Bildbearbeitung in Paris

Immer wieder ein Thema, vornehmlich für alle, die nicht kommerziell fotografieren: Wie halte ich es mit der Bildbearbeitung? Mit geht es mit Photoshop jedenfalls wie früher mit der Dunkelkammer. Habe ich länger nichts entwickelt, muss ich mich erst mühsam wieder an die Routinen gewöhnen. Für nur mal ein paar Fotos nebenher lohnt kaum der Aufwand. Nun gibt es endlich eine professionelle Bildbearbeitung zu erschwinglichen Preisen. Dass sie bei einer Firma in Paris stattfindet, spielt zwar eigentlich keine Rolle, ist aber eine schöne Vorstellung. Pimpyou heißt die Webseite des Start-ups, in dem momentan etwa zehn Fotografinnen und Fotografen arbeiten, die auf der Website auch namentlich und mit Ausbildungsweg aufgeführt sind.
Metropolitan Photographer – so heißt die Agentur – bietet drei unterschiedliche „Pimps“ an: Basic, Classic und Premium für 5 Euro, 12 und 19 Euro, getreu dem alten Marketingmotto, biete drei Varianten an, dann entscheiden sich alle für die mittlere Preiskategorie. Selbige durfte ich kostenlos testen.
Hingeschickt habe ich dieses Foto mit dem Hinweis, ich hätte gerne die Kante rechts weg:
mm_adachi_vorher

Einige Tage später konnte ich mir das bearbeitete Motiv downloaden:
mm_adachi_bearbeitet

Das mit dem Rand haben sie auf jeden Fall gut gemacht und schön bunt ist es auch. Von alleine käme ich nie auf die Idee, die Farben so aufzusteilen. Das ist aber Geschmackssache und knackiger wirkt das Motiv auf jeden Fall. Es ist ja nur ein Schnappschuss und kein arrangiertes Motiv, da hat die Nachbearbeitung wirklich genützt.

mm_adachi_ohneglas

Um es auch hinsichtlich der Auflösung vergleichen zu können, habe ich es auf Barytpapier gedruckt und gerahmt. Da die Reflexe des Glases arg störten, entfernte ich das Glas aus dem Rahmen. Das ist eine echte Sparbrötchen-Alternative zur Verwendung eines teuren reflexarmen Museumglases und hat den Vorteil, die schöne Oberfläche des Fineartprints zu zeigen. Mit Arbeiten von anderen Fotografen würde ich das nicht wagen, aber ein eigenes Motiv kann ich mir wieder ausdrucken, wenn zu viele Fliegen Pünktchen hinterlassen haben. Und falls das Bild tatsächlich weiterhin an der Wand bleibt, bekommt es bei nächster Gelegenheit ein individuelles Passepartout, bei dem der Bildausschnitt etwas breiter ist.

Aus meiner Sicht ist Metropolitan-Photographer-Gründer Carsten Wilde mit seiner „professionellen Bildbearbeitung für jedermann“ in eine echte Marktlücke gestoßen. Clever ist auch die Idee mit den Pimp-Punkten als Motivation, den Dienst seinen Freunden zu empfehlen.

7 Kommentare

  1. Henrik

    Die Farben gehen ja gar nicht. Verstrahltes Plastik.

  2. Schön, dass ich nicht der einzige bin, der sich an diesen Reflexionen im Glas stört!!

  3. EitschPii

    Genau, richtige Kitsch-Farben, die Natur kommt nicht mehr zur Geltung. Weniger wäre viel mehr. Und dann die Doppelstempelei am rechten Rand, Photoshop-Anfänger erste Stunde, besonders deutlich sichtbar rechts neben dem Haar der Person, (zweimal dunkelgüne Dreiecke) und etwas weiter oben, bei orangebraunen und gelben Blättern.

  4. Frauke

    Also ich finde die Farben wirklich super, gerade dadurch wird das Bild ja zu einem richtigen „Hingucker“! Beim stempeln kann man sich mehr Zeit lassen, wobei ich sagen muss das diese kleinen Details nur durch den Vorher/Nachher-Vergleich sichtbar werden. Bei diesen Preisen ist die Bearbeitung ja aber nun wirklich ein absolutes Schnappchen und ich kann mir gut vorstellen das es eine Menge Leute gibt, die den Service gerne nutzen. Tolle Idee!

  5. Die Qualität der Bildbearbeitung ist wirklich unterirdisch, dafür würde ich 10 Minuten Zeitdauer veranschlagen. Käme man beim mittleren Preis von 12 Euro auf einen Stundensatz von 72 Euro, nicht schlecht für jemanden, dem man eigentlich die Lizenz entziehen müsste.

  6. Tja, in Holland haben wir eine Redewendung wen wir meinen Etwas ist schnell und schlampig gemacht:

    – Met de Franse slag

    Was soviel bedeutet wie: Auf Fransösische Art. Zwar Romantisch und Kitschich (gibt es dort einen unterschied) aber ich glaube nicht das Gurksy sein nächstes werk dort in auftrag gibt (frei unter dem motto „Könten sie die oberhelfte dieses Galibier foto ohne radfahrer zusammenschweisen mit mein Izoard foto mit radrenfahrer bitte, eh s’il vous plait meine ich“).

    Grüsse, Ed Kuipers

    http://blogger.xs4all.nl/stomoxys/archive/2011/01/24/640263.aspx

    Ach man mus ja auch einen regnerischen Januartag etwas zu fröbeln haben, nicht?

  7. Lisa Lo

    Ich finds überirdisch, sieht toll aus, gerade die Farben gefallen mir. Ich frag mich wirklich was hier so rumgemault wird! Ok beim Stempeln hätte man das wiederkehrende Muster besser entfernen können, der Rest ist aber super gemacht!
    Ich habe mir auch mal andere Beispiele auf der Seite von PimpYou angeschaut, da gibts absolut nicht auszusetzen…
    im Gegenteil bin eher positiv schockiert wie professionell die Bildbearbeitung ist :-)

    @alle die ein Problem mit der Farbe haben: kalibriert doch mal eure Monitore!

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