Langzeitworkshop für erfahrene Hobbyfotografen

Zeit ist ein extrem wichtiger Faktor beim Fotografieren: Je mehr Muße Sie sich nehmen, je mehr Zeit Sie haben, desto besser werden die Bilder. Damit Sie „dranbleiben“ und Ihre Chancen erhöhen, in ein intensives fotografisches Erleben und Arbeiten zu kommen, biete ich einen Langzeit-Workshop an. Über ein halbes Jahr erarbeiten Sie ein persönliches Projekt und bekommen dazu Feedback und Tipps. Dieses Konzept richtet sich Fotografierende, die das Gefühl haben, schon einige Zeit auf dem gleichen Niveau vor sich hin zu dümpeln und sich weiter entwickeln wollen.

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Thomas Baßler brachte beim letzten Treffen selbst gedruckte Prints mit, die wir auf einem Bettlaken ausbreiteten. Foto: C. Birr

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Bilder zu besprechen bringt mit Prints einfach mehr Bewegung in die Diskussion. (v.l.n.r. Mettner, Pfeffer, Baßler). Foto: C. Birr

Wie macht man das am besten? Indem man sich weniger mit der Kamera als mit der Realität vor der Linse befasst, mit anderen Worten, an einem Thema arbeitet, das man sich selbst gewählt hat. Wenngleich hier das Wort „Arbeit“ verwendet wird: Spaß soll es natürlich machen. Nun sind die Vorlieben und Möglichkeiten ja individuell sehr verschieden und jeder sollte seinen folgen. Achtung: Wer nicht selbstbestimmt arbeiten kann oder möchte, ist mit einem konventionellen Fotoworkshop besser bedient. Mein Workshop ist eine Kombination aus der längeren Auseinandersetzung mit einem selbstgewählten fotografischen Thema, Feedback zwischen den Terminen und dem Austausch mit den anderen Teilnehmern an drei Wochenendterminen, verteilt über ein halbes Jahr – auch 2016.

Der totale Fotobooster

Die Teilnehmer des LZ-Workshops 2015 kamen mit unterschiedlich langer Fotografierhistorie. Nicht alle fangen eben schon mit zwölf Jahren an zu fotografieren! Da es in der ersten Sitzung darum geht, ein geeignetes Thema für sich zu finden, spielt die technisch-fotografische Routine zwar eine durchaus wichtige, aber nicht die ausschlaggebende Rolle. Ziel sind vor allem aussdrucksstarke Fotografien, die dann in zweiter Linie auch handwerklich perfekt sein dürfen. Wobei optischer Perfektionismus je nach Thema unterschiedlich bedeutsam werden kann. Ein Teilnehmer ließ sich daher Zuhause betreffs RAW-Entwicklung coachen, eine Teilnehmerin schaffte sich auf meine Empfehlung hin eine Aufsteckleuchte, Ledzilla genannt, an, die ihr erlaubt, ein „emotionaleres“ Licht zu setzen. Und Thomas Baßler entdeckte eine Klappleiter als nützliches Fotoaccessoire beim Fotografieren Tangotanzender im Mannheimer Bahnhof. Er sagt über den Workshop:

„Ich persönlich habe sehr profitiert und nehme vieles mit auf den weiteren Weg. Die Art und Weise der Gestaltung und der Moderation fand ich sehr stimmig und inspirierend. Vor allem Ihre offenen Worte, die Kritik und die Verbesserungsvorschläge sind sehr hilfreich.“

Die Herausforderung bei Thomas Baßler war (nach meinem Anspruch), von den typischen, oft gesehenen Tangomotiven hin zu einer persönlichen Bildaussage zu coachen – was leicht war, weil er den zwischenzeitlichen Zuruf „Bleiben Sie bei den Emotionen!“ sofort aufnahm und für seine schwarzweiße Serie umsetzte.
Beim zweiten Schwarzweiß-Projekt geht es um die Arbeitsplätze von Schweizer Schriftstellerinnen und Schriftstellern; analog und sehr poetisch fotografiert vom Zürcher Unternehmer Markus Busch. Der Architekt Gerhard Niederhof hat sich die Maxhütte zum Motiv gewählt; er fotografiert und zeichnet die Ruinen des Stahlwerks. Aus dem Ruhrgebiet kam die studierte Fotodesignerin Silvia Jansen zum Workshop im Taunus. Sie fotografiert Frauen in der Landwirtschaft – im Stil einer klassischen Reportage mit der Mischung aus Übersichten, Porträts, Details.

„Der Workshop war großartig“, kommentiert Silvia Jansen, „Feeback zu meinen Fotos kriege ich sonst eher selten, ein Like bei Facebook reicht ja doch nicht immer, allein da mal etwas mehr zu hören, war schon gut. Mich einmal außerhalb der Stockfotografen-Routine zu bewegen, hat neue Impulse gesetzt, und nicht zuletzt mitzuerleben, wie alle Teilnehmer in der Gruppe sich weiterentwickelt haben, das war sehr inspirierend.“

Ganz ungewöhnlich ist das gewählte Thema von Christine Pfeffer, die in Stuttgart in einem Hospiz tätig ist. Die studierte Soziologin vertiefte sich in das Phänomen der Unfallkreuze am Wegesrand unter dem Titel „Du fehlst! – Private Gedenkstätten im öffentlichen Raum“. Christiane Birr forscht am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte und hat sich das schwierige fotografische Thema des Transfers von auf Papier niedergelegtem Wissen in digitale Daten vorgenommen – letztlich geht es um das Verschwinden der Bücher. Hier gab das berufliche Umfeld die Inspiration für das fotografische Thema, das noch lange nicht abgeschlossen ist. Christiane Birr sagt:

„Ich habe den Workshop besucht, weil ich das Gefühl hatte, fotografisch auf der Stelle zu treten. Dieser Knoten hat sich gelöst, und mein Fotografieren hat mit dem Projekt „Papier“ neuen Schwung bekommen. Ich habe die offene, kritisch-freundliche Atmosphäre sehr geschätzt, die Wertschätzung, die der Fotografie als Ausdrucksform entgegengebracht wird und die Beharrlichkeit, mit der immer wieder die Frage nach dem Inhalt, nach dem Grund für jedes Bild gestellt wurde. Diese Auseinandersetzung mit den eigenen Bildern und der eigenen Motivation, die Kamera in die Hand zu nehmen, war mitunter fordernd, aber für mich sehr anregend.“

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Beim zweiten Treffen der Workshop-Teilnehmer erläuterte Wolfgang Strassl anhand einer Karte die Situation in der Westbank. Foto: C. Birr

Beim Projekt des Münchners Wolfgang Strassl war sein Zweitwohnsitz in Tel Aviv Ausgangspunkt für die Themenfindung. Er fotografierte die Siedlungen in Ostjerusalem und die umliegende Westbank. Dabei entwickelte er sich von ersten Nahansichten an einem Checkpoint morgens um fünf zu einem versierten Landschaftsfotografen mit großen Übersichten der palästinensischen Ortschaften und israelischen Siedlungen. Ein packendes Thema, ein mutiger und besonnener Fotograf, der sich Anfang des Jahres nicht hätte träumen lassen, bis zum Herbst ein Buchprojekt mit über 200 Aufnahmen zu realisieren.

Und weil alle weiter arbeiten und wissen wollen, wie es bei den anderen weitergeht, wurde ein viertes Treffen im Frühsommer 2016 verabredet. So weit das möglich ist, werden die Projekte hier auf Fotofeinkost noch einzeln vorgestellt.

Workshop zum Fotografieren einer Serie 2016

Wer 2016 auch an einem Langzeit-Projekt arbeiten möchte und dafür Ansporn und Unterstützung sucht, dem seien hier schon einmal die Termine genannt: 16./17. April 2016 | 11./12. Juni 2016 | 10./11. September 2016, jeweils von Samstag 13 Uhr bis Sonntag 13 Uhr. Gesamtpreis für den Langzeitworkshop über sechs Monate: 1.200 Euro (inkl. MwSt.)* Gerne können Sie den Workshop auch besuchen, um ein angefangenes Projekt weiterzuführen. Ich freue mich auf Sie!   Martina Mettner

 

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Herr Baßler und Frau Jansen beim ersten Treffen fotografiert von Frau Birr.

*Frühestens Anfang Februar 2016 erhalten Sie die Rechnung. Bei Absagen ab vier Wochen vor dem ersten Termin werden 300 Euro von den Kursgebühren nicht mehr rückerstattet. Nicht wahrgenommene Termine innerhalb des Kurses werden nicht erstattet. Es heißt nicht zufällig: fotofeinkost, d.h. Kuchen und Suppen bzw. Snacks halte ich für Sie bereit. Nicht eingeschlossen ist das optionale gemeinsame Abendessen in einem Lokal sowie die (preisgünstig verfügbare) Übernachtung. Entsprechende Hinweise erhalten Sie mit der Rechnung.