Sommerprogramm: Fitness für Fotografinnen und Fotografen

Kürzlich war eine Fotografin bei mir, die erwähnte, dass sie jeden Tag anderthalb Stunden lang ein Tracy-Anderson-Fitnesstraining mache. „Anderthalb Stunden?“ „Jeden Tag??“ Ich war total fasziniert und musste mich regelrecht losreißen und wieder zur Fotografie zurück kommen. Aber sie hat recht. Fotografinnen und Fotografen sitzen heute mehr am Schreibtisch beziehungsweise Rechner als früher, was zu Rückenproblemen führt – ich weiß, wovon ich rede. Und das Schleppen des Equipments oder das Turnen auf Gerüsten erfordert Kraft und Gelenkigkeit. Elastizität ist übrigens keine Frage des Alters, sondern tatsächlich des Trainings.

Zunächst ist natürlich zu überlegen, welche Art von Sport man gut findet und was man erreichen möchte. Joggen ist ein Ausdauertraining, gegen einen steifen Rücken vom Sitzen nützt es nichts. Alles was monoton ist und spaßfrei aussieht, ist ohnehin nichts für mich als Sportmuffel. Entspannung stellt sich meiner Ansicht nach nicht durch ein leeres Hirn ein, sondern durch die Konzentration auf etwas anderes, zum Beispiel das eigene Körpergefühl. Und mal rein rhetorisch gefragt: Wie will man beim Shooting sehen, ob ein Model Körperspannung aufbaut, wenn man selbst mit schlaffem Rundrücken vorm Monitor hängt?

Statt an einem Gerät oder auch ohne Hilfsmittel die immer gleichen Übungen zu wiederholen, setzt sich zum Glück derweil unter Fitnessexperten die Erkenntnis durch, dass Abwechslung ein viel effizienteres Training bietet. Hätte ich mehr Kondition und Koordination, wäre ich bei einem Tanzworkout dabei. Aber schon die auf einem Fitnessmagazin daherkommende freudlos wirkende Probe-DVD von Tracy Anderson war mir zu viel Choreografie und zu wenig rückenschonend. Dennoch entdeckte ich dadurch, wie super Fitness-DVDs sind. Da ich froh wäre, mich hätte jemand eher auf diese Training-DVDs aufmerksam gemacht, gebe ich den Tipp jetzt gerne weiter.

Die Kraft aus der Mitte

Rückentraining ist mein Thema und Entspannung, ohne beim Training einzuschlafen. Ich war verblüfft, welche Parallelwelt sich bei Fitness-DVDs auftut. Tracy Anderson ist der US-Star unter den Trainern momentan, sie kommt vom Tanz. Ich traue echten Physiotherapeuten und ausgebildeten Fitnesstrainern mehr. Auf ein grinsendes Promigesicht beim Vorturnen kann ich verzichten. Die Ex-Sportlerfrauen-Selbstvermarktungs-Workouts fielen für mich daher weg. So stößt man relativ rasch auf die Trainings von Nina Winkler. Neben den typischen Übungen wie Crunches spielt Balance eine Rolle. An den Winkler-Trainings hat man nur Spaß, wenn man auf einem Bein stehen kann oder bereit ist, es zu üben.

Der Vorteil, mit einer DVD zu trainieren, ist enorm: Man übt so lange es dauert, sieht wie die Übungen gehen und fühlt sich wie der unsichtbare Teilnehmer in einer Gruppe. Erstaunlich wichtig für den Spaß zu trainieren erweist sich das Ambiente. Ich habe bis jetzt vier DVDs ausprobiert, bei denen die Übungen draußen an einem Pool oder an einem Strand trainiert werden, und das ist wie Urlaub! Das Bild auf einem großen Fernsehmonitor hilft beim Eintauchen in die sommerliche Atmosphäre, speziell, wenn es mal wieder regnet. Hinterher bin ich verblüffend entspannt. Seit dem 14. Juli mache ich jeden Tag eine halbe Stunde oder auch gut doppelt so lange Gymnastik, erst einmal als Urlaubsersatzprogramm für die Ferienzeit. Es scheint mir viel, viel einfacher zu sein, jeden Tag zu trainieren als sich ein-, zwei- oder dreimal pro Woche aufzuraffen. Das hätte ich nicht vermutet, bevor ich anfing. Ich kann ein 30-Tage-Programm sehr empfehlen.

Nun die von mir ausprobierten DVDs im Einzelnen:

Wirklich hilfreich, speziell, wenn man anfangs noch sehr steif ist, sind Mobilisationsübungen wie sie „Mein gesunder Rücken: Die besten Übungen für Kraft und Beweglichkeit“ bietet. Auch hier gibt es Module. Sie sind auf die speziellen Bedürfnisse von Menschen, die viel sitzen oder aber viel stehen spezifiziert. Geübt wird auf einer Ferienhausterrasse. Wichtig bei der DVD-Auswahl ist neben dem Inhalt auch die gesprochene Anleitung. Bei allen von mir gekauften DVDs sind die Anleitungen präzise und angenehm, sogar gut nachzuvollziehen, auch wenn man nicht aufs Monitorbild sieht, z.B. bei den Übungen in Bauchlage. Hier wird auch die nächste Übung rechtzeitig angekündigt, was ein flüssiges Trainieren von Anfang an ermöglicht.

Die DVDs der Regisseurin Elli Becker punkten alle mit schönem Strand- und Kapstadt-Ambiente. Von ihr ist auch die DVD, die mir sehr gut gefällt: Ein Bauch und Rücken Workout, entwickelt von Dirk Pinnig, präsentiert von den Sportlern Ina Münsberg und Tom Berghoff. Besonders gut finde ich die Stretchingeinheiten direkt nach den Übungen statt nur am Ende. So ist das Workout anstrengend und entspannend zugleich und man bekommt keinen Muskelkater. Im Unterschied zu den anderen DVDs sind die Übungen hier einzeln, somit auch einzeln ansteuerbar. In der Kurzfassung für Einsteiger wechselt man laufend zwischen Ausgangspositionen, das ist etwas lästig. Das volle Programm zu trainieren macht wesentlich mehr Spaß.

Sinnvollerweise sollte man schon einmal Yoga gemacht haben, bevor man den Yoga-Fusion-Workout angeht. Die Übungen verlangen teilweise ein sehr gutes Balancegefühl und sind natürlich toll, wenn einem Yoga alleine zu lahm ist. Da die Übungen von Nina Winkler präsentiert werden, erkennt man vieles von den Rücken-DVDs wieder und kann gleich mitmachen. Insgesamt eine nette Abwechslung, zumal Frau Winklers männlicher Mitturner am Pool ganz knackig aussieht. Auch hier ist man dank zwischenzeitlicher Stretchingübungen am Ende nicht ausgepowert, sondern entspannt und erholt.

Mit schöner Kulisse, aber sonst auf Tracy-Anderson-Niveau hinsichtlich Tempo und Fitnessanspruch ist der „Vital Bikini Workout: Schlank und straff in Rekordzeit„. Man möchte nicht in einer Altbauwohnung wohnen, wo über einem der „Pony-Hopp“ geübt wird. Macht aber insgesamt gute Laune und man kann sich das Pensum durch die Module einteilen. Ist auf jeden Fall ein Tipp, wenn man richtig ins Schwitzen (und Kalorienverbrennen) kommen will – man muss dazu keinen Bikini anziehen!

Zwischenfazit: Nach 12 Übungstagen in Folge sehe ich schon deutliche Verbesserungen – kein Vergleich zu 12 x üben über vier Wochen verteilt. Und es stimmt, was alle sagen: Man bekommt mehr Energie.  Und eine bessere Haltung. Viel Spaß beim Ausprobieren!