühmten Bildern vorbei. Oder wie Gregor Beltzig, Mitarbeiter in der Galerie Camera Obscura, Paris, meinte: “Hier in Paris freut man sich, wenn man in der ersten Reihe vor einem Bild steht und nicht in der dritten.”
Ob das an dem generell kulturell aufgeschlosseneren Klima liegt oder daran, dass die Fotografie eine amtliche französische Erfindung ist? Definitiv lässt sich in Paris so richtig in die Welt der schönen und teuren Fotografien eintauchen.
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Braucht der Fotograf heute ein zweites Standbein?

7. November 2011

Bei mir häufen sich die Anfragen und Resümees von Fotografinnen und Fotografen, in denen von einem “zweiten Standbein” zu lesen ist. Lassen wir einmal die grundlegende Frage, ob man heute mit der Fotografie alleine nicht mehr ausreichend verdienen kann, außen vor. Ob und wie viel man verdienen kann, hängt von jedem Einzelnen ab und unterscheidet sich zudem erheblich nach dem fotografischen Tätigkeitsbereich. Man kann es daher nur im Einzelfall, aber nicht pauschal beantworten. Hier geht es vielmehr um die Wirkung eines solchen Statements.

Sehen Sie doch einmal nach, ob auch Sie auf Ihrer Webseite oder in einem anderen Text, in dem Sie Ihre Leistungen nennen, von einem “zweiten Standbein” neben der Fotografie sprechen! Und dann überlegen Sie einen Moment, was Sie damit dem potenziellen Kunden mitteilen. Sie signalisieren, dass Sie mit der Fotografie nicht ausreichend verdienen und sich deshalb auch anderweitig betätigen. Angenommen, Sie suchen einen Installateur, weil es bei Ihnen im Keller bedrohlich aus einer Rohrleitung tropft, und sie lesen dann bei einem, dieser baue sich gerade ein zweites Standbein als Feng Shui-Experte auf.  Würden Sie den engagieren? Oder ist nicht der erste Gedanke, dass er in seinem Job nicht so gut sein kann, denn sonst müsste er nicht … Eben!

Bei dem häufig gewählten Ausdruck mit dem Standbein klingt stets das Wackelige mit. Die sprachlich vermittelte Unsicherheit entspricht häufig der Selbstwahrnehmung: Man verdient in einem Bereich nicht so viel wie erhofft und diversifiziert, das heißt, sucht sich weitere Einkommensmöglichkeiten. Aber das Geschäft ist hart. In einem umkämpften Markt wie der Fotografie wird jemand, der sich als Loser outet, nicht engagiert.

Soll man also sein Betätigungsfeld nicht erweitern? Doch, das kann man durchaus. (Jedoch keinesfalls in Richtung: Ich biete alles an, da wird der Kunde schon etwas finden!) Wichtig ist, den Fokus nicht zu verlieren und  auch außerfotografische Tätigkeiten wie Schreiben oder Unterrichten als positive Erweiterung des Bisherigen zu betrachten. Da es ja immer Sie sind, sollte alles, was Sie machen, im Idealfall als Teil eines Ganzen erscheinen.  Je individueller Ihre Leistung dadurch wird, desto interessanter werden Sie für potenzielle Kunden. Präsentieren Sie das zweite Betätigungsfeld folglich nicht als Krücke, sondern als Facette Ihres Könnens.

Es schadet nämlich nur, die eigene Unsicherheit herauszustellen und beispielsweise zu schreiben: “Baue ich mir gerade ein zweites Standbein als Filmer auf”. Da das Filmen mit der DSLR relativ neu ist, wird niemand erwarten, dass ein Fotograf damit jahrelange Erfahrung hat. Sie können also ruhig sagen oder schreiben, dass Sie “auf der Höhe der medialen Möglichkeiten” sind. Noch konkreter bieten Sie zum Beispiel “klassische Werbefotografie sowie Steh- und Laufbild für Promotionzwecke” an. Machen Sie sich nicht durch eine unüberlegte Wortwahl kleiner als Sie sind. Vermeiden Sie  jedoch auch Übertreibungen. Der Erfolg kann sich nur einstellen, wenn Sie nach außen signalisieren, dass die potenziellen Kunden Vertrauen in Sie und Ihre Fähigkeiten haben können.

Rendez-vous au Grand Palais

31. Oktober 2011

Wenn es immer wieder heißt, Paris Photo sei die “wichtigste Fotomesse der Welt”, wird es den Ausrichtern der photokina in Köln wohl ein wenig gruseln: Nur Fotos, keine Geräte! Und das jetzt zum 15. Geburtstag noch größer und womöglich schöner als in den Jahren zuvor. Zum ersten Mal findet die Messe im Grand Palais in Paris statt, geöffnet für normale Menschen von 12 bis 20 Uhr, nur die Sammler dürfen schon ab 10 Uhr rein, um ungestört zu kaufen. Der neue Leiter der Messe Julien Frydmann kommt von Magnum und hat die Verkaufsveranstaltung von Chantal Pontbriand mit einem Rahmenprogramm versehen lassen, das die “technischen, gesellschaftlichen und körperlichen Dimensionen der Fotografie ausleuchten” soll (zit. n. Photonews 11/11, S. 4). Keine Überraschung ist, dass es unter dem Titel “Mutationen” dazu von Steidl ein Buch gibt. Sonderthema ist dieses Jahr die Fotografie in Afrika unterhalb der Sahara.

Auf das Sammeln von Fotografien gehen separate Ausstellungen innerhalb der Messe ein. Zum ersten Mal werden Institutionen eine Auswahl ihrer Ankäufe zeigen. Das International Center of Photography (ICP) präsentiert “The Rise of the Picture Press: Photography in Print, 1919–1939”; die Tate Modern, London, zeigt eine Serie von 30 Fotografien von Daido Moriyama, die 2010 von erst kürzlich entdeckten Negativen geprintet wurden. Das Musée de l’Elysée, Lausanne, schickt die jüngsten Zukäufe nach Paris, Bilder von Charlie Chaplin und Polaroids.

Ja, Paris Photo gönnt sich zahlreiche Aktivitäten im Jubiläumsjahr. Da muss man hin. Da brennt die Torte.

Carone Walter, Colette, 1953 silver gelatine print C. Carone. Courtesy of Galerija Fotografija Exposant/ exhibitor: Galerija Fotografija

Leica Camera und die Aperture Foundation sind die Sponsoren des ersten Fotobuchpreises, der in Paris vergeben wird. Anlässlich des Jubiläums wird das Fotobuch ausgezeichnet, das in den letzten 15 Jahren den größten Eindruck hinterlassen hat. Vier Experten wählen je 15 Bücher aus, die ausgestellt werden und aus denen dann das Siegerbuch gekürt wird. Paris Photo ist in den letzten Jahren zunehmend zur Präsentationsplatform für Fotomagazine und Fotobuch-Verlage geworden. Am Messe-Freitag und am Samstag sind zahlreiche Buchsignierstunden angekündigt.

48 Galerien nehmen in diesem Jahr zum ersten Mal teil, 69 waren schon am vorherigen Veranstaltungsort, dem Caroussel du Louvre, mit dabei. Zu den “Neuen” aus Deutschland gehören Camera Work, Feldbuschwiesner, Nordenhake, Springer & Winckler aus Berlin sowie Thomas Zander aus Köln.

Paris Photo findet statt vom 10. bis 13. November 2011 im Grand Palais (Eingang Avenue Winston-Churchill)

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