Wie finde ich einen Repräsentanten?

Diese Frage wird mir recht häufig von Fotografen gestellt. Unverkennbar sind das meist solche, die glauben, man brauche eine Agentin, um endlich mehr Aufträge zu bekommen. Warum das so nicht (oder zumindest heutzutage nicht mehr) funktioniert, sei hier in der von mir bekannten Schonungslosigkeit erläutert:

1. Repräsentant ist kein sozialer Beruf, sondern eine kommerziell orientierte Tätigkeit. Deshalb sind Repräsentanten nicht dazu da, unbekannten Fotografen zu Aufträgen zu verhelfen. Repräsentanten sind sinnvoll für sehr erfolgreiche kommerzielle Fotografen, die so hohe Tagessätze haben, dass sich die Prozente für die Agenten nicht ganz so fatal bemerkbar machen wie bei normalen Fotografen. Eine Repräsentanz ist erforderlich, wenn wichtige Kunden weit entfernt und fremdsprachig sind. Zum Beispiel kann es für einen deutschen Modefotografen sehr sinnvoll sein, eine Repräsentantin in Paris und eine in New York oder in Mailand zu haben.

Es ist eine ganze einfache Sache: Wenn Sie mit Ihrer Mappe oder Internetpräsenz keine Aufträge bekommen, dann sind Sie einfach (noch) nicht gut genug. Eine Agentur interessiert sich für individuelle Sichtweisen. Wenn Sie die nicht haben, sondern Mainstream, können Sie nur über den Preis konkurrieren. Und jeder kann sich im Zeitalter von Billig- und Umsonstbildagenturen ausmalen, was das für Zukunftsaussichten sind!

2. Illusionen zahlen nicht die Miete. Die Idee, man müsse nur einen Agenten haben, von einer Galerie ausgestellt werden, bei Lumas angenommen werden, oder was auch immer, und dann würde man berühmt, reich und sexy, ist reiner Selbstschutz. Dann sind immer die anderen schuld, und nie die nur durchschnittlichen Fotos, die man macht, sowie das häufig parallel anzutreffende Chaos im eigenen Kopf und auf der Webseite. Von den eigenen Fotoarbeiten begeistert zu sein, ist noch keine Kunst. Das ist die Regel. Und das ist absolut okay, so lange man nicht kommerziell arbeitet. Gerade Seiteneinsteigern fällt es schwer, diese Hobbyhaltung abzulegen, und die Augen für die Realität des Tagesgeschäftes zu öffnen.

3. Es gibt keine Allheilmittel. Wer nicht ernsthaft und hart arbeitet, wird in der Fotografie nichts werden. Wer sich einfach nur unsicher ist, was er/sie wie weiter machen soll, wo denn die eigenen Schwerpunkte liegen, und wie er/sie eine eigene Handschrift finden kann, oder wie man sein Selbstmarketing verbessern könnte, der darf zu mir kommen, und sich beraten lassen. Oftmals reicht diese Klärung und anregende Kritik aus, um eine Karriere in Schwung zu bringen. Aber umsetzen muss man die Ideen und Ratschläge dann doch wieder selbst …

Nachtrag für FotografInnen, die schon ganz tolle Arbeiten und viele Aufträge haben, und einen Agenten suchen, der ihnen Arbeit abnimmt: Googlen, und gucken, welche Fotografen schon in der Agentur vertreten sind, und ob die eigene Ausrichtung passen würde. Dann telefonisch oder per Email Kontakt aufnehmen. Mein Tipp: Rufen Sie ruhig mal Kollegen an, und fragen sie, was die für Erfahrungen mit Agenten oder der speziellen Agentur gemacht haben.

2 Kommentare

  1. Pingback: Fremde Federn Fotografie: Die Kopfwäsche - bildwerk3 - Fotografie - Fotografen

  2. Der Beitrag trifft es auf den Punkt! Danke!
    Früher hätte ich gedacht, was mag das für eine arrogante Frau sein. Heute um einige Erfahrungen und auch fotografischen Entwicklungen weiter, kann ich dem nur voll zustimmen und finde es gar nicht arrogant.

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