Das Selbstbild des (alternden) Fotografen

Saul Leiter: Taxi, ca. 1957 © Saul Leiter Courtesy: Saul Leiter, Howard Greenberg Gallery, New York

In den Hamburger Deichtorhallen wird ab 3. Februar 2012 die erste Retrospektive des Künstlers Saul Leiter zu sehen sein. Der heute 88jährige Maler und Fotograf ist dafür bekannt, schon ab den Vierzigerjahren ausdrucksstarke Farbfotografien realisiert zu haben. Sein Stil ist charakteristisch und dank Retro-Charme gleich doppelt fazinierend. Im Magazin AD Architectural Digest 2/2012 erschien ein schöner Artikel, für den AD-Chefredakteur Oliver Jahn den Künstler in New York besuchte. Während Saul Leiter sich nie groß um museale Anerkennung bemühte, sieht er die Aktivitäten seines Kollegen Lee Friedlander mit Humor: „Wenn Lee Friedlander vor der Frage steht, ein Bad zu nehmen oder ein Buch zu machen, entscheidet er sich für das Buch.“ Buchcover Lee Friedlander
Das aktuelle Buch von Lee Friedlander (geboren 1934, lebt ebenfalls in New York) heißt “Lee Friedlander In the Picture Self-Portraits 1958-2011″ und ist bei Yale University Press Ende des letzten Jahres erschienen. Es enthält 400 x Lee Friedlander, von den Schatten, die er ins Bild wirft bis zu späten Selbstporträts mit seiner Familie. Da ich das Buch nicht vorliegen habe, verweise ich auf diese schöne Besprechung mit Fotos (englisch).
Friedlanders Radikalität, sich selbst zum Bildgegenstand zu machen, ist bei Malern gängig, bei Fotografen die Ausnahme. Die meisten haben schon Probleme, ein passendes Foto von sich für die Vita auf der eigenen Website zu finden. Nicht so Bill Owens, einer von den hierzulande eher weniger bekannten amerikanischen Fotografen, Jahrgang 1938. Wie Leiter scheint Owens ziemlich viel Humor zu haben und sich selbst nicht so ernst zu nehmen. Jedenfalls ist bei ihm das, was sich bei Friedlander zum Buchprojekt auswächst, lediglich Stoff für eine originelle und witzige Vita. Sehen Sie selbst.

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