Arne Mayntz

Vor genau drei Jahren, im November 2005, kam Arne Mayntz, damals noch Fotostudent, „mal schnell“ aus Den Haag nach Frankfurt am Main zu einem Beratungsgespräch. Ich war von seinen Arbeiten begeistert. Jetzt ist es so weit, im Sommer bekam er sein Diplom, nun muss er sich in der freien Wildbahn der Auftragsfotografie bewähren. Ich habe Arne Mayntz einige Fragen zum Studium und zum Berufsbeginn gestellt.

Motiv aus „Getting there“

Warum bist du zum Studium in die Niederlande gegangen?
In den Niederlanden ist das Studium sehr praktisch ausgerichtet, es gibt eine gute technische Ausstattung an den Akademien und das Studium ist auf vier Jahre angelegt.

Empfandest du das Studium in einer Fremdsprache als sehr schwierig?
Die niederländische Sprache ist der deutschen sehr ähnlich, trotzdem war es manchmal schwer, die richtigen Worte zu finden, besonders am Anfang und bei Texten, z. B. in Kunstgeschichte.

Welche Vorteile hat es deiner Erfahrung nach, in Holland, oder generell im Ausland, zu studieren?

Ich denke, wenn sich jemand bewusst ein Studium im Ausland sucht, ist man geneigt, genauer zu vergleichen, was das Studium bietet. Letztlich muss aber jeder schauen, was am besten zu ihm passt. Nach dem Diplom in diesem Sommer bist du sofort nach Hamburg gezogen. Warum waren die Niederlande keine Option?
Meine Freundin hat einen Arbeitsvertrag in Hamburg unterzeichnet, und ich kann eigentlich überall in Europa arbeiten. Aber ich merke auch, dass ich in Deutschland Heimvorteile habe. Zum Beispiel weiß ich, was ein Trabbi ist, das weiß man als Niederländer meist nicht, und so ist es auch andersherum, es sind die kleinen kulturellen Unterschiede, in denen man Zuhause ist oder eben auch nicht.

Wintersport

Du hast eine sehr aufwändige Diplomarbeit mit dem Titel „Getting There“ über die Teilnehmer der Paralympics fotografiert, wozu du im Vorfeld der Olympiade in einige Teilnehmerländer gereist bist. Die Arbeit ist wunderbar gelungen. Hast du den Eindruck, der Aufwand mache sich für dich jetzt kommerziell bemerkbar in Form von Aufmerksamkeit und Aufträgen?
Ja! Während der Diplomausstellung in Den Haag und Amsterdam hatte ich schon viele positive Reaktionen, aber erst durch einige Veröffentlichungen danach kam es zu Aufträgen und einer vertraglichen Bindung mit der DPA, über die ich jetzt meine Bilder in der Zweitverwertung vertreibe.

Dein Studienabschluss liegt erst wenige Monate zurück. Was hat sich seitdem getan? Oder anders gefragt: Was hast du seitdem unternommen?
Ich habe einige Aufträge für DIE ZEIT und andere Unternehmen fotografiert. Es ging viel schneller als erwartet. In den kommenden Wochen werde ich mich um mein Portfolio und die Aktualisierung meines Internetauftritts kümmern, um mich weiter in den Redaktionen vorzustellen. Zudem betreue ich unsere 1 ½ jährige Tochter nachmittags und muss mir meine Zeit sehr gut einteilen.

Dein erstes Mal: Was für ein Auftrag war es und wie lief er ab?
Der erste Auftrag kam im zweiten Studienjahr und ich habe ihn mit meiner Freundin zusammen erhalten. Wir haben für die Telefonseelsorge in Deutschland eine Serie fotografiert, die dann als Ausstellung gezeigt worden ist. Es lief nicht reibungslos, da wir deutlich mehr Zeit brauchten und wenig Erfahrungen hatten. Die Präsentation gegenüber den Auftraggebern war schlecht und wir konnten noch nicht gut mit den Blitzgeräten umgehen, die wir dafür gekauft hatten, und die ich ansonsten noch immer verwende.

Was möchtest du in drei Jahren beruflich erreicht haben?
Ich möchte in drei Jahren einen festen Kundenstamm aufgebaut haben und meine freien Projekte abdecken können. Im Moment konzentriere ich mich erst einmal auf eine gute Umsetzung der vorhandenen Aufträge.

Ein Portfolio aus „Getting There“ erschien in ProfiFoto 9/08. Das 40seitige Buch „Getting There“ (mit einem Einführungstext von mir) ist bei Arne Mayntz direkt für 25 Euro inklusive Porto zu bestellen: Mayntz.net