Website 2010 – Die Nominierten, Teil 1

Die Auswahl zur Fotofeinkost Website 2010! Dazu konnte man seine Website aus dem deutschsprachigen Raum selbst vorschlagen oder vorgeschlagen werden. Aus den eingegangenen Bewerbungen habe ich 12 Websites vorausgewählt. Lustigerweise waren wieder einmal reihenweise Flash-Sites vorgeschlagen worden, die ausschieden. Es geht ja um das Thema Suchmaschinen- und Benutzerfreundlichkeit, nicht um die beeindruckendste Animation oder die originellsten Fotos. Gedacht ist die Fotofeinkost-Websites-Aktion, um mit der Zeit beispielhafte Fotografensites zu sammeln, damit alle, die gerade ihre Site neu gestalten wollen oder müssen, sich Anregungen holen können. Wer eine in diesem Sinne gute Fotografenwebsite findet, kann die jetzt mit einer Mail an website2011@fotofeinkost.de vorschlagen. Gerne stelle ich im Laufe des Jahres hier oder bei Erfolg als Fotograf neue Websites vor. Denn hier ist es nicht anders als bei anderen Schönheitskonkurrenzen: Wer sich nicht bewirbt oder nicht vorgeschlagen wird, kann nicht dabei sein!

Zu jedem der 12 Nominierten wurden Punkte von 1 bis 3 vergeben, wobei 3 soviel heißt wie „3-Sterne-Website“, also nachahmenswert (aber nicht zwingend völlig makellos). Unterstützt wurde ich bei der Bewertung von Mario Andreya, Fotograf und gelernter Mediendesigner (Rüsselsheim), Ulrich Grundstein, Web Developer (Bochum), J. Scriba, Medienkünstler (München + Elmshorn) sowie Andreas Wilhelm, Bildchef des Tages-Anzeigers in Zürich und Geschäftsführer der Fotografenagentur 13 Photo, der wiederum die Webseiten zusammen mit Andrea Jenzer angeschaut hat. Sie ist Grafikdesignerin bei SMEK, einer der führenden CI-Agenturen in Zürich. Dank an die Mitstreiter im Kampf um bessere Selbstpräsentationen der Fotografen für die investierte Zeit und das professionelle Urteil! (Kommentare sind mit den Initialen der Kommentierenden versehen.) Die jeweiligen Bemerkungen sollen vor allem zu zweierlei dienen: Erstens, transparent zu machen, wie Bild-Profis auf die Präsentation reagieren und zweitens, helfen, sich ein eigenes Urteil zu bilden und es selbst besser zu machen.

Die am besten bewertete Website erhielt 13 Punkte, die am schlechtesten bewertete 5 Punkte. Heute werden die Sites vorgestellt, die 5 bis 7 Punkte bekamen. Achtung: Das sagt nichts über die Güte der gezeigten Fotografie aus, sondern ausschließlich darüber, wie funktional, klar und ansprechend sich der Fotograf oder die Fotografin präsentiert.

schirra

MM: „Herzlich willkommen“ alleine ist schon schlimm, willkommen groß geschrieben noch schlimmer, denn es ist ein Adjektiv. Wer selbst Internetpräsenzen anbietet, sollte eigentlich die doofen Gepflogenheiten aus den Kindertagen der Webansprache überwunden haben. Der Text über das Unternehmen ist übrigens mehr als dürftig. Dass man hier mit WordPress arbeitet, finde ich positiv, wirklich genutzt, um eine lebendige Site zu haben oder mittels Text und Infos die Suchmaschinen zu füttern, wird es nicht.
JS: Klares Design mit makellosen Hochglanzfotos, eben eine perfekte Visitenkarten für Mediendesigner. Verweilt man einige Minuten, stellt man jedoch verwundert fest, dass die „Galerie“ nur eine Handvoll recht ähnlicher Fotos zeigt und weite Teile der angepriesenen Kompetenzen nicht abbildet.
MA: Aufgeräumte Startseite, aber nichts Besonderes, etwas kühl. Mediendesign? Internetpräsenzen? 3D? „Wir können alles, aber nichts richtig.“ Tipp: Extra Website für die Fotografie einrichten!
AW: Wer ist hier das Zielpublikum? Wenig sinnlich, oberflächlich.

newyork
MM: Habe ich primär als Beispiel für eine projektbezogene Website ausgewählt. Der rote Pfeil weist auf die schlecht erkennbare Ausklappnavigation hin.
MA: Fotos skalieren mit, wirkt aufgeräumt. Negativ: Seitenverhältnis der Fotos oftmals verzerrt durch Skalierung, „Slideshowmentalität“, Nutzer muss erst das Menü öffnen, um selbst eingreifen zu können.
JS: Gleich auf den ersten Klick das pralle New Yorker Straßenleben, das inklusive Soundtrack sämtliches Big-Apple-Klischees perfekt bedient. Tolles Marketing für „New York Stories“, aber wenn der Fotograf die Absicht hat, Kunden auf sein Fotostudio am Duisburger Innenhafen hinzuweisen, hat er diese Spur doch ziemlich gut versteckt.
AW: Modern, dennoch wenig zweckgemäss und zu wenig schnell.

spyra

MM: Andy Spyra ist sehr begabt und sehr oft in Bosnien. Mir kam es vor, als habe er seine Website dort gehostet. Sie war nur sporadisch erreichbar.
MA: Was will er mir mit der Startseite sagen? Fotogalerien zu unzugänglich (wegen Einzelgalerien) und zu langsam, Abstürze des Tools. Server liefert Timeouts, nicht sonderlich performant, macht einen unprofessionellen Eindruck. Was macht der Fotograf überhaupt? Das bleibt unklar.
JS: Die Collage auf der Homepage hat mich spontan gegruselt, auch wenn ich nicht ganz erkennen kann, was sie eigentlich zeigt. Im Prinzip konsequentes Design, denn gleich das erste Bild der Stories-Rubrik handelt vom Völkermord. Aber wozu soll mich diese Düsternis motivieren?
AW: Übersichtlich, themengerecht schlicht, etwas zu dramatisch.

rutoed

MM: Auch wenn die Fotofeinkost dabei ist: Ich finde die Logo-Link-Sammlung in ihrer Wirkung zu werblich für eine Fotokünstler-Site.
MA: Nett gemacht, mal etwas anderes, aber leider etwas kompliziert, kleine Fotos. Flash!
JS: Was auf der Startseite noch ganz aufgeräumt wirkt, stellt sich in verschiedenen Rubriken dann leider teilweise sehr verwuselt dar. Der Online-Printshop passt in seiner Anmutung für mich irgendwie gar nicht zur Aura der Fotos.
AW: Wilder Seitenaufbau, wenig übersichtlich, was für wen?

In wenigen Tagen (Mittwoch, den 9.2.2011) folgen die nächsten vier Nominierten. Sie wurden mit 8 bis 10 Punkten bewertet, sind also quasi 2-Sterne-Websites. Zum Schluss kommen dann die vier besten, die das Logo „Top-Website 2010“ mit den drei Sternen auf ihre Site posten dürfen, wenn sie möchten. Natürlich wird es ausser der Vorstellung hier auch eine Presseaussendung geben, in der auf die vier „Sieger“ hingewiesen wird. Ich wünsche allen Nominierten, dass sie Gewinn aus der Aufmerksamkeit und den Anregungen ziehen.

7 Kommentare

  1. Webseiten müssen – neben allem andere – auch funktional sein. Bei einer Fotowebseite ist für mich in dieser Hinsicht essentiell, dass man mit seiner Maus immer auf der gleichen Position bleiben kann, um zum nächsten Bild zu klicken. Das gilt auch für Laptopmonitore. In dieser Hinsicht fallen die meisten hier gezeigten Webseiten durch.

  2. Interessante und tatsächlich in der Bedienung teilweise sehr wirre Seiten. Aber auch sehr interessant die subjektiven Bewertungen. Musste schon über den ersten Kritikpunkt sehr lachen, solange „Herzlich Willkommen“ in der Gestaltungskonzeption als Header großgeschrieben wird, vielleicht doch mal Schwamm darüber? Denn sonst hätte man sich auch gleichfalls über die mannigfachen orthotypografischen Mängel der Seite auslassen können. Ansonsten zähhlt das Dissen der Verwendung von „Herzlich willkommen“ für mich auch zur SEO-Kinderkacke und sortiere ich im Niveau ungefähr im antrainierten Sprachduktus der RTL-Moderationen ein, die nur noch „ganz“ viel Spaß und bloß nie mehr „sehr“ wünschen dürfen. Oder die dümmliche Mär, dass man im Vertrieb bloß nie Menschen fragen dürfe, ob man ihnen helfen könne, weil „Hilfe“ ja ein rein medizinisches Verb sei. (Sorry, aber da bekomme ich immer Herpes bei solchen sinnlosen Doktrinen irgendwelcher Trainerwichtigmacher). Wenn ich im Web mein Zuhause offeriere, darf ich Besucher willkommen heißen, das geht. Das ist kein echtes No Go! Sicherlich gibt es fantasievollere Begrüßungen – nur letztendlich ist eine Höflichkeit, die ich Besuchern an meiner Haustür auch entgegen bringe. Also an der Stelle vielleicht mal ein bisschen weniger doktrinär und nicht immer alte Traditionen bekämpfen, die nur einem Höflichkeitsritual entsprechen. Die sind deswegen noch lange nicht falsch.

    Aber vielleicht hält M.M. ja auch keine Türen mehr auf? ;-) ‚Tschuldigung, aber das musste ich mir jetzt mal vom Seelchen schreiben.

    Fand übrigens den Text des Unternehmens ausnehmend gut: kurz, kein leeres Marketing-BlaBla, was sich in keiner Weise von den Unternehmenstexten anderer Unternehmen unterscheiden würde und daher schon millionenfach gelesen wurde und deswegen eh nur noch überlesen wird. Dann lieber Arbeiten zeigen. Und ‘ne Telefonnummer (wenn auch die lieber ohne Halbgeviert und dafür lieber korrekt mit Divis.)

    • Danke für den Kommentar, der ja auch nicht gerade unpingelig ist. Zur Begrüßungsformel: Nicht zufällig bringen Sie ja das Beispiel mit der Haustür. Hier ist ein „Herzlich willkommen“ durchaus angebracht, weil Sie den Besucher sehen, der Besucher seinerseits darauf antworten kann und wird. Werden Sie von einem Fernsehsprecher oder auf einer Website begrüßt, können Sie nicht zurückgrüßen. Deshalb ist das kein Höflichkeitsritual, sondern dessen Mißachtung. Wie kann ich jemanden „herzlich“ begrüßen, den ich weder kenne noch sehe? Bei privaten Websites ist es schnurz, sich darüber keine Gedanken zu machen, bei Unternehmen, die Webdesign als Dienstleistung anbieten, nicht. Und warum unterstellen Sie mir in der Konsequenz dann gleich persönlich, ich sei unhöflich und hielte keine Türen auf? Ist das die Schlussfolgerung, weil auf meiner Fussmatte nicht „Herzlich willkommen“ steht, sondern ich mir vorbehalte, selbst zu entscheiden, wen ich hereinbitte? Also Gäste und Fotografen herzlich begrüße, aber dem Paketboten beispielsweise lediglich ein freundliches „Guten Tag“ sage?

  3. ein hinweis zu der seite von Andy Spyra:
    „JS: Die Collage auf der Homepage hat mich spontan gegruselt, auch wenn ich nicht ganz erkennen kann, was sie eigentlich zeigt.“

    Das Motiv auf der Startseite ist ein normales foto und keine collage. es zeigt eine frau die um almosen bittet.

  4. @Elmar Streyl: Genau das ist der Punkt! Man muss bei einem Fotografenportfolio immer bedenken, dass der Entscheider (= Kunde) keine Zeit für große Spielchen hat und möge die Website auch noch so liebevolle Gimmicks bereit halten. Er muss sich in der kürze, der ihm zur Verfügung stehenden Zeit ein Bild machen können, ob der Fotograf für den Job in Frage kommt oder nicht und da zählt tatsächlich jeder klick.

  5. …undschwuppsdiwupps hat Herr Schirra reagiert und die Site geändert… Schade eigentlich, denn so lässt sich das jetzt teilweise schlecht nachvollziehen…

  6. Achso, ein Foto. Da leiste ich gerne Abbitte, allerdings konnte ich auch beim dritten und vierten Hinsehen den mysteriösen Hintergrund mit den Handabdrücken an der Mauer (?) und den Symbolen/Farbschichten/Plakatresten, die nahtlos in Schwarz des Hintergrunds übergehen nicht dekodieren.

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