Auf ein fotogenes neues Jahr!

Wann haben Sie zuletzt an der Bildauswahl gearbeitet? Man vermeidet das gerne, dabei ist es der notwendige Weg, sich zu verbessern. Die neue Kamera weiß auch nicht von alleine, was sie aufnehmen soll. Bestenfalls weiß sie wie und macht ihren Job mit einem besseren Prozessor und/oder größeren Sensor als das Vorgängermodell. Darauf zu hoffen, dass die Fotos überzeugender würden, wäre wie der alte Spruch, man solle das Denken den Pferden überlassen, weil die größere Köpfe hätten.

Um mit gutem Beispiel voran zu gehen widme ich mich derzeit der Auswahl und Zusammenstellung meiner Fotos, die seit 2008 in Japan entstanden. Darauf habe ich mich gefreut und bis 14. Januar 2013 keine Termine angenommen. Aber ach, es gibt Leichteres. Es ist ein anstrengender innerer Kampf gerade bei Fotos, die dem Bereich Reise oder journalistische Darstellung zuzurechnen sind, sich von den traditionellen Mustern bei der Bildauswahl zumindest weitgehend frei zu machen. Also keine Chronologie und keine Zusammenstellung nach Orten, sondern eine Auswahl nach dem, worum es mir wesentlich ging: Die nicht vorhandene (westliche) Trennung zwischen Natur und Kultur. Aber selbst, wenn es mir gelingen würde, das zu visualisieren: Ist dieses Phänomen vielleicht so fremd, dass es für einen westlichen Betrachter ganz und gar unverständlich und für einen östlichen ganz und gar banal erscheint? Und sollte ich mir nicht überhaupt mal eine andere/bessere Kamera zulegen? (Das nennt man Problemverschiebung.)

Ich bin immer noch nicht ganz sicher, ob meine Fotos in ein Buch sollen. Der Wechsel zwischen Hoch- und Querformaten ist aus meiner Sicht die Pest und ich trauere den Zeiten nach, als ich noch analog im quadratischen Mittelformat aufnahm und dieses Problem nicht hatte. Und leider lassen sich nicht alle Hochformate zu Quadraten umstylen, denn ich tendiere gelegentlich dazu, diagonal in die Ecken zu „komponieren“. Wenn Sie auch in einer ähnlichen Situation sind und wirklich etwas Ernüchterndes sehen wollen, dann geben Sie bei Blurb ein Stichwort wie „Japan“ ein – oder „Iceland“ oder „Hawaii“ oder wo immer Sie waren. Ich finde das lehrreich, in dem Sinne, dass es einen ermutigen kann, nicht ein weiteres Buch mit Fotos von Sehenswürdigkeiten in der Reihenfolge der Besichtigung oder Eisbergen en gros & en détail zusammenzustellen – Modell: Trophäensammlung – sondern einen Schritt weiter zu gehen und sich zu quälen: Müssen wirklich alle gelungenen Fotos ins Buch? Hat das Buch einen Rhythmus, ergibt es Sinn, braucht es Text? Was mir positiv auffiel: Viele Fotobücher bei Blurb haben schöne Cover.

Definitiv bin ich entschlossen, mich in diesem Jahr mehr dem Fotografieren zu widmen (und nicht nur, wie im letzten, über Fotografen zu schreiben). Ein wichtiger erster Schritt dazu ist nicht die neue Kamera, nicht zwingend die zündende Idee (obwohl sehr hilfreich), sondern sich aufzuraffen und anzufangen – beispielsweise mit der Aufarbeitung dessen, was schon da ist. Wenn alles gut geht, wird sich daraus das nächste Fotothema quasi automatisch ergeben.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein immer gut belichtetes 2013!