Alec Soth

Der Raum zwischen uns

So heißt die Ausstellung im Fotomuseum Winterthur, die dort noch bis 8. Februar 2009 zu sehen ist.

Alec Soths Fotografien führen die Tradition von Walker Evans, Robert Frank und Stephen Shore weiter. Es sind die amerikanischen Ideale der Unabhängigkeit, Freiheit, Spiritualität und Individualität, die in seiner Darstellung des Alltäglichen ihren Ausdruck finden. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl aus seinen beiden bekanntesten Serien Sleeping by the Mississippi (1999-2002) und Niagara (2004-2005), vervollständigt durch Fotografien aus der Serie Dog Days, Bogotá (2002-2003) und der noch in Arbeit befindlichen Serie Portraits.

Die 2004 entstandene Serie Sleeping by the Mississippi ist das Ergebnis mehrerer Reisen entlang des Mississippi-Ufers, das Alec Soth „die dritte Küste der Staaten“ nennt. Diese großformatigen Farbfotografien sind die eklektischen Bilder einer Initiationsreise, illustriert durch Landschaften, Interieurs, Porträts, persönliche Souvenirs, die ein Gefühl der Einsamkeit, des Wartens und des Träumens vermitteln.
Nach dem ersten, dem Mississippi gewidmeten und von der Kritik begeistert aufgenommenen Zyklus beschäftigt sich Alec Soth mit einem weiteren nationalen Monument, den Niagara-Fällen. Wie in Sleeping by the Mississippi zeigen auch die Niagara-Bilder weniger die Wunder der Natur, als die Sehnsüchte der Menschen. Nach zwei Jahren Arbeit entlang der Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada ist ein vielschichtiges Ensemble entstanden, in das sich die Fälle, die verliebten Paare, die Parkplätze der Motels einfügen. Diese zwischen Leidenschaft und Enttäuschung angesiedelten Bilder fügen sich zu einem bemerkenswerten Porträt moderner Liebe und ihrer Komplikationen zusammen.

Dog Days, Bogotá

Diese Serie von Fotografien wurde während der zwei Monate aufgenommen, die Alec Soth mit seiner Frau in Bogotá verbrachte, um ein kleines Mädchen namens Carmen zu adoptieren. Carmens natürliche Mutter hatte für ihre Tochter ein Buch aus Briefen, Fotos und Gedichten zusammengestellt, in das sie geschrieben hatte: „Ich hoffe, die Brutalität der Welt wird deine Gefühle nicht verletzen. Ich denke an dich und wünsche mir, dass dein Leben voller schöner Dinge ist.“ Nachdem er das gelesen hatte, konzipierte Alec Soth ein Buch für Carmen. Trotz aller Gewalt enthüllt er die verborgene Schönheit ihrer Heimatstadt und macht die Schönheit einer Welt sichtbar, die aus einer baufälligen Architektur, aus der Gesellschaft von Tieren und Mitmenschlichkeit besteht.

Die letzte Serie „Porträts“ setzt sich aus großformatigen Farbfotografien zusammen, die Alec Soth im Laufe seiner Karriere aufgenommen hat. Sie versammelt die Porträts von Unbekannten, die er auf seinen Reisen aufgelesen hatte, sowie Künstlerporträts, die in den Staaten oder während seiner jüngsten Aufenthalte in Island, Deutschland, Kanada, Brasilien, China oder Großbritannien entstanden. (…) Statt Familie, Freunde oder einfach nur vertraute Dinge zu fotografieren, bevorzugt Alec Soth Porträts von Menschen, die ihm fremd sind, und die Vielschichtigkeit menschlicher Beziehungen. Dank seiner außergewöhnlichen psychologischen Einfühlungsgabe evozieren seine Fotografien detaillierte innere Landschaften. (…)“ (Cynde Randall)

Alec Soth, 1969 geboren, lebt in Minneapolis (Minnesota, USA). Er arbeitet mit einer 8×10 Inch Fachkamera aus den späten Achtzigerjahren. 2004 von Magnum nominiert, ist Soth seit 2006 Mitglied der Agentur. Zwei, bei Steidl erschienene vergriffene Bände, Niagara (2006 erschienen) und Sleeping by the Mississippi (2004 erschienen), wurden anlässlich der Ausstellung neu aufgelegt. Der dritte (eben­falls bei Steidl) im November 2007 erschienene Band Alec Soth: Dog Days, Bogotá, ist noch im Handel erhältlich.

Abbildungen im Text:

Alec Soth, Melissa, 2005
Aus der Serie “Niagara”, 2004-2005
C-Print, 148 x 122 cm
© Alec Soth / Magnum Photos

Alec Soth, Untitled 02, Bogotá, 2003
Aus der Serie “Dog Days, Bogotá”, 2002-2003
Pigmented Ink Print, 51 x 51 cm
© Alec Soth / Magnum Photos