Andreas Reeg

Wie wichtig ein eigenes, freies Projekt für jeden Fotografen ist, erkläre ich jedem, der zu mir zur Beratung kommt. Und manchmal, gegen Ende des Jahres, erscheint mir das schon fast als vermessene Anforderung: im Alltagsgeschäft noch Zeit zu finden, sich einer Arbeit mit Herzblut zu widmen; sich wieder bewusst zu machen, warum man einst die Fotografie gewählt hat, und nicht Webdesigner geworden ist; sich fotografisch wieder ein Stück weiter zu entwickeln, und dabei noch etwas Sinnvolles zu leisten – ohne gleich ans Honorar zu denken. Da ist es eine schöne Fügung, auf die Arbeiten von Andreas Reeg zu stoßen, der das alles tut, was ich meine, dass es ein Fotograf tun sollte. Und da er es von ganz alleine macht, und aus tiefer Überzeugung, ist er das beste Beispiel, dass es funktioniert!

Andreas Reeg bekommt Aufträge und große Bildstrecken in GEO, Stern, Der Spiegel, Die Zeit, DU, Neon, Chrismon. Zudem fotografiert er für das Handelsblatt und die Financial Times sowie weitere Zeitungen. Bei Reegs in Otzberg im Odenwald sitzen sie zu viert am Tisch und werden satt, ohne dass sich Andreas Reeg verbiegen muss. Er hat ein besonderes Einfühlungsvermögen für soziale Themen, und setzt sie ästhetisch sehr gelungen um. Für seine Diplomarbeit fotografierte der 1971 Geborene Menschen mit dem Down-Syndrom. Für ihn überhaupt kein heikles Thema: „Durch die Tätigkeit meiner Mutter in einer Behindertenwerkstatt war ich den selbstverständlichen Umgang mit Menschen mit Behinderungen gewohnt.“ Das Buch erschien 2003 im Kehrer Verlag und erhielt internationale Auszeichnungen. Die Arbeit brachte ihm auch die ersten Aufträge von den renommierten Magazinen ein, in denen die meisten deutschen Fotografen gerne veröffentlichen möchten – Geo und Stern.

Parallel zu seinen Auftragsarbeiten reiste er in der Folgezeit immer wieder in die Schweiz, um im Dienstbotenheim Oeschberg bei Bern zu fotografieren. Das ist ein Landwirtschaftsbetrieb mit Vieh, Feldern und Wald und zugleich das einzige Altersheim für Knechte und Mägde in der Schweiz. Hier können sie selbstbestimmt arbeiten und das Alter in einer Gemeinschaft verbringen. Andreas Reegs Buch „Knechte und Mägde“ erschien 2006 im Benteli Verlag und wurde vielfach besprochen und präsentiert.

Sein drittes, noch viel anspruchsvolleres freies Projekt heißt „Verletzte Seelen“ und zeigt Kinder und Erwachsene, die als Kind sexuell missbraucht wurden. Auch dieses Projekt wurde als große Bildstrecke erst kürzlich im Stern publiziert. Andreas Reeg ist es wichtig, „Öffentlichkeit herzustellen, für die Themen, die mir am Herzen liegen“. Und das gelingt ihm ganz wunderbar und überzeugend.

Und auch wenn es jetzt so klingt, als hätte ich mir einen Fotografen zu Weihnachten gebacken: Er hat überdies eine sehr schöne, nahezu mustergültige Webseite. Unbedingt angucken: www.andreasreeg.de