(Foto-)Feinkost in Augsburg

Nach langen Monaten in Schreibtischhaltung komme ich mir vor wie freigelassen. Ich möchte dann etwas Neues sehen. Während der Fertigstellung von „Fotografie mit Leidenschaft“ war ich in Weimar, diesmal in Augsburg. Meetings mit der Druckerei und dem Vertrieb meiner Bücher waren der Auslöser. Ab und an deutsche Städte mit Tradition zu besuchen, erweitert den heimischen Horizont. Ich halte es dabei für sinnlos, touristische Aufnahmen zu machen, die mehr sein sollen als Erinnerung und/oder Belegbild für diesen Beitrag. Daher reise ich dann nur mit kleinem Fotogepäck, lasse die Vollformatkamera Zuhause.
Augsburg lohnt sehr, es gibt viel zu gucken und fast alles ist gut fußläufig zu erreichen. Wir haben eine Stadtführung zu Fuß auf den Spuren der Fugger mitgemacht, die von einer sehr gut vorbereiteten Chinesin geführt wurde. Damit war für internationales Flair gesorgt. Sehr zu empfehlen ist ein Besuch in der Fuggerei, der ältesten bestehenden Sozialsiedlung der Welt, die auch als Teil der Tour besucht wird. Unten eine Fotobetrachterin in der Fuggerei.

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Wer sich gerne Gemälde ansieht, sollte das Schaezler-Palais nicht versäumen. Es ist räumlich sehr ungewöhnlich: Ein endlos langer Gang endet an einem Rokokosaal, in dem derzeit eine LED-beleuchtete Skulptur des Spaniers Jaume Plensa für optischen Kontrast sorgt. (Die Figuren sitzen in Kirschen!) Dahinter beginnt dann die Bayerische Staatsgalerie mit Gemälden alter Meister. Dort hängt auch das berühmte Fugger-Porträt von Albrecht Dürer.

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Alt und neu mischen sich szenisch im „Damenhof“ der Fugger, in dem man gut ein Päuschen einlegen kann. Dort spiegeln sich die Renaissancebauten im Loungeambiente.

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Unter den zahlreich vorhandenen Sakralbauten hätte ich am ehesten auf den Dom verzichten können, dem Bildopferlicht zum Trotz. Auf keinen Fall hätte ich dagegen den Besuch der Synagoge missen mögen, die extrem beeindruckend ist (aber leider darf man innen nicht fotografieren). Sie wurde 1914 bis 1917 als Kuppelbau mit Jugendstilelementen errichtet. Obligatorisch ist auch die Anna-Kirche mitten in der Stadt, das erste deutsche Renaissance-Bauwerk. Ein kaum bekanntes Kleinod scheint hingegen die Kapelle der Hessingkliniken St. Johannes im Stadtteil Göggingen zu sein (Straßenbahn Linie 1 hält vor dem Eingang). Man geht durch die Klinik zur Kapelle und lässt sich einfach überraschen! Dazu kombiniert man unbedingt das Kurhaus in Göggingen. Eine Belle-Epoque-Bühne vom Feinsten! Man kann im ganzen Gebäude herumlaufen und sich ins Paris des späten 19. Jahrhunderts versetzt fühlen.
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Dazu passt später der Besuch im Ristorante La Villa, das in der Bahnhofstraße 10 (vom Königsplatz kommend rechts im Hinterhof) im Haus von „Hoffotograf Siemssen“ mit schönen Innenräumen im Jugendstil einlädt.

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Im Papageno hinter dem Theater kümmerte sich Sous-Chefin Stefanie Kahn persönlich um unser Anliegen, ein Gourmet-Menü speisen zu wollen, das man normalerweise zwei Tage vorbestellen muss. Fünf Gänge wurden zu sechs, alle waren lecker, vor allem das Curry-Zitronengrasschaum-Süppchen mit dem Fruchtfond, der Service aufmerksam. Aber das Essen zog sich hin. Nach dem zusätzlich gereichten, köstlichen Champagnersorbet saßen wir müde und alleine im Lokal, noch zwei weitere Gänge vor uns. Im Bild der Fischgang.

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Die Ecke“ hinter dem Rathaus bleibt in bester Erinnerung. Wir saßen angenehm und bestellten „nur“ zwei Gänge, kein ganzes Menü. Die waren optisch und geschmacklich ganz ausgezeichnet, hoben sich ab durch die sehr hochwertigen eingesetzten Produkte. Die Sauce zum Reh war zum Rein- oder Niederknien, auch dass es zum Filet noch Fleischpflanzerl von den weniger edlen Rehteilen gab, hat mich von der Einstellung und vom Geschmack her überzeugt. Zum Dessert gab es Variationen von der Pflaume.

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Zu den in Augsburg verpassten Optionen gehört der Besuch beim 2-Sterne-Koch Christian Grünwald im „August“, der aber ohnehin nicht geöffnet hatte, keine Informationen online zur Verfügung stellt und, ehrlich gesagt, mag ich nicht bis zur Mitternacht abgefüttert werden, während mein Magen schon spätestens um zehn Uhr schließt. Auch verpaßt: Die Augsburger Puppenkiste wegen Spielpause.

Artikelbild: Der Rathausplatz ist derzeit eine Baustelle. Fazit: Noch einmal hinfahren, die Industriekultur am Stadtrand und das Textilmuseum angucken.

Und jetzt als Bonus noch eine Augsburg-Impression jenseits von Futtern, Fugger oder Bert-Brecht-Geburtshaus:

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„Licht-Massage“!

1 Kommentare

  1. Verwundert, so was auf dieser Seite zu finden. Weder Foto- noch Textfeinkost…

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