Fotomagie in Paris

Paris Photo im Grand Palais

Lange Schlangen vor dem Eingang: Ob bei der Hauptmesse Paris Photo im Grand Palais oder vor der Diane Arbus-Retrospektive im Jeu de Paume. Wie Steffi Schulze von der Galerie Camera Work, Berlin, begeistert feststellte, sind die Besucher der Paris Photo nicht nur sehr interessiert, sondern vielfach auch sachkundig. Unter der hohen Kuppel des Grand Palais war der stetige Besucherstrom gut erträglich, im Jeu de Paume hingegen schoben sich die Menschen in einer Reihe langsam an den berühmten Bildern vorbei. Oder wie Gregor Beltzig, Mitarbeiter in der Galerie Camera Obscura, Paris, meinte: „Hier in Paris freut man sich, wenn man in der ersten Reihe vor einem Bild steht und nicht in der dritten.“
Ob das an dem generell kulturell aufgeschlosseneren Klima liegt oder daran, dass die Fotografie eine amtliche französische Erfindung ist? Definitiv lässt sich in Paris so richtig in die Welt der schönen und teuren Fotografien eintauchen.

Die Kuppel des Grand Palais
An vier Tagen habe ich das Programm knapp geschafft, denn eine kleine Komplikation muss man einkalkulieren: Fast alle öffnen erst mittags und die Wege waren teilweise recht lang. Während nach meiner Erinnerung früher viele historische Fotos auf der Messe zu finden waren, überwogen nun die Zeitgenossen, ergänzt durch einige Klassiker wie August Sander, Irving Penn oder eben Diane Arbus. Es waren viele interessante Arbeiten zu sehen, auch und gerade unter den Künstlern aus Afrika, das ja das Schwerpunktthema war.
Edel in der Espace Pierre Cardin, fast an den Champs-Elysées, nicht weit vom Grand Palais gelegen, die erstmals stattfindende Fotofever Art Fair. Die könnte eine echte Ergänzung zu Paris Photo sein, wo ja die Teilnehmer handverlesen sind und nicht alle Galerien, die möchten, auch zugelassen werden. Aber es gab keine Luft im Fotofever. Ein Galeristin erzählte mir, dass nicht nur sie selbst aus Sauerstoffmangel ohnmächtig wurde, sondern ihr wichtigster Sammler im Krankenwagen abtransportiert wurde – und so der Verkauf nicht zustande kam. Das ist bitter, denn für kleines Geld sind auch hier keine Stände zu bekommen. (Abb. der Fassade unten)

Fotofever

Off Print
(Foto oben:) Im 18. Arrondissement, in der Nähe der Place de Clichy, war die Veranstaltung Offprint Paris in einer Schule untergebracht. Bücher und Broschüren, zum Teil in Kleinstauflagen, waren hier zu finden. Darunter auch ein Aussteller aus Japan mit seltenen Fotobüchern. Im kommenden Jahr wird das Kasseler Fotobuchfestival ganz in der Nähe im Le Bal stattfinden, einem sehr schönen Ausstellungsort, in dem die beeindruckende Schau „Topographie des Krieges“ zu sehen war.

Nofound Photofair, Parterre

Nofound Photofair, Parkdeck
(Fotos oben:) Im hippen Marais, gefühlte Meilen entfernt von der Metrostation St. Paul, fand in der Garage Turenne die Nofound Photofair mit über 40 Galerien statt (Eintritt günstige 2 Euro). Im oberen Geschoss waren die Printpreise auch nicht niedriger als bei Paris Photo, wohl aber dürfte hier weniger verkauft worden sein.

Photo Off-1

Photo Off-2
(Fotos oben:) Als dritte Off-Fotomesse bleibt die Photo-Off zu nennen, die schon 2010 stattfand. Im 20. Arrondissement im Bellevilloise auch nicht gerade praktisch gelegen. Speziell im Parterre machte das Ganze einen recht improvisierten Eindruck, im ersten Stock wirkte es dann tatsächlich wie eine Messe. Nicht so sehr weit entfernt konnte man noch die Ausstellung von Claudine Doury sehen, einer Fotografin der Agentur VU, die 1999 den Oskar Barnack-Preis erhalten hatte. Familie ist das Thema von Marion Poussier, die den „Prix de Photographie 2010 de l’Académie des Beaux-Arts 2010“ erhielt und eben dort in der Akademie noch bis zum 20.11.2011 ihre Arbeiten zeigt. Top gemacht auch die Ausstellung im Centre Calouste Gulbenkian „Transformed Land“ bis 16. Dezember.
Gerne hätte ich die Jean-Paul Goude-Ausstellung im Les Arts Décoratifs (läuft bis 16. März 2012) angesehen oder Lewis Hine in der Fondation Cartier-Bresson (bis 18. Dezember). Aber in Paris gibt es immer mehr Fotoausstellungen zu sehen als man angucken kann. Das ist ja das Tolle.

3 Kommentare

  1. Hallo,
    ja auch ich bin begeistert über die Messe geschlendert. Die Preview am Mittwochabend lohnt allemal, tolle Räumlichkeiten, hervorragende Galerienschauen, die Preise allerdings oh la la. Durch Offenheit und Freundlichkeit bestachen mal wieder die amerikanischen Galeristen. Auch die einzelnen Stände der Photobooks sehr professionell. Und ja die Begeisterung der Pariser für eine Photoshow. Die gibt es so hier nicht so leicht. A la prochaine 2012.
    Diane Arbus Schau kommt übrigens auch nach Deutschland, Berlin, Martin Gropius Bau. Und ab Februar 2012 im Jeu de Paume eine Berenice Abbott Schau. Nix wie hin!

    • Ja, die Berenice Abbott-Ausstellung würde ich auch gerne sehen. Eigentlich lieber als die Arbus, von der ich alles bereits inhaliert habe. Da stach mir nur ein Foto ins Auge, das mir neu vorkam: 2 Mädels mit Lockenwicklern unter Kopftüchern. Ein sensationelles Bild. Ja, à la prochaine!

  2. War am Samstag im Rotterdammer Fotomuseum bei der Eugène Atget show. Eine Reise nach Rotterdam allemahl wert. Sicherlich wenn man das combinieren kan mit der anschaffung einer neuen, alten 6×9.

    Grüsse, Ed

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