Visual Gallery der Photokina 2010

1000_visual_gallery_logoFrüher  hieß sie „Weltmesse des Bildes“, heute: „Imaging is more“. Wer nach Köln zur photokina (21.-26.09.2010) fährt, will Technik sehen, nicht unbedingt das, was mittels dieser entsteht. Da mag die Visual Gallery als kleiner kultureller Abstecher reichen. Für den ernsthaft Interessierten sind die Fotoausstellungen zur photokina kein Grund, nach Köln zu reisen. Das wirkt nämlich leider alles nach: Wir hängen, was wir bekommen, ohne uns dafür anzustrengen oder gar ein Konzept zu haben. Hier ein paar der meist Retro-gestimmten Highlights:

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Andy Spyra, aus der Serie „Kashmir, Valley of Tears“ / Canon Profifoto Förderpreis

Die nostalgische Wirkung des Fotos sollte nicht darüber hinweg täuschen, dass Andy Spyra eine der ganz großen Hoffnungen in der deutschen Fotografie ist. Da räumt mal einer mit Recht alle Preise ab, zum Beispiel den Getty Images Grant oder den Oskar-Barnack-Nachwuchspreis.

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Angst eines Zivilpolizisten, Algier 1996; Peur d’un policier en civil, Alger 1996

Zur Visual Gallery at photokina 2010  zeigt der Dr.-Erich-Salomon-Preisträger Michael von Graffenried die Ausstellung „Outing“, in der neun Themenkreise seines umfassendes Werks aufgegriffen werden: Angefangen bei frühen Arbeiten aus den Jahren 1979-1985, stellt Graffenried Arbeiten aus Algerien (1991-2002), dem Sudan (1995), Kairo (2007) und dem Londoner Stadtteil Whitechapel aus, wo mehrheitlich Muslime aus Bangladesh leben. Außerdem können die Besucher der Visual Gallery die Arbeiten „Nackt im Paradies“ (1988-1997), „Our Town – an inside look at the United States today (2006), „Eye on Africa“ (2008/2009) und Bilder der aufsehenerregenden Arbeit „Cocainelove“ (2003-2005) sehen, für die er über zwei Jahre ein drogenabhängiges Paar auf der Straße begleitete.

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© Ed van der Elsken / Nederlands Fotomuseum, courtesy Annet Gelink Gallery, Amsterdam

Der holländische Fotograf Ed van der Elsken (1925 – 1990) wurde schon in den frühen 1950er Jahren mit seinen Ausstellungen bekannt. Zur Visual Gallery 2010 werden Aufnahmen seiner einprägsamen Bildgeschichte „Liebe in Saint Germain de Prés“ gezeigt, in der er ein Liebesjahr über Monate hindurch mit dem Objektiv begleitete und so eine ebenso harte wie auch zarte Liebesgeschichte im Arbeiterviertel St. Germain de Prés festhielt. (Meint der Pressetext mit „Liebesjahr“ vielleicht ein „Liebespaar“?)

Vom klassischen Reportagestil zum klassischen Porträtstil von Jim Rakete.

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©Jim Rakete / das neue Filmmuseum: Tom Tykwer

Seit Herbst 2009 arbeitet der Berliner Fotograf an einer umfangreichen, einmaligen Porträtserie, die erstmals vollständig im Frühsommer 2011 zur Eröffnung des „neuen“ Deutschen Filmmuseums in Frankfurt am Main zu sehen sein wird. Die Ausstellung in der Visual Gallery entsteht mit freundlicher Unterstützung der Leica Camera AG.

Das nächste Beispiel sieht klassisch aus, ist es aber nicht, sondern eher kitschig, wenn auch gut gemacht. Mich erinnert es jedenfalls an die gemalten Bilder von Norman Rockwell.

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Mark Holthusen, San Francisco, USA / Hasselblad Master 2009, Product

Jedes Jahr kürt Hasselblad zehn neue Fotografen zu „Hasselblad Masters“. Die ausgewählten Fotografen sind sowohl bekannte, etablierte Fotografen als auch ideenreiche, ambitionierte Fotografen am Anfang ihrer Karriere.

Mein Favorit sind die Arbeiten von Thomas Herbrich. Der ist zwar eigentlich Werbefotograf, in seinem Herzen jedoch Künstler, bastelt liebevoll Modelle und fotografiert seinen Bruder als Ami:

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Thomas Herbrich – Die Wahrheit über die Mondlandung / BFF

Am 21. Juli 1969 betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond und 500 Millionen Menschen verfolgten die Mondlandung live im Fernsehen. Doch 40 Jahre später gibt es immer noch einige Zweifler. Wurde von den Amerikanern etwa alles nur im Studio inszeniert? Der Düsseldorfer Fotograf Thomas Herbrich hat sich mit dieser Frage auseinandergesetzt.

Mein Lieblingsfoto der letzten Monate kommt jetzt – Bildbearbeitung, die Sinn gibt und witzig ist.

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© Tommaso Ausili courtesy of Sony World Photography Awards 2010

Die Visual Gallery at photokina zeigt die Siegerfotos der Sony World Photography Awards 2010, für die über 82.000 Fotos aus 148 Ländern eingereicht worden waren. Für die Ausstellung – die nach Köln auch in Shanghai, San Francisco, São Paulo und London zu sehen sein wird – brachte Chefkuratorin Zelda Cheatle einige der besten Fotos aus aller Welt zusammen.

Und Sie? Welche Ausstellungen in Köln gucken Sie sich an?

5 Kommentare

  1. sorry, witzig kann ich das letzte foto leider gar nicht finden. vielleicht gut bearbeitet, aber nicht witzig.

    ansonsten mag ich das erste, von andy spyra.

    • Danke für den Einwand. Ich meine witzig nicht im Sinne von lustig, sondern im Sinne von clever, einfallsreich. Ganz klar eine missverständliche Wortwahl meinerseits.

  2. Die Arbeiten von Thomas Herbrich kann ich nur empfehlen. Hatte das Vergnügen ihn während der FotoBild hier in Berlin kennen zu lernen. Äußerst engagiert, begeisternd, mit tollen Ideen und erstaunlichen Umsetzungen.

  3. aber es ist auch witzig! wohl schwarz und makaber – aber eben auch witzig.
    und es ist nicht witzig, weil man über die tiere lacht; man – ich zumindest – lacht über die situation; weil man sie von sich selbst auch kennt. (nur nicht im schlachthof ;-)
    solltest du vegetarier sein, dann verstehe ich die reaktion; sonst aber darfst du auch dein wurstbrot nicht mehr lecker finden.

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