Jürgen Scriba

Techscape, J. Scriba

Während man die Kunst ja oft mit kreativem Chaos in Verbindung bringt, gibt es auf Seiten der Physik allenfalls die Chaosforschung. Können also Kunst und Physik überhaupt zusammenfinden? Ja, bei Jürgen Scriba klappt das sehr gut. Seine derzeitige Ausstellung „Techscapes“ im Deutschen Museum in München, die bis 11. Januar 2009 dort im Kabinett präsentiert wird, zeigt jedoch nur einen kleinen Ausschnitt seiner Arbeit. Klein auch deshalb, weil die aktuellen, seriell-komponierten Werke über Zeit und Bewegung sehr großformatig ausfallen. Bei den technischen Landschaften, den Techscapes, ist es jedoch eher der nahe, detaillierte und sehr präzise Blick auf Schräubchen, Kratzer, Oberflächen und Geräte, die in München im Museum oder in den Archiven bewahrt werden. Wie und was er fotografiert, ist zwar formschön, aber Jürgen Scriba wäre nicht promovierter Physiker, wenn er nur nach dem Formalen schaute. Ihm fallen winzige Markierungen auf, die Monteure anbrachten, um passgenau gefertigte Teile vor Verwechslung zu schützen; „Riefen, die immer wiederkehrende Bewegungen hinterlassen haben, oder Abschürfungen, die trotz sorgfältiger Benutzung im jahrelangen Gebrauch entstanden sind. Der reale Maßstab der Objekte wird dabei bewusst außer Acht gelassen, denn es geht dem Künstler vor allem darum, den Blick zu schärfen für den individuellen Charakter vermeintlich seelenloser Industrieproduktion“, heißt es in der Ankündigung zur Ausstellung.

Techscapes, J. Scriba

Der Physiker Jürgen Scriba, Jahrgang 1964, hat sich als Wissenschaftsredakteur bei den Magazinen Focus und Spiegel schon früh der Vermittlung von Technik und Wissenschaft in den Medien verschrieben. Nach seiner Tätigkeit als Entwicklungsvorstand der Biotech-Firma Advalytix, die er 2000 mit begründete, lebt er seit 2006 als künstlerischer Fotograf in der Nähe von Hamburg und in München.

Jürgen Scriba arbeitet vielfach mit Karl Bartos zusammen, 15 Jahre Mitglied der Gruppe „Kraftwerk“ und Pionier der elektronischen Popmusik. Herr Bartos schafft die Klangräume, mittels deren Herrn Scribas Foto- und Videoarbeiten visuell wie akustisch sinnlich erfahrbar werden. Eine kongeniale Zusammenarbeit, von der man sich beim Betrachten der „Timescape“-Videos von Jürgen Scriba überzeugen kann.