Wie gestaltet man ein fotografisches Diptychon oder Triptychon?

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Was ich suche, ist ein Lehrbuch über die Gestaltung von Di- und Triptychen von Fotos in einem gerahmten Gesamtbild. Die wenigen gesammelten Auffassungen aus meinem Bekanntenkreis dazu konvergieren, z.B. weil meine Kontexte nicht erkannt werden. Als „gereifter“ Amateur fehlen mir die Leitlinien „to do or not to do“ bei dieser für mich ganz neuen Art der Präsentation, denn bisher hängte ich Bilder brav thematisch getrennt bzw. gruppiert. Vielleicht haben Sie einen Rat. Lothar Steiner, Karlsruhe

Probieren Sie doch ganz entspannt aus, was funktioniert und was nicht! Eine regelhafte Anleitung kommt mir zu dogmatisch vor. Zwei Motive einander gegenüber zu stellen ist klassisches Buch- und Magazin-Layout. Sich dazu (wieder) einmal die Fotobuch-Klassiker anzusehen und den Versuch zu unternehmen, deren Entscheidungen zu verstehen, hilft sicher mehr weiter als ein Regelwerk. Walker Evans Katalogbuch „American Photographs“ von 1938 ist hier das absolute Non-Plus-Ultra. (Ich verweise auf meine ausführliche Auseinandersetzung mit den Büchern von Walker Evans und Robert Frank im Kapitel „Das Fotobuch wird Ausdrucksmedium“ in meinem Buch „Fotografie mit Leidenschaft„.)

Qualitätsentscheidend ist auch hier, wie so oft, sich etwas dabei zu denken und nicht einfach formalen Regeln zu folgen. Werden Bildpaare nur nach grafischen und formalen  Gesichtspunkten (zum Beispiel Linienführung, Schattenbereiche, Materialien, Grauwerte oder Farbverteilung) zusammengestellt, ist das für ein Buchlayout okay. Die Doppelseite ist hierfür schlicht die naturwüchsige Art der Präsentation. Ein Motiv wie das Folgende geht in einem Buch als Humor durch, für eine Ausstellung ist das aber ungeeignet.

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Besser ist es, wenn sich die Motive gegenseitig „zum Sprechen“ bringen, indem sie sich ergänzen oder kontrastieren. Idealerweise sollte aber ein (ernsthafter) inhaltlicher Bezug bestehen, der sich auch dem nicht eingeweihten Betrachter vermittelt. Vor allem, wenn es sich um Wandbilder handelt, sollte der Betrachter durch die Gegenüberstellung etwas erkennen können, das ihm das Einzelbild nicht vermittelt hätte.

Motive, die nicht eigens fotografiert wurden, um als Diptychon zu erscheinen, stellt man am besten erst einmal in einem PDF zusammen, um die Wirkung zu probieren. Mein Workaround für die Bildzusammenstellung, z.B. wenn ich Portfolios für Fotografen strukturiere, ist, die Motive in Lightroom in einer Schnellsammlung zu sammeln. In dieser kann man sie in der Reihenfolge verändern und ausprobieren, welche Motive eine kluge Kombination ergeben. Wenn man sie dann in die Buchfunktion exportiert, hat man eine noch bessere Doppelseitenansicht und kann das Layout anpassen. Nach dem Export als PDF lassen sich auch einzelne Doppelseiten entnehmen oder das Ganze lässt sich ausdrucken, um es sich erst einmal zum Test an die Wand zu hängen.

Mit dem Triptychon ist es nicht ganz so einfach. Mein Rat: Ins Museum gehen und sich einige ansehen. Davor kann man sich dann fragen, warum der Künstler diese Form gewählt hat (liegt beim Altar nahe) und wie er die Bildinhalte warum auf die einzelnen Bereiche verteilt hat. Zuhause hilft die Schnellsammlung bei Lightroom, indem man sich die Miniaturgröße so einstellt, dass genau drei Bilder in eine Reihe passen, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen.

Zur Präsentation an der Wand empfehle ich, den Abstand zwischen den Rahmen knapp zu halten und den zur nächsten Bildgruppe mindestens doppelt so breit, so dass sofort klar wird, hier hat der Künstler eine bewußte Entscheidung getroffen. Zwei oder drei Motive in einen Rahmen zu hängen wirkt doch arg gepresst und legt dann den Eindruck nahe, da habe jemand Zeitungsseiten ausgestellt. Auch, wenn es entsprechende Passepartouts mit Mehrfachausschnitten gibt: Die Hängung in einzelnen Rahmen wirkt wertiger.

Zusammenfassend: Eine mehr als dekorative Wirkung hat eine Bildkombination nur, wenn man sich schon vorher (bei der Aufnahme) etwas dabei gedacht hat. Nur, was man reinsteckt, kann auch rauskommen. Wenn man eine Idee, ein Konzept oder einen Hintergrund hat, vor dem das Bild entstanden ist, dann ergibt sich die Kombination quasi zwangsläufig. Regeln sind eine Hilfskonstruktion, die dann entfallen kann. Also: Einfach ausprobieren!

Zum Schluss noch ein Hinweis auf die aktuelle Arbeit Janusblicke, einer Serie von Diptychen, von Torsten Andreas Hoffmann. Der Fotograf und Buchautor legt bekanntermaßen Wert aufs Grafische und Formale und liefert die regelhafte Struktur, die Herr Steiner sucht.

Nachtrag am 19.07.2013:

„Über dieses großartige Thema gebe ich seit Langem ein- und mehrtägige interdisziplinäre Foto-Workshops im gesamten Bundesgebiet. Es dreht sich um Konzept, Umsetzung und Layout von Diptys und Triptys. Außerdem ist ein Lehrbuchmanuskript darüber in Arbeit mit AV-DVD“, teilt Martin Timm mit.