Christoph Rohrbach: Das Zementrevier Beckum-Ennigerloh

Einst galt die Region Beckum-Ennigerloh als das größte zusammenhängende Zementrevier der Welt: Im Umkreis von zwölf Kilometern standen 32 Zementwerke. Kohle kam aus dem Ruhrgebiet, Kapital aus dem Rheinland und Kalkstein aus der Erde. Heutzutage wird nur noch in vier Werken Zement produziert. Die Namen der aufgegebenen Standorte geraten in Vergessenheit. Die Relikte der alten Werke werden langsam zu dem, was der Historiker Rolf Peter Stieferle als die „antike Stätten von morgen“ bezeichnet – die Erinnerung und das Andenken an das einstige Revier schwinden.

Christoph Rohrbach hat ein Jahr lang recherchiert, Zeitzeugen interviewt und Luftbilder ausgewertet, um alle 32 Standorte von damals wiederzuentdecken und zu fotografieren. Geboren wurde er 1974 in Beckum, studierte in Münster Marketing und Kommunikation und ist seit 20 Jahren als Autodidakt in der Fotografie aktiv. Er liefert ein weiteres Beispiel zu jenen 16 in meinem Buch „Fotopraxis mit Perspektive“ (FPMP) vorgestellten Projekten, dafür, dass die Konzentration auf und die Auseinandersetzung mit einem Thema zum Erfolg führen, und zwar ganz gleich, ob man auch beruflich fotografiert oder sich der Serie ausschließlich in seiner Freizeit widmet.

FPMP-Lesern sei die Betrachtung der Arbeit von Christoph Rohrbach als hervorragendes und inspirierendes Beispiel einer regionalen Alternative zum globalen, industriefinanzierten Zementwerkeprojekt „Industrious“ von hiepler, brunier empfohlen. Man sieht: Mit einem gut recherchierten Fotoprojekt über einen Gegenstandsbereich, der von allgemeinem Interesse ist, lassen sich Sponsoren finden, um Buch und Ausstellung zu realisieren. Christoph Rohrbach fotografierte ausschließlich schwarzweiß, er orientierte sich visuell an den amerikanischen „New Topographics“, bei denen es ja ebenfalls um die regionale Verbundenheit geht.

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Silhouette Zementrevier Beckum, 2013

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Silos des stillgelegten Werkes „Anna“, Neubeckum 2014

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Ansicht des heutigen Werkes „Phoenix“, Beckum 2013

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Ölverteilungsanlage im Werk Phönix, Beckum 2013

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Förderbänder im Werk „Ennigerloh Nord“, Ennigerloh 2014

Christoph Rohrbach schrieb mir:

Die Geschichte, die ich mit den Mitteln der Fotografie erzähle, ist eine Nische, die bislang kaum jemand gewürdigt hat. Aufgrund dieser Einzigartigkeit hat das Stadtmuseum Beckum mit Hilfe von Sponsoren ermöglicht, 74 Fotografien bei der Firma LUP AG in Köln im schönen Format 75 x 50 cm auf Barytpapier drucken zu lassen und für sieben Wochen (bis zum 16. November 2014) auszustellen. Begleitend zu der Ausstellung erscheint ein Katalog (ISBN 978-3-86206-412-0), der im Druckverlag Kettler herausgegeben wird. Ich berichte Ihnen von meinem Projekt, um die Richtigkeit Ihrer Empfehlungen zu bestätigen und Ihnen damit für Ihre Ratschläge zu danken.

Der wunderbar gedruckte, 128seitige Katalog (Artikelbild) ist im Verlag Kettler erschienen und kostet nur 22 Euro zzgl. Versand. Die Ausstellung im Stadtmuseum Beckum läuft noch bis zum 16.11.2014. Diese beiden Optionen der Bildbetrachtung seien besonders empfohlen, da aus blogtechnischen Gründen die Schärfe der obigen Abbildungen leider zu Wünschen übrig lässt.