Software-Update für Fotografen

Fotografen haben vielfach vergessen, dass sie die Kreativen sind und von sich aus optische Angebote machen sollten, statt stets nur auf Aufträge zu reagieren. Deshalb geht es hier nicht um die Software im Rechner, sondern um die im Kopf. Auch seine Fähigkeit, kreativ zu denken, muss man trainieren und updaten, um sie nicht im alltäglichen Stress zu verlieren.

Kreativ zu sein, bedeutet jedoch, Muße zu haben. Es ist nicht leicht, sich diese Muße zu verschaffen. Der Familienurlaub ist dazu denkbar ungeeignet. Es wäre sinnvoll, Ruhemomente in den Alltag zu integrieren, indem man die Musik abstellt und sich zum Entspannen auf den Boden legt. Oder ums Haus joggt. Wichtig ist, dabei seinen Gedanken nachhängen zu können und sich nicht unentwegt abzulenken. Manchmal reicht es vielleicht auch, so wie jetzt, daran erinnert zu werden, dass man den Beruf gewählt hat, weil man Ideen umsetzen wollte und neugierig auf die Welt war. Ich kann nur jedem Fotografen raten, nicht „zu experimentieren“ (anderes Wort für: mit der Ausrüstung zu spielen), sondern sich in seine Hohlkehle mit dem Gesicht zur weißen Wand zu setzen und zu überlegen, was er fotografieren würde, wenn er freie Wahl hätte – und es dann auch zu tun.

Übungen zur Auffrischung des kreativen Potenzials

Alle Fotografen, die so einsichtig sind, zu wissen, dass ihnen kreativer Input nicht schaden könnte, nehmen sich für die kommenden drei Monate fest vor:

1. zur Vernissage einer Fotoausstellung in einer Galerie zu gehen (Sie müssen das Ausgestellte nicht gut finden, aber ohnehin mal unter Leute);

2. das Foto eines anderen Fotografen als Wandbild zu kaufen (und wenn Sie es nicht tun, verabschieden Sie den Gedanken, Ihre eigenen Prints verkaufen zu wollen!);

3. ein Museum zu besuchen (Malerei, Architektur, Skulptur, egal; nehmen Sie Ihre Kinder mit oder den Auftrag in einer anderen Stadt zum Anlass);

4. einmal im Monat Ihre wichtigsten Fotos der letzten vier Wochen auszudrucken, auf den Boden zu legen und sie mit fremden Augen anzusehen (legen Sie diese zunächst auf den Kopf, also um 180 Grad gedreht hin, das hilft störende Elemente zu entdecken);

5. sich einen Fotografen auszusuchen, den Sie besonders spannend oder besonders überschätzt finden, und Ihrer Frau / Ihrem Mann/ Ihrer Mutter (ganz ruhig, bitte) anhand der Fotos zu erklären, warum;

6. und endlich von Ihrer Webseite alle Fotos zu entfernen, die Sie im Urlaub gemacht haben oder die älter als drei Jahre sind.

(Alle Punkte sind wichtig, die Positionen 4 bis 6 zwingend.)

Selbst wenn Sie ausschließlich kommerziell arbeiten, denken Sie daran, dass in Ihrer Mappe (das heißt auch auf der Webseite) in erster Linie das sein sollte, was Sie zukünftig fotografieren wollen und nicht nur das, was Sie schon fotografiert haben.
(Falls Sie dabei Hilfe brauchen, einfach mailen und einen Termin vereinbaren.)

8 Kommentare

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  4. …die tägliche Muse ist etwas das mir persönlich recht schwer fällt, dessen Wichtigkeit man aber nicht unterschätzen darf. Um etwas emotionales/persönliches und somit fotografisch interessantes zu tun muss der Kopf in den Hintergrund rücken. In unserer kopflastigen Gesellschaft und minutiös-Outlook-verplanten-Tagesabläufen kein allzu leichtes Unterfangen. Good luck!

  5. Pingback: Linktipps Mai 2009 | www.birgitengelhardt.de

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  7. Vielen Dank für diese nützlichen und unterhaltsamen Hinweise. Innehalten tut wirklich mal gut und muß auch sein.

  8. Pingback: Linktipps für den 11. Juli 2009 | Fotoholiker

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