Die Würde der Inderin. Die Verantwortung des Fotografen

Gestern ging eine Meldung durchs Netz über einen indischen Fotografen, der Modefotos veröffentlicht hatte. Eine schick gekleidete Frau wird von zwei Männern angegrapscht und in Posen einer Vergewaltigung abgelichtet. Der Fotograf findet das nicht weiter schlimm, denn in Indien gelten Frauen als mindere Menschengruppe. Es gilt als Unglück, wenn Mädchen geboren werden. Frauen werden von ihren Ehemännern verbrannt und verstümmelt. In der Öffentlichkeit sind sie wie Freiwild, den Übergriffen von Männern preisgegeben. Aber Kühe sind heilig!

moksha_ladli

Ein Fotograf, der – im Unterschied zum „Modefotografen“ – verantwortlich mit dem Thema umgeht, ist Fazal Sheikh, der vor einigen Jahren zwei aufwendig gedruckte Bildbände bei Steidl herausbrachte, die nun hier zu einem stark reduzierten Preis angeboten werden. „Ladli“ handelt von den verstoßenen Mädchen, „Moksha“ von Witwen, die sich in die heilige Stadt Vrindavan in Nordindien flüchteten. Einige berichten von ihrem Schicksal. So wie Sarla Goraye, deren Ehemann sechs Monate nach der Hochzeit verstarb. Sie wurde daraufhin von der Familie als Unglücksbringer verstoßen. Da war sie fünf Jahre alt! Und ihr „Mann“ war zwölf, als er starb. Für sie war damit ein Leben als Frau und Mutter unmöglich geworden. Ich empfehle die beiden Bände, weil sie von einem der besten Menschen-Fotografen weltweit und von großer Einfühlsamkeit sind. Es handelt sich nicht um Fotobildbände im konventionellen Sinn. Die Frauen sind verschleiert und vielfach zudem von der Kamerea abgewandt. Der Text ist englisch.

Zum Thema „Frauen in Indien“ habe ich hier einen Filmbericht in der ZDF Mediathek gefunden.

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