Edward Burtynsky: OIL

© Edward Burtynsky, courtesy Stefan Röpke, Köln + Nicholas Metivier, Toronto

Shipbreaking # 13, Chittagong, Bangladesh, 2000 © Edward Burtynsky, courtesy Stefan Röpke, Köln + Nicholas Metivier, Toronto

Es fängt mit dem Ende an – dem Abwracken der Öltanker in Bangladesch, an einem der gefährlichsten, aber für den Außenstehenden auch visuell aufregendsten Arbeitsplatz der Welt. Der Fotograf Edward Burtynsky (geb. 1955) zeigt eine surreal anmutende Kombination aus Landschaft und Architektur im Sonnenuntergang. Das Motiv ziert die Einladungskarte und das Plakat der kleinen, äusserst feinen Ausstellung, mit der die Altana Kulturstiftung in Bad Homburg vor den Toren Frankfurts aufwartet. Die erste Einzelausstellung des international bekannten kanadischen Fotografen in einem Museum, dem schick renovierten Sinclair-Haus, ist noch bis zum 10. April 2011 zu sehen.

SOCAR Oil Fields # 3, Baku, Azerbaijan, 2006 © Edward Burtynsky, courtesy Stefan Röpke, Köln + Nicholas Metivier, Toronto

SOCAR Oil Fields # 3, Baku, Azerbaijan, 2006 © Edward Burtynsky, courtesy Stefan Röpke, Köln + Nicholas Metivier, Toronto

Oil Refineries #23, Oakville, Ontario, Canada, 1999 © Edward Burtynsky, courtesy Stefan Röpke, Köln + Nicholas Metivier, Toronto

Oil Refineries #23, Oakville, Ontario, Canada, 1999 © Edward Burtynsky, courtesy Stefan Röpke, Köln + Nicholas Metivier, Toronto

Mit seinen großformatigen Arbeiten dokumentiert Burtynsky die massiven Eingriffe des Menschen in die Natur: Die Zusammenhänge zwischen unserem Ölkonsum, seiner Förderung und Weiterverarbeitung bis hin zur Müllentsorgung und den nachhaltigen Auswirkungen auf die Landschaft. Den drei Kapiteln dieser Entwicklungsgeschichte, die Burtynsky „Extraction & Refinement“,  dann „Transportation & Motor Culture“ und schließlich „The End of Oil“ nennt, fügt die Ausstellung ein weiteres Kapitel hinzu: erstmals werden seine „Oil Spills“ von der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko gezeigt. Gerade diese waren für mich eine echte Überraschung, hatte ich doch mit deutlich „malerischen“ Bildern gerechnet. Aber die Gratwanderung zwischen „Fine Art“ und Dokumentation beherrscht er wie kaum ein anderer. Schon alleine deshalb ist die Ausstellung interessant und lehrreich. Die großzügig zur Ansicht ausgelegten Katalogbücher machen klar, wie vollständig anders die Wirkung der großen Formate gegenüber den naturgemäß handlichen Buchabbildungen ist, besonders, da man im Sinclair-Haus sehr nah vor den Bildern steht – mithin das Wasser fast an die Füße schwappt.

Oil Spill #4, Oil Skimming boat, near Ground Zero, Gulf of Mexico, June 24, 2010 © Edward Burtynsky, courtesy Stefan Röpke, Köln + Nicholas Metivier, Toronto

Oil Spill #4, Oil Skimming boat, near Ground Zero, Gulf of Mexico, June 24, 2010 © Edward Burtynsky, courtesy Stefan Röpke, Köln + Nicholas Metivier, Toronto

Oxford Tire Pile #4, Westley, California USA 1999 © Edward Burtynsky, courtesy Stefan Röpke, Köln + Nicholas Metivier, Toronto

Oxford Tire Pile #4, Westley, California USA 1999 © Edward Burtynsky, courtesy Stefan Röpke, Köln + Nicholas Metivier, Toronto

Überwiegend entstehen die Industrielandschaften („Manufactured Landscapes“) aus erhöhter Position, genauer gesagt aus dem Hubschrauber heraus. Gleichwohl erscheinen die Motive nie entfernt, sondern immer sehr emotional und nah. Das ist die Kunst des Edward Burtynsky – etwas zu sagen zu haben, eine Mission zu verfolgen und das in seinen fotografischen Arbeiten zu transportieren. Dass er dabei die Malerei des 19. Jahrhunderts durchaus im Hinterkopf hat, macht seine Werke auf dem Kunstmarkt so erfolgreich. Was in der Konsequenz heißt, dass die ausgestellten Werke zu einem großen Teil bereits „ausverkauft“, das heißt gar nicht mehr zu erwerben sind. Vertreten wird er in Deutschland durch die Galerie Röpcke in Köln.

Burtynsky/OIL
4. Februar – 10. April 2011
Sinclair-Haus, Löwengasse 15, Eingang Dorotheenstraße
61348 Bad Homburg v. d. Höhe
Öffnungszeiten: Dienstag 14-20 Uhr, Mittwoch bis Freitag 14-19 Uhr. Samstag, Sonntag und an Feiertagen 10-18 Uhr. Montags geschlossen.
Eintrittspreise: Regulär 5 € (Ermäßigt 3 €), Familienkarte 12 €. Mittwochs Eintritt frei.
Informationen zur Ausstellung: T+49 (0) 6172 1712-120, altana-kulturstiftung.de