Deutsche Börse Photography Prize 2012/2013

Während bei C|O Berlin noch die Nominierten des Deutsche Börse Photography Prize 2012 – Pieter Hugo, Rinko Kawauchi, Christopher Williams und Gewinner John Stezaker – bis 13. Januar 2013 in der alten Turnhalle im Postfuhramt hängen, wurden bereits die Nominierten für 2013 veröffentlicht. Der mit 30.000 GBP dotierte Preis wird jedes Jahr an einen zeitgenössischen Fotokünstler beliebiger Nationalität vergeben, der im Vorjahr einen bedeutenden Beitrag zur Fotografie in Europa geleistet hat (in Form einer Ausstellung oder Publikation).

Ausstellung Deutsche Börse Photography Prize 2012 in der Turnhalle von C|O Berlin. Fotos von Pieter Hugo. (Foto: mm)

Die vier Finalisten für den Deutsche Börse Photography Prize 2013 sind: Adam Broomberg & Oliver Chanarin, Mishka Henner, Chris Killip und Cristina De Middel.

Die Arbeiten der vier nominierten Künstler werden in einer Ausstellung in der Photographer’s Gallery im Frühjahr 2013 gezeigt. Im Anschluss sind sie in The Cube, Konzernzentrale der Gruppe Deutsche Börse in Frankfurt/Eschborn und anschließend bei C|O Berlin zu sehen.

„Mishka Henner (geb. 1976, Großbritannien) wurde für seine Ausstellung „No Man’s Land“ im Rahmen des Fotografia Festival Internazionale di Roma Museum of Contemporary Art in Rom nominiert. In seiner Ausstellung erkundet Henner mit Bildern, die durch Google Street View erzeugt wurden, die Grenzen städtischer und ländlicher Milieus in Europa. Die von Männern in Online-Foren mitgeteilten geografischen Aufenthaltsorte von Prostituierten werden von Henner durch den mechanischen Blick der auf Autos montierten Kameras dokumentiert. Seine Arbeiten werfen komplexe Fragen bezüglich der verschwommenen Grenzen zwischen Voyeurismus, Informationsbeschaffung über das Internet und dem Recht auf Privatsphäre auf.“ Offen gesagt finde ich die Fragen etwas banal und dass man inzwischen genug Google Street View-Arbeiten gesehen hat. Wer sich ein Bild vom Buch machen möchte, kann das hier tun.

„Adam Broomberg (geb. 1970, Südafrika) & Oliver Chanarin (geb. 1971, Großbritannien) wurden für ihre Publikation War Primer 2 (2012, MACK) nominiert. Das limitierte Editionsbuch reproduziert Seiten von Bertolt Brechts Kriegsfibel (1955). In dessen ursprünglicher Version stellte dieser Zeitungsausschnitte aus dem zweiten Weltkrieg kurzen Gedichten gegenüber, welche Pressebilder entmystifizieren sollten, die er als „Hieroglyphen“ bezeichnete.“ Wer sich für das Projekt interessiert, kann hier War Primer 2 aufs iPad downloaden.

„Cristina De Middel (geb. 1975, Spanien) wurde für ihre Publikation The Afronauts (2011, Eigenverlag) nominiert. Im Jahr 1964, nach der Erlangung seiner Unabhängigkeit, startete Zambia ein Weltraumprogramm unter der Leitung von Edward Makuka Nkoloso, dem einzigen Mitglied der weithin unbekannten National Academy of Science, Space Research and Philosophy. Das Programm, dessen Ziel es war, die ersten afrikanischen Astronauten auf eine Marsmission zu entsenden, wurde kurze Zeit später aufgelöst und war damit nichts weiter als eine amüsante Anekdote zur Geschichte des Landes. In The Afronauts erschafft De Middel eine subjektive Version der Geschichte, ihre Mythen und Wahrheiten einbeziehend. Das Buch besteht aus einer Serie konstruierter Farbfotos, die zusammen mit Zeichnungen und Briefreproduktionen das erfundene, fantasievolle Portrait eines nationalen Traums darstellen.“ Die Arbeit ist wirklich in Ordnung und sehenswert, aber durchaus auf dem Niveau, das heute die besseren studentischen Abschlussarbeiten aufweisen. Wie es zur Nominierung für den am höchsten dotierten Fotopreis kam? Man weiß es nicht.

Klar ist, dass man ihn Chris Killip gönnen würde, der zu den Klassikern der britischen Fotografie zählt und da er dreißig Jahre älter ist als die anderen Nominierten, vielleicht keine zweite Chance auf solch einen Geldsegen hat.